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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-16 · Heft 20 (16.5.1840) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 20 (16.5.1840)
Date
1840-05-16
Page
Seite 283 (sequence 7)
Language
German
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283 England, Frankreich und Oesterreich zu ersuchen, bei den Orientalischen Behörden, unter deren Autorität die Verfolgungen gegen ihre Glaubensgenossen stattgefunden, Vorstellungen dagegen zu machen. Auch Herr Rabbine Aub in München hat wackere Aussätze gegen die von baierschen Blattern sehr beliebte Anschuldigung, die sich wenigstens gern in Vermuthungen kleidet, in der Münchner polit. Zeit, geliefert. Nicht ohne Interesse ist folgender Aufsatz in der Haude- und Spener'schen Zeitung, von dem wir, des Raumes wegen, die schönen Eingangsworte weglassen: „In Europa lebt unter den Gebildeten wol Keiner mehr, der des alten Wahnes „die Juden bedürfen zu ihrer Osterfeier des Christenblutes," noch ernstlich gedenken möchte; aber, wird Mancher fragen, da jedes Vorurtheil, jede Mythe irgend einen Grund hat, welches ist denn der Anlaß zu jenem im Mittelalter so verbreitet gewesenen Wahne? Ein Anlaß findet sich allerdings, aber ein entfernter, der grade das Entgegengesetzte von jenem finstern Vorurtheile hatte bewirken müssen Was wir hier darüber mittheilcn, entnehmen wir aus einem Werke: „Religion und Judenthum," dessen Verfasser, ein würdiger jüdischer Gelehrter (PH. Hurwitz), hier in Berlin lebt. Im zweiten Lheil dieses Werkes steht H. 67. bei Gelegenheit der Erörterung der von Pharao befohlenen Ersäufung aller Männlichgebvrncn des Volkes Israel Folgendes: „Nach einer talmudischen Sage, die bei den Israeliten noch jetzt im frommen Andenken steht, soll während dieser Schreckenszeit ein ägyptischer König, der den Aussatz hatte, eine Menge jüdischer Knaben haben aufgreifen und schlachten lassen, um in ihrem Blute behufs der Heilung sich baden zu können. Wahrlich diese Sage ist nicht so grundlos, wie Mancher denken mag. Viele alte Geschichtsschreiber erzählen, daß diese Grausamkeit (nämlich durch Baden in frischem, noch warmem Menschenblute Heilung zu suchen) in Aegypten nicht selten war; daß die Großen deS Reichs, wenn sie von dem Aussatze (Elephantiasis oder ägyptische Uebel, Maclilot Mizniim, 2. Mos. 15, 26) befallen wurden, Kinder kauften oder raubten, ihnen die Kehlen abschnitten und in dem Blute derselben sich badeten. Wenn nun dazu die Kinder aus den untersten Kasten der Aegyptier selber geopfert wurden, so läßt sich denken, daß dieses in noch viel bedeutenderem Grade mit den Kindern der so unter Druck gehaltenen Israeliten geschehen sein mußte. Da nun die jüdischen Ostern die Feier des Auszugs und der Befreiung dieses Volkes aus dem ägyptischen Joche darstellen, so ist es etwas Natürliches und durchaus Angemessenes, bei dieser Feier alle die Plagen und Quälereien, welche die Israeliten in Aegypten ausgestanden, durch Worte oder Symbole sich und den Kindern wieder in Erinnerung zu bringen, „Damit der dem Allmächtigen schuldige Dank aus rechtem Herzensgründe zu ihm cmporstcige. So wurde denn auch von den Lalmudisten vorgeschrieben, am heiligen Osterabende sich nur des rothen Weins zu bedienen, der, um das Schlachten israelitischer Kinder zur Lieferung des frischen BluteS für die dem Pharao nöthigen Bäder wiederum in Erinnerung zu bringen, gleichsam Kinderblut darstellen und bedeuten sollen. (Sccher ladam.)" Daher nun jener Wahn, jener im Mittelalter verbreitete Glaube, daß die Juden am. Osterabend Menschenblut trinken, das, da die Juden ihre eigenen Glaubensgenossen nicht schlachten werden, nur Christenblut sein konnte!" Rußland und Polen. Warschau, 24. April. (Privatmitth.) Herr Dr. Goldschmidt ist hierher zurückgekehrt, und hat am zweiten Peßachfeste, bei großem Zudrange, eine recht tüchtige Predigt gehalten. Bei solchen Anlässen ist der kleine Raum der Synagoge hiesiger deutscher Gemeinde sehr störend, und wird der schon oft besprochene Wunsch nach einem Neubau derselben immer lebhafter.. Mit demselben wird, wie es verlautet, der Plan einer Industrieschule für jüdische Handwerker und Versorgungs- und Arbeitshauses für jüdische Arme zugleich projeklirt. Es sollen zu diesem Behufe bereits von den hiesigen Familienvätern nahmhafte Summen gezeichnet sein. Mag ein baldiges Gelingen dieses Werk krönen! Vor einigen Wochen erfolgte in dem hiesigen Rathhause die Installation unsres neuen Warschauer Radbincn in der Person des Herrn Chaim Dawidsolm. Derselbe leistete in Gegenwart Sr. Excellenz des Stadt-Präsidenten, der hohen Municipalbeamten und der Mitglieder des Synagogenvorstandes den herkömmlichen Hemogial-Eid, wobei er die feierliche

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