Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-02 · Heft 18 (2.5.1840) · p. Seite 259

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 18 (2.5.1840)
Date
1840-05-02
Page
Seite 259 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225138--02684-3312178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

259 liches als auch nützliches Mitglied der bürgl. Gesellschaft sein kann, gänzlich entwickeln wird. Gesetzartikel. Hinsichtlich der sich in dem israelitischen Religionsverbande befindlichen wird beschlossen: ■ 1. Die Toleranztaxe wird aufgehoben. 2. Die Israeliten können in allen Theilen oder Gegenden *des Landes wie auch in allen Theilen, Städten, und deren allen Theilen ohne Einschränkung wohnen. 3. Es ist ihnen erlaubt, adeliche Güter in Pacht zu nehmen und nicht nur Unterthans - Gründe, sondern auch in königlichen Freistädten städtische Gründe, in welchen Theilen der Stadt immer, auf ewig zu kaufen. 4. Sie dürfen hinsichtlich ihrer Religion in Errichtung einer Fabrik, in Betreibung eines Handwerks oder Handels unter keinem Vorwände gehindert werden. Die Wissenschaften und Künste, in deren Genuß und Gebrauch sie bis nun lebten, können sie auch fernerhin uneingeschränkt bethätigen. 5. Hinsichtlich der aus andern Ländern nach Ungarn kommenden Juden wird beschlossen, daß jeder durch glaubwürdige Zeugnisse zu beweisen schuldig ist, daß er entweder 1000 fl. C.M. besitze, oder in einer Wissenschaft oder einem Handwerke vollkommen bewandert sei. 6. Wird jeder mit diesem Gesetz in Widerspruch stehende Gebrauch oder Rathschlag aufgehoben und vernichtet. Preßburg, 10. April. (Privatmitth.) Herr Stanislaus Albach, einer der berühmtesten katholischen Prediger, hält hier die Fastenpredigten. In der heutigen Predigt über die Nächstenliebe spielte er auf die Judenemancipation aber so deutlich an, daß jeder, der nur deutsch verstand, die Absicht des Redners begreifen mußte. Er sprach mit Feuer und Glut für dieselbe, und forderte den Reichstag auf, seine Bestrebungen fortzusetzen. Der Enthusiasmus war so groß, daß man den Ausruf eines eigens (er lebe), welches ihm mehrere anwesende Reichsragsmitglieder bringen wollten, mit Mühe unterdrückte. Chiwa. Da durch die jüngste, russische Expedition dieses hochasiatische Land die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, so wird folgende Notiz, die wir dem Auslande vom 4. April entnehmen, nicht uninteressant sein: „Juden befinden sich etwa 200 in Chiwa. Sie besitzen keine eigenen Hauser, sondern wohnen zur Miethe und beschäftigen sich mir Seidenzucht, Weberei und dem Färben seidener und halbseidener Stoffe. Hier, wie in Buchara, müssen sie sich auf eine Art kleiden, daß man sie augenblicklich von den Mitgliedern anderer Nationen unterscheiden kann. Niemand grüßt sie, und der Chan, wenn er ihnen begegnet, wendet sich ab. Sie leben friedlich, aber spielen gern mit Karten und Würfeln um Geld." Diese Notiz ist nach Helmersen gegeben, und fragt es sich nur, wie viel Vertrauen dieselbe verdient. Deutschland. Altona, im März. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde verlor in diesen Tagen eines ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder, den Herrn Meyer Benjamin Cohen, einen Mann von der gründlichsten Gelehrsamkeit in allen Zweigen des rabbinischen Wissens, besonders des juristischen. Obwol Geschäftsmann war er viele Jahre lang Beisitzer und mehrmals interimistischer Präses des hiesigen jüdischen Gerichts. Während seiner über 40 jährigen Amtsführung als Parnas unserer hochdeutschen Gemeinde hat er die verschiedensten Zeitalter durchlebt, hat bärtige undeutsche Rabbinen und studirte, deutsch - predigende, wie unfern gegenwärtigen Oberrqbbinen, eingeführt und war in allen diesen verschiedenen Zeiten seinem Charakter treu: streng religiös für sich selbst 8nd nachsichtsvoll gegen Ändere, stets bereitwillig zu Rath und That gegen Jedermann, ein Vater der Waisen und ein Beistand der Wirtwen; leutselig und mittheilend, wie Helle Köpfe es immer sind. Als Concipient aller Arten von geschäftlichen Aufsätzen in deutscher sowol als in neuhebräischer Sprache dürften Wenige ihm gleichen. In allen Zweigen unserer Gemeindeverwaltung erwarb er sich die größten Verdienste und starb, 76 Jahr alt, allgemein geachtet und betrauert. Hätte die orthodoxe Partei überall viele solcher Persönlichkeiten aufzuweisen, so stände ihre Sache weit besser in Deutschland. Schwerin, 11. April. (Hamb. Corr.) Am 6. d. hat hier die Wahl eines Großherzogl. mecklenburgschwerinischen Land-Rabbinen stattgefunden, und ist dieselbe, in Gegenwart zweier Großherzoglicher Commiffarien, des Kanzleiraths Müller und des Schul-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.