Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1840)
- Date
- 1840-05-16
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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285 den und allen, die ihn kannten, wegen seines biedern Charakters und seiner großen Lhatigkeit im Fache tief betrauert. Bei Gelegenheit der feierlichen Beerdigung desselben erhoben sie unter sich eine Subscription zu Beiträgen, vermittels welcher dem Dahingeschiedenen seiner Zeit ein passender Grabstein gesetzt werden könne. In kürzester Zeit und noch im Leichenhause war die Subscription zu neun monatlichen. Beitragen zur Deckung der Unkosten von und aus den Studirenden selbst vollendet. — Die Sitzungen der diesmaligen Ständeversammlung sind geschlossen, der jüdischen Verhältnisse wurde während ihrer Dauer nicht gedacht; nur einmal geschah von einem der Abgeordneten eine Bemerkung über die Einsetzung des Herrn Seligmann Beer Bamberger als Rabbinen in Würzburg, welche aber als nicht ' zur Sache gehörig, da, weder von der Bibel, noch vom Talmud grade die Rede sei, zurückgewiesen wurde. Uebrigens ist, wie die Nachrichten lauten, Herr Seligmann Beer als Rabbine in Würzburg vom königl. Ministerium bestätigt. In wie fern noch eine Opposition,, die sich im Beginne dieser Angelegenheit wol ergeben hat, noch etwas auszuführen vermag, kann aus dem Gange der Sache selbst erschlossen werden. Was die Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten in Baiern betrisst, so müssen wir nunmehr von der nächsten Ständeversammlung alles oder wenigstens etwas erwarten. Würden wir auch, noch die Hoffnung auf eine bessere Zeit von uns weisen, so wäre unsre Lage unerträglich. — Hamburg, 30. April. (Privatmitth.) Gestern Abend ward hier die Wahl eines Tempelpredigers vollzogen. Sie siel auf Herrn Dr. Naphtali Frank, furter, bisherigen Distriktsrabbinen zu Braunsbach im Königr. Würtemberg, der sich hier als einer der ausgezeichnetsten Kanzelredncr gezeigt hatte. Seine Probepredigten über das tnj>a ■'S-npn und über die Opfer (in Verbindung gebracht mit den bekannten 3 Geboten des Micha) erweckten einen schwer zu beschreibenden Enthusiasmus, der seine persönliche Liebenswürdigkeit noch auf das Beste unterstützte, und wir dürfen auf die glücklichsten Folgen von dieser Wahl rechnen. Außerdem hörten wir auch den Rabbinen von Burgkundstadt, Leopold Stein, dessen Predigten einen kaum minderen Beifall erlangten. Seine Texte i waren 2. B. M. 27, 20 und Habakuk 2, 4. Sein inhalt- und bilderreicher Styl, die scharfsinnige und geschmackvolle Behandlung, die liefe Kenntniß der rabbinischen Auslegung, vor allem aber die vermittelnde Liebe zu der ganzen Masse unserer'Nation, die sich in jedem Worte dieses würdigen Geistlichen und in seinem ganzen Benehmen aussprechen, haben ihm nicht nur im Tempel und außerhalb, bei denen die für ihn, wie bei denen die für seinen Mitbewerber stimmten, die höchste Verehrung und Achtung erworben; sondern sie sichern ihm auch eine der höchsten Stellen unter den gegenwärtigen jüdischen Theologen Deutschlands. Die Wahl war schwer, aber Gott sei Dank nur aus embarras de ricbfcHe, und die beiden würdigen Competenten, die zu gleicher Zeit hier waren, haben uns das schönste Beispiel gegenseitiger Achtung und Freundschaft gegeben, was ihnen freilich um so leichter wurde, da sich keiner des andern zu schämen hatte. Außerdem war bekanntlich noch Jemand als Candidat ausgetreten, dessen Aufnahme eine Calamitat für den Tempel sowol als ein böses Beispiel für das ganze Judenthum gewesen wäre. Dieser würdige Apostel des dünkelhaftesten und lieblosesten Aufklärungsfanatismus hatte hier den einzigen Anhänger gefunden, den er in dem ganzen intelligenten Israel zählt, und diesem wäre es, bei der Apathie, die anfänglich vorherrschend war) fast gelungen, die ganze Tcmpelverwaltung zu einem so unheilvollen Schritte Hinzureißen, hätte nicht eine gütige Vorsehung es anders gefügt und die Angelegenhe mit einer so glanzenden Acquisition beschlossen. Von dem gewöhnlichen Hamburgischcn Correspcndenten dieser Blätter. Literarische Nachrichten. Warschau, 24. April. (Privatmitth.) Binnen Kurzem wird hier ein Werk unter dem Titel Jvwiaty Wachodnie (Blumen des Orients) erscheinen, eine Sammlung der in den Talmuden. und Midraschim sich findenden moralischen, theologischen und socialen Grundsätze, Allegorien, Metaphern und Sagen, herausgegeben von A. Büchner, Lehrer der hebräischen Sprache und der biblischen Exegese an der Rabbinrnschule. Das Manuscript liegt mir zur Einsicht vor. Der Vers, beabsichtigt nach dem Vorgänge von Hurwitz in England, Weil, Eünsburg und Fürstenthal in Deutschland, auch in Polen das Publikum mit den guten Tendenzen, moralischen 20*