Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1840)
- Date
- 1840-05-02
- Page
- Seite 253 (sequence 5)
- Language
- German
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255 rige Ihrer Gemeinde zu erfreuen. — Nach Vernehmung der angeblichen Ermordung des Pater Thomas und einer Zeloten-Predigt. Magdeburg, d. 18. Apr. 1840. Ein alter, nicht mittelalteriger, nicht modernster Christ." Wie süß sind solche Stimmen in der Wüste! Ueber den Gegenstand selbst enthielt die Allg. Preuß. Staatszeit, folgenden Bericht: Das Amsterdamsche Handelsblad theilt Nachstehendes als Auszug eines Schreibens mit, welches an ein geachtetes Niederländisches Handelshaus gerichtet war: „Die Juden in Damaskus 'befinden sich jetzt in einem beklagenswertheff Zustande. Pater Tommaso, ein Kapuziner-Mönch und Guardian des Klosters daselbst, ward am 9. Februar d. I. vermißt und alle Nachforschungen, um ihn oder seinen ebenfalls vermißten Bedienten aufzusinden, blieben fruchtlos. Einige Zeugen erklärten, daß man Beide an jenem Tage in dem Quartier der Juden gesehen, und sei es nun, daß die Türken den Mord eines Christen von sich abwälzen wollten, oder daß sie sich der Schätze der reichen Israeliten bemächtigen wollten,— genug man beschuldigte die Juden, den Mönch und seinen Diener ermordet zu haben und diese Anschuldigung fand bei der fanatischen Bevölkerung nur allzubald Glauben, besonders da man damit die unsinnige Behauptung verband, daß die Juden des Blutes eines Christen bedürften, um die Mysterien ihres Osterfestes, (welches übrigens erst am 18. April, also über zwei Monate später einfällt) zu feiern. Die vornehmsten jüdischen Einwohner wurden nebst zweien Rabbinen ins Gefängniß geworfen, wo sie auf die unmenschlichste Weise gefoltert wurden und die Tortur ihnen das Geständniß einer Missethat abzwang^, an welcher sie, der Natur der Sache nach, ganz unschuldig sind. Leider war es der Französische Konsul, der das Verfahren der Syrischen Behörden bei dieser Gelegenheit guthieß. Es ist zu hoffen, daß man die vermißten Personen noch zeitig genug auffinden werde; im entgegengesetzten Falle ist für die Juden in Damaskus und vielleicht in ganz Syrien das Aergste zu fürch-- ten." — „Ein Brief von späterem Datum (fügt das Handels blad hinzu) berichtet auch noch das Aufsinden der beiden Leichen. Eine Merkwürdigkeit, die wir diesem zweiten Schreiben entnehmen, ist, daß ein jüdischer Arzt, welcher sich stellte, um zu bezeugen, daß er den Pater Tommaso noch in der Nacht vom 9. auf den 10. Febr. auf einem freien Platz der Stadt gesehen, zum Lohn für dieses Zeugniß stehenden Fußes auf die grausamste Weise todtgeschlagen wurde!" Die Magdeb. Zeit, enthielt, wir wissen nicht, aus welcher Quelle, folgenden Artikel: Wien, 12. April: Amtliche Berichte aus Bairut vom 15. März berichtigen die Angaben der Smyrnaer Blätter über den angeblich an dem würdigen Vorsteher des Spanischen Klosters zu Damask, Pater Thomas, begangenen Mord dahin, daß die That keineswegs noch erwiesen, die Thäter nicht ausgcmittelt sind, und die von der Localbehörde zur Beaugenscheinigung der in den Abzugskanälen des jüdischen Stadtviertels aufgefundenen Knochen bestellten Aerzte und Chirurgen erklärt haben, es seien diese Knochen altere und übcrdieß Thierknochen. Wenn, wie einige Nachrichten lauten, die aus Anlaß des obigen Mords Statt gefundene Judenverfolgung in Damask wirklich auf dem oft wiedergekehrten Wahne beruht, daß die Juden zur Zeit der Osterfeier Christenblut verzehren, so beweist dieß nur, wie durch Jahrhunderte sich Meinungen fortschleppcn können, welche der menschlichen Natur widerstreben, dem Buchstaben des jüdischen Gesetzes entgegen sind und in dem gegebenen Falle jeder Wahrscheinlichkeit schon dadurch Trotz bieten, daß die That im Februar begangen worden, während die jüdischen Ostern, wie bekannt, viele Wochen später, im April, fallen. — Aus dem nämlichen Wahne soll eben jetzt eine Judenverfolgung in Rhodus Statt gefunden haben, und zwar aus Anlaß des Verschwindens eines Griechischen Knaben. So scheint denn selbst der Thatbestand sich in Nichts aufzulösen, und eine tüchtige Schlappe wird von dieser Sache auf lange Zeit nur davon getragen haben — das europäische Zeitungswesen, welches hierbei unwillkürlich verrathen hat, wie es sich leider! so leicht zu Leitern gehässiger Insinuationen macht.