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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-09 · Heft 19 (9.5.1840) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 19 (9.5.1840)
Date
1840-05-09
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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271 Tages-Äontrole. Europa hat den Bekenner» der israelitischen Religion nie eine Thräne erspart! Die Geschichte erweist, daß Europa keine ruhigere, friedlichere, harmlosere Menschenklaffe je besessen, noch besitzt, als die Juden. Ist irgend ein finanzieller oder industrieller Schaden aus den Juden hervorgegangen, so war nur die Stellung schuld daran, in die man sie, zu ihrem eigenen Wehe, hineingedrängt. Sonst ist aber keine einzige öffentliche Kalamität, kein einziges Verbrechen an der Gesellschaft in Europa nachzuweisen, welches vom Judenthume und den Juden ausgegangen oder gethan worden, obschon sie bereits zwei Jahrtausende in diesem Welttheile verweilen. Hingegen haben aber die Europäer ihren jüdischen Mitbewohnern nie einen Schmerz, nie eine Kränkung erspart, im Gegentheile diese möglichst befördert und herbeigeführt! Gewiß eine harte Anklage, mit blutendem Herzen schreiben wir sie nieder, aber sie ist zu wahr. Den Beweis hat die Lagcsgeschichte wieder geliefert. Als unter Mehmed Ali's Zepter in der Stadt des ältesten Judenhasses «ine lügenhafte Beschuldigung die Juden traf, deren Zweck so offenkundig lag — wessen Beruf war es, dieselbe sofort zurückzuweisen, und mit dem ganzen Gewichte und der ganzen Kraft derer, die für die Unschuld sprechen, sofort das dunkle Gewebe aufzulösen, wessen Beruf war dies, als des europäischen Journalismus? Wie oft schwatzt dieser von der Intelligenz, der er zur Stütze diene, wie oft deklamirt er gegen die Regierungen, welche seine Falschheit langst kennen gelernt — hier war ja eine herrliche Gelegenheit, die vielrednerische Humanität zu beweisen, und die Vertretung der Unschuld wie die Verfolgung der Ungerechtigkeit, die er so oft als sein Eigenthum anspricht, kräftigst auszuführen — aber nein! es galt ja die Juden und das Judenthum! Oder solltet Ihr das Judenthum immer noch zu wenig kennen, um nicht ganz gewiß über diesen Gegenstand zu sein? Ach, spielt nicht die Unwissenden, da ihr so oft die Wissenden spielt, und beides nicht seied! Und so trafen Öourrier franpais, Leipz. Allgemeine Zeitung, Augsburger Allg. Zeitung, Oesterveichischer Beobachter, und wer weist noch wer Alles zusammen, mit einer Bestimmtheit über eine falsche Anklage zu asseriren, die wirklich granzenlos ist. Entschuldigt euch nicht mit Euren später erfolgten Entschuldigungen und Bemäntelungen, keine war aufrichtig, Niemand erhob sich dagegen, wenn nicht die Angeschuldigten, die Juden selbst. Und dann kennt Ihr doch wol Eure Einwirkung auf das Publikum hinreichend , um nicht zu wissen, daß eine einmal so bestimmt hingestellte Behauptung nickt so leicht wieder durch nachherige zweifelhafte Flauseln verwischt wird. Vielleicht aber haltet Ihr jetzt die Juden hinreichend mannbar, um sich selbst zu vertheidigen — nun immerhin. Ungern wollen wir die Ansicht Vieler berühren, als ob man es diesmal weniger auf die Juden, als auf das Judenthum abgesehen, daß man diesem gern einen Auswischer habe geben wollen: sehet, das ist eine Religion, die solches fähig ist! Nein, das wäre zu feindlich und zu lächerlich. Denn wenn man erst die Waffen gegen einen im Lande bestehenden und blühenden Glauben aus der Rüstkammer Mehmed Ali's holen will — so müssen die heimischen Waffen sehr verbraucht und abgestumpft sein! Und in der That ergiebt sich für den, der aufmerksam den Bewegungen der Zeit folgt, daß wirklich alle früheren Vorwürfe, Ladelsobjekte, Hintenansetzungsmomente gegen das Judenthum so oft in neuerer Zeit besprochen und abgethan sind, daß sie in der jüngsten Zeit verstummen mußten. Wie willkommen mußte daher den Leuten eine solche Gelegenheit sein, wo man, obne selbst etwas zu riskiren, das Judenthum in öffentlichen Mißkredit wieder einmal bringen konnte. Ohne selbst etwas zu riskiren? Bei Leibe nicht! Allerdings hat das Zeitungswesen dabei etwas riskirt — seine Autorität, sein ganzes Ansehen, die schon so wankend geworden sind. Es hat allen Vernünftigen, Partheilosen abermals erwiesen, wie wenig man bei Vertheidigung des Rechts auf eine fortgesetzte Unterstützung bei ihm rechnen könne, folglich wie wenig das Recht in ihm wohne! Die Sache selbst hat eigentlich gar nichts Auffallendes. Von jeher waren solche Vorurtheile gegen die schwächere Religionspartei im Schwange, und wurden lange Zeit festgehalten. Wir wollen nichr einmal an die ersten Jahrhunderte des Christenthums erinnern, eine nähere Zeit soll uns einen Beweis an die Hand geben. Noch vom Jahre 1761, der Zeit des Calasschen Proceffes berichtet uns Voltaire

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