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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-09 · Heft 19 (9.5.1840) · p. Seite 272

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 19 (9.5.1840)
Date
1840-05-09
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 (Dict. phil. Art. Criminel) aus dem Languedoc: „Es war eine allgemeine Ansicht, daß die protestantische Religion positiv den Vätern und Müttern befehle, ihre Kinder zu tödten, wenn sie katholisch werden wollten. Dieses Vorurtheil hatte so tiefe Wurzeln in den Köpfen selbst der Magistratspersonen, welche von dem öffentlichen Geschrei hingerissen wurden, gefaßt, daß der Senat und die Kirche von (He»f genöthigt waren, diesem unseligen Jrrthum öffentlich zu widersprechen, und dem Parlement von Toulouse eine juridische Bescheinigung zuzusendcn, daß nicht allein die Pro. testanten ihre Kinder nicht tödten, sondern sie sogar Herren ihrer Güter lassen, wenn sie ihren Glauben mit einem andern vertauschen. Man weiß, daß Calas trotz dieser Bescheinigung gerädert wurde." Ich stelle Euch auch das Original her: „C’etoit unc opinion iiuiverseile que la religion protestunte ordoune positiveinen t aux peres et aus meres de taer leurs enfans s’ils veulent etre catlioliqnes. Cette opinion avoit jete de si profundes racines dans la tete meine des Magistrats cntraines niallieureusenieiit alors par la clameur publiqne, que le conseil et l’eglise de Gen'eve l'urent obliges de deinentir cette fatale errenr et d’envoyer au parlement de Toulouse une attcstation juridique qae non seuleinent les protestans ne tueut point leurs enfans niais qu’on les laisse maitres de leurs liiens quand ils quittent lcur secte pour une antre. On sait que Calas fut roue malgre cette attestation.“ An solchen Protestationen hat es denn auch das Judenthum nicht fehlen lassen, in Smyrna, Marseille, Paris, Leipzig und unzähligen Orten traten dieselben in die Oeffentlichkeit, auf die kräftigste und weihevollste Weise. So gab dieses unglückselige Ereigniß nur abermals Zeugniß, wie nahe dem öffentlichen Leben jetzt die Juden getreten sind, wie inte» grirend sie jetzt demselben angehören. Fragen wir uns aber ernsthafter, woher kömmt es, daß gerade gegen die schwächere Partei immer dergleichen Borurtheile im Schwange sind und festgehalten werden, da doch z. B. Pückler-Muskau die Bemerkung macht, daß gerade die schwächere, unterdrückte Partei die aufgeklärtere ist — so lieget darin das Geständniß, daß, bei dem ursprünglichen Gerechtigkeitsgefühle des Menschen, der Gewalthaber stets eine Entschuldigung seiner Gewaltthat für sich l und Andere suchet, und diese allerdings am leichtesten in gehässigen Insinuationen findet. Von der andern Seite ist dies stets der Tribut, den die Minderzahl der Mehrzahl für ihre Existenz und Exklusivität bezahlt. Immerhin also. Je größer, je vollständiger gerade in diesem Punkte unsere Unschuld, desto leichter wollen wir uns trösten, und dem Gotte der Wahrheit vertrauen. Desto größer ist aber auch die Schmach derer, welche solche Borurtheile im großen Haufen nähren und erhalten. Jeder, der Solches nur in der Gesinnung eines Menschen gethan, hat eine schwere.Sünde an Gott und der Menschheit gethan, die er selbst tragen möge! Höchst interessant aber ist folgendes Gutachten der Leipziger theologischen Fakultät im Jahre 1714, bei ähnlichen Vorfällen, für dessen Mittheilung man uns dankbar sein wird. Nachdem gewisse vorfallende Begebnüsse, die Erörterung der Frage erfordern: Ob zu erweisen, und zu glauben stehe, daß das Jüdische Volck nach denen Gesetzen seiner Religion, oder bey derselben eingeführten Aberglauben Christen Bluth vonnöthen habe und zu solchem Ende durch heimliche Hinrichtung zarter Kinder dessen habhaft zu werden suche? auch hierüber im Nahmen Sr. König!. May. in Pohlen und Churfürstl. Durch!, zu Sachsen Unser Gewissenhafftes Pflichtmäßiges Gutachten begehret worden; Also haben hiermit Unser Allerunterthänigsten Schuldigkeit gemäß Wir Unser gewißen mit Verneinung dieser Frage eröffnen, auch von solcher Unser Verneinung nachführende Gründe ansühren sollen. I. Ist diese dem Jüdischen Volck beygemeßene schwere Klage eine bis in das 13. 8eculum nach Christi Gebührt unerhörte Sache, und würde mann, da mann doch sonst der Jüdischen Nation nichts ge* schencket, in Keinen einigen Document dergleichen weder von denen Juden in gantz Orient noch occident Bejahet finden. Warum sollen aber die Juden diese gantze Zeit über diese grausamkeit unterlaßen und erst nach diesem angefangen haben? Warum sollen Sie bey dem anfangenden Wachsthum des auff

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