Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1840)
- Date
- 1840-05-09
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
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273 ihren ruin sich gleichsam auffrichtenden Christenthum, da die Eifersucht und Bitterkeit weit größer gewesen, dergleichen nicht gethan haben? Warum sotten sie zu denen Zeiten derer Heydtnischen Kayser, da es mit mehrer sicherheit geschehen können, solches unpracticiret gelaßen' haben? Warum sotten sie mit dergleichen Beginnen den Anfang gemacht haben, da ihre so große gefahr, unter Christlichen Kegemen dabey gewartet? oder, wie selten die Christen voriger Zeiten, denen dergleichen Vornehmen nicht Verborgen bleiben können, solches, da Sie sonst der Juden Haß gegen sich nicht genugsahm zu beschreiben wißen, Verschwiegen haben; Allein in diesem facto mit der Historie etwas weiter zu gehen und deßen Ungrund etwas deutlicher zu zeigen, so bemerken wir, daß umb das 13. 8eculvm der Haß.gegen die Juden in Leutschland sonderlich sehr groß worden, und zwar hauptsächlich durch Veranlaßung eines gewißen Münnichs, nahmens Rudolphus, welcher allem Ansehen nach aus ambitieuser imitation derer Creutzfarth Predigten gegen die Ungläubigen in Orient das Volck, Cölln, Sfeyer, Mayntz und Straßburg zu dergleichen Creutzfahrten gegen die Juden auffhetzte und dadurch in Teutschland sich einen Nahmen wie Bernhardus in Frankreich durch die Creutzfahrt gegen die Nahometaner zu erlangen gedachte, aber eben der Heil. Lernt,ardns Verdambte das von ihm gestiftete Morden und Blutvergießen derer Juden in einem an Henrich, Ertzbischoff zu Mayntz gegebenen Scnd- Schreiben, welches unter deßen fisteln anzutreffen. “) Nicht destoweniger wurde von verschiedenen Pfaffen und Geistlichen in öffentlichen Predigten mit hefftigen Anklagen fortgefahren und ließen sich insonderheit die Mönche Tapffer gebrauchen, nicht nur Ihre Predigten, sondern auch Ihre Bücher gewöhnlicher Maßen mit dergleichen tragischen Mönchsfabeln gegen diese Nation anzufüllen, welche das unverständige Volck auffzubringen fähig seyn möchten. Unter solchen Fabeln ist nun auch diese von dem Gebrauch des Christen Bluths zu allerhand Jüdischer Religion oder Aberglauben außgebreitet worden und könte wohl sein, daß man die erste Gelegenheit hierzu aus einem Ausspruche derer Jüdischen Weysen, welchen Elias Levita in seinem Lisbi * **)•) erklähret, genommen hatte, *) Näheres hierüber s. bei Jost: Geschichte der Israelitin VU. 237 feg. **) s. r. Dl. daß nemlich derjenige im Gerichte nicht stehen, das ist eine Ehrenstelle bekleiden solle, der nicht D,w (welches wort sowohl Bluth als Geldt bedeutet, und hier von Geld zu verstehen ist) habe. — Es gibt uns die Epoque der Fabel klährlich Pabst Gregorio IX. zu verstehen, der nach genauer Untersuchung derer Jüdischen Beschuldigungen dem Vergießen Jüdischen Bluths zu steuern, Anno 1235 und also umb diese Zeiten ein Päbstisches Schreiben ausgehen laßen, in welchen Er die Juden dieses und anderer angeschuldia^WVerbrechen unschuldig erklähret und darüber kll^^^daß solche Anklage von dem Geitz ihrer Kläger,^^nach Jüdischem Guthe trachten und die Christliche Religion zu Bescheinigung ihrer Begierde nach Neichthum mißbrauchen, herrühre, dergleichen Er auch in einem Schreiben folgenden Jahres, wie auch in einem andern an König Ludwigen den Heiligen in Frankreich wiederhohlet. Dem hat es anno 1247 Pabst innocentins IV. in seinen Schreiben ad Archiepiscopos Allemanniae nachgethan, in welchen Er ausdrücklich als eine falsche Aufflage verwirfft, daß die Juden Christen Kinder tödten, und sich ihres Bluths bedienen sotten: Undt die Römischen Kayser haben ebener maßen, seitKaysers Friderici 111. disfalls ergangenen Gebotts, die Juden wegen dieser Beschuldigung unschuldig erkandt, Allermaßen solches auß dem fonnular derer bestätigten Jüdischen Freyheiten, wie solches von denen Neu crwehlten Kaysern gegeben zu werden pfleget, Beym Linneo T. 1. addit ad 1. 3. c. mit Mehrern erhellet. Mit gleichen öffentlichen Zeugnißen seind die Juden gegen diese Lästerung von Gabazeo und Sforzia, Hertzogen von Meyland, von Petro Moncenigo, Hertzogen von Venedig und andern großen Fürsten verrretten worden, welche leicht anzuführen seyn würden, wofern solches die Sache nicht zu weitläuffig machen möchte; Gehen Wir in der Historischen Erwegung dieser Sache auff die Urtheile berühmter Männer von solchen facto; So hat Petrus Bleseusis contra perfid. Jud. c. 8. seinen Zroeiffel an dieser Sache nicht undeutlich zu erkennen gegeben. v. Mart. Lutherus in den 11. Altenb. Theile f. 323 diese Fabel, daß, wenn die Juden Meisten Bluth haben müßen, vor Längst als LügeMeidungen und Narren Werk verworfen, deßgleHtn hat auch Horenbeck in seinen Proleg. des Buchsde convertendis Judaeis gethan, und der in Jüdischen Sa- 19»