Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1840)
- Date
- 1840-05-02
- Page
- Seite 258 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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258 teriell aber darum, weil sie alle Handelsunternehmungen in ihre Netze auffangend, in financieller Hinsicht das Mark des Vaterlandes aussaugen. Was nun das erste, das geistige Gefährden unserer Constitution anbelangt, so ist es, wenn die zum Erwürgen des Magyarismus gerichteten Bestrebungen des mit aller geistigen und materiellen Macht bewaffneten deutschen Sinnes, Jahrhunderte hindurch fruchtlos gewesen, jetzt da unser väterlich regierender König und der hoch in Ehren stehende Palatin unseres Vaterlandes die Hauptgönner der Entwickelung unserer Nationalität sind, wo das hohe regierende Haus die Zauberklänge unserer Muttersprache sich zueignek, wo die verwiesene Vaterlandslose ungarische Sprache ihre ursprünglichen Rechte siegend erkämpft und die ganze konstitutionelle Welt in der Entwickelung unserer Muttersprache und Nationalität den treuesten und mächtigsten Beschützer unserer Freiheiten erkennt, ist es, sage ich, dann nicht eine kleinmüthige Behauptung, daß die Einwanderung einiger tausend bedrängten Juden unserer Nationalität gefährlich sein könnte? Auf jene Behauptung, daß die Juden der despotischen Willkühr als Hilfsmittel dienen, antworte ich, daß sie wegen ihrer ungewissen und hart bedrängten Lage der größern Macht Gunst zu erwerben gezwungen wären, aber durch ihre Freisprechung in den Gesetzen Schutz finden, und nur ihnen sich unterwerfen werden. Denn auch in ihrem Busen sind die Keime der bürgerl. Tugenden, die der auflebende Hauch der Freiheit zum vollkommenen Aufblühen befördern wird. Was aber das betrifft, daß unsere Constitution durch die Juden materiell gefährdet werden könne, die Beseitigung dieser Besorgnisse liegt schon in den zur Einwanderung einladenden Ursachen durch die bürgerl. Ansiedelung der reformirten Juden. Durch das Verschmelzen ihrer Interesse mit der unseligen stirbt der alte Jude, der mosaisch glaubende Mitbürger wird auferstehen, welcher entweder sich gänzlich nationalisirt oder am Altar der Freiheit uns brüderlich die Hand reicht. Hochlöbliche Magnaten! reichen auch wir jetzt unfern armen Mitmenschen, die ihres Vaterlandes, ihrer Selbstständigkeit beraubt, in der ganzen Welt zerstreut, gehaßt, verfolgt und bedrängt ihr Leben fristen, die Hand der Nächstenliebe, sie bleibe nicht immer auf unfern Zungen liegen, sondern es offne sich derselben auch unser Herz. Sie sollen im Chrkstenthum nicht immer den Glauben der Unduldsamkeit und Unbarmherzigkeit, sondern die Religion der Liebe betrachten und erkennen. Sv werden sie durch die ewigen Bande der Dankbarkeit und dem eigenen Interesse an unser allgemeines Vaterland gefesselt, und aus den mit Freudenthränen benetzten Gräbern ihrer Unterdrückung wachsen für uns immergrünende Lorbeerkranze! Ich meine es mit den Ständen. Baron Barcozi") stimmt für Aufhebung der Toleranz-Taren, denn es gehört den heidnischen Zeiten zu, jemanden darum, weil er kein Christ ist, Taxen aufzulegen, aber was die Verleihung der bürgerl. Rechte anbelangt, so wünscht er nicht alles den Juden zu gewähren, was die Stände- Tafel fordert. Er gewahrt ihnen die Ausübung der Handwerke und wünscht, daß die Handwerker sich nicht schämen sollen, einen geschickten Juden zum Mitglied ihrer Innung zu haben, wünscht ferner, daß sie städtische Gründe kaufen können. Aber diese Begünstigungen will er nur den hiesigen und nicht den in der Folge erst einwandernden Fremden zukommen lassen, im Gegentheil sollen diejenigen, die heimlich hereinkommcn, wenn sie selbst Rabbinen wären, streng verwiesen werden. Preßburg., 10. April. (Privatmitth.) Am 6. lauf. Monats wurde das 2. Nuntium der Stände an die Magnaten in Betreff der Israeliten - Emancipation beschlossen, lautend: „Die Stände hätten gewünscht, daß die hohe Magnatentafel den zugesandten Gesetz-Artikel angenommen hätte, wodurch die völlige Emancipation der Israeliten schon für jetzt ausgewirkt worden wäre. — Nachdem jedoch die hohen Magnaten in dem, was das Prinzip anbelangt, mit ihnen einverstanden, nur die Art der Vollbringung Stufenweise den Zeit-Umständen angemessen voranschreiten lassen wollen, nehmen die Stände das Projekt der Magnaten als t. Schritt zu dem Ziele, welches sie in ihrem Nuntium sich auserkoren, an, mit dem Zusatze, daß die Bedingnisse für die einwandernden Israeliten nicht nur in der Representation, sondern auch im Gesetzartikel ausgesetzt werden sollen. Uebrigens hoffen die Stände mit Zuversicht, daß die Zukunft die Gemeinnützigkeit dieses Schrittes beweisen und in dieser sich die klare Wahrheit jenes Satzes, daß nur ein Bürger ein sowol glück- *) S, H. Stuhlweißmburger - Bischof.