Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1840)
- Date
- 1840-05-16
- Page
- Seite 278 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225140--02705-3312201- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
278 wenn in 49 Stunden sich der Mönch nicht fände. Nicht eine Stimme hört man zu Gunsten der Juden; mein heißester Wunsch ist, daß man den Pater oder seinen Bedienten finde, damit der Fanatismus nicht größere Verbrechen verübe. E. Kilben." Beyrut, den 26. Februar. Ich muß Ihnen heute leider ferneres noch mitthei-! len; die Juden von Damaskus werden beschulj digt, das Blut des Pater Martin vergossen zu; haben, aber es scheint, daß alle Verfolgungen j kein Resultat herbeigeführt haben; nichts destoweni-! ger sind die vornehmsten Familienväter esngekerkert; worden, und alle Nachforschungen waren doch j fruchtlos. Ein junger zwanzigjähriger Israelit ist! an den Folgen der empfangnen Schläge in der j Nacht vom 18. zum 19. gestorben, er hatte erl klärt, daß er den Pater habe in ein Türkisches 1 Haus treten sehen. Mehrere vermuthen, daß die ganze Sache von der Regierung ausgeht, um i Geld von den Juden in Damaskus zu erpressen,! und daß deshalb der Pater unsichtbar gemacht! worden. Die Folge wird lehren, wer dieses Mor- 1 des zu beschuldigen wäre. lUeriv Laurella. Folgender Brief enthält noch umständlicher alle Einzelnheiten über die Qualen, welche die vornehmsten Juden erduldet. Der Brief ist an zwei Ge. meinde-Mitglieder'in Constantinopel, an die Herren Abraham Eonorte und Aaron Cohen gerichtet: Indem ich Euch Glück und Segen wünsche, schreibe ich diese Zeilen betrübten Gemüthes, um Euch das Unglück mitzutheilen, das unsre Brüder in Damaskus betroffen. Ich hatte Euch bereits am 21. mit dem Dampfboote geschrieben, und hoffte, Euch heute mittheilen zu können, daß die Verläumdung entdeckt sei; meine Hoffnung ist leider nicht erfüllt, so will ich Euch die Sache berichten wie sie ist. Am ersten Adar Mittwoch (5. Februar) verschwand ein Priester, der seit 40 Jahren in Damaskus wohnt, mit seinem Diener. Dieser Priester übte ärztliche Praxis aus, und besuchte die katholischen, jüdischen und armenischen Häuser, um Allmosen zu sammeln. Den folgenden Tag, nämlich Freitag, kamen Türken und Griechen in das jüdische Viertel, mit der Behauptung, daß sie den Tag vorher den Priester sammt seinem Diener dort gesehen hätten; sie faßten einen jüdischen Barbier und schleppten ihn vor den Pascha. Dieser ließ ihm sogleich 500 Stockhiebe auf die Ferse geben; da er nicht gestand, legte man ihm die härtesten Qualen auf, die ein Tyrann nur erfinden kann. Während dessen ertheilten ihm die Griechen den Rath, die reichen Juden als die Schuldigen des Verbrechens anzugeben; die Schmerzen der Tortur entrissen ihm zuletzt die Namen der reichsten Juden, als: David Harary und seine Brüder, Jrack, Ahron und Joseph, Joseph Laudiato, Moses Abulasia und Moses Dekarluda. Der Barbier erklärte, daß sie ihn rufen ließen mit dem Versprechen, ihm 300 Piaster zu geben, wenn er den Priester tobten wollte, indem sie seines Blutes zum Osterkuchen bedurften; er jedoch habe dies abgelehnt, und wisse nicht, was mit dem Priester geworden sei. Der Pascha voller Zorn und Wuth, ließ die sieben Juden kommen und ihnen Stockschläge geben. Die Unglücklichen schrieen, sich auf ihre Unschuld berufend, und sagten, daß die Juden, da sie sich nicht einmal mit dein Blut der Thiere nähern dürfen, um so weniger eine That begehen würden, die der menschlichen Natur widerstrebt. ' Der Pascha, der nichts hören wollte, ließ sie in Ketten legen, und die härtesten Strafen erleiden, indem er sie 50 Stunden lang stehen ließ, ohne ihnen etwas zu essen oder zu trinken zu geben, und nicht einmal zu schlafen gestattete er ihnen. Hierauf ließ er die drei Oberrabbinen Jakob Antevi, Salamon Arari und Azaria Alphen zu sich berufen und sie dermaßen quälen, daß ihr Fleisch in Stücke flog, indem er sie fragte, ob sie wirklich sich des Blutes zu ihren Osterkuchen bedient hätten; worauf sie erwiederten, daß die übergegangenen Juden schon längst dies bekannt, gemacht hätten, wenn es wahr wäre. Der Pascha begab sich hierauf in die Schulen der Kinder, ließ sie einsperren und in Ketten legen, und verbot den Müttern ihre Kinder zu besuchen, indem er ihnen keine andere Nahrung gestattete, als eine Unze Brod und ein Glas Wasser täglich, alles nur in der Hoffnung, daß die Eltern um Befreiung ihrer Kinder willen die Anklage bestätigen werden. Später trat ein edelherziger Jude vor und gab dem Pascha zu verstehen, daß diese Verleumdung schon von allen Mächten Europas widerlegt sei,