Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1840)
- Date
- 1840-05-02
- Page
- Seite 252 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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252 es, was die innerste Seele erbeben ließ, daß der erbärmliche, lügenhafte und sich selbst widersprechende Bericht eines feilen Söldlings der Aegyptischen Bedrücker sofort von allen Zcitblättern Frankreichs und Deutschlands ohne Aufschub, ohne Abwarten offizieller Kunde aufgegriffen und wiedergegeben ward, daß in Folge dessen die Religion Mosis abermals vor den Augen der Europäischen Menschheit mit dem fürchterlichsten Schandflecke gebrandmarkt ward, daß dies in unserer Zeit noch einmal nur so hingestellt werden konnte — dies mußte das Erstaunen und den höchsten Grad des Unwillens und Abscheus in allen Theilnehmenden erregen. Wie? nachdem die Orientalischen Sprachen eine so weite Bearbeitung bei den Europäern gefunden, nachdem ein Tychsen, de Sacy, Gesenius, Hartmann, G frörer ff. alle Winkel des Talmuds, -er jüdischen Codices, Kommentare u. s. w. durchforscht, durchstöbert haben, oft genug ohne Berückj sichtigung der Zeiten und ohne Schonung, sollte noch immer eine alberne, aber furchtbare Anschuldigung vorgebracht werden können. Sollte nur eine Spur von einer Spur, eine Andeutung von einer Andeutung in irgend einem Schriftwerke, selbst des obskursten Rabbinen, sich finden, die anklingen konnte, selbst aus der Zeit des fürchterlichsten Drukkes, der dunkelsten Orthodoxie, an eine derartige Anklage: hätte diese Niemand angezeigt, und öffentlich denuncirt? Aber wer wird gar an eine Vertheidigung oder Widerlegung denken! Diese selbst wäre schon ein Zugeständniß, das man den Hassern jener uralten Religion nicht thun darf. , Sondern fragen wollen wir nur, was das Wiedererscheinen solcher Beschuldigungen zu bedeuten habe?! Fern sei es sogar von uns, hierbei Mangel an Aufrichtigkeit und Duldung, Ueberfluß an übel verstecktem Vorurtheil und Hasse der Gegenwart vorzu-! werfen. Nein! wirerheben uns höher. Wir schauen! auf die Hand des Allgütigen und Allweisen, der, wenn er züchtigt, wie ein Vater züchtigt, der mit einem Uebel nur ein Gutes bezweckt, daß jene verachteten jüdischen Weisen von ihm sagen: „Auch für das, was uns ein Uebel scheint, müssen wir dem Herrn danken!" Er hat seine Zwecke auch in solchen Dingen. Es soll eben durch solche Ereignisse nur dem gegenwärtigen Judenthume die Gelegenheit gegeben werden, sich glanzend zu rechtfertigen, und bis auf Stumpf und Stiel diese immer noch in dem Sinne Unzähliger wurzelnden Vorurtheile auszurvtten, durch eine vollgültige Protestation, durch eine offene und allseitige Darlegung diesen Feind der Menschheit und Wahrheit zu vertilgen, und mit der zum Himmel erhobenen Hand zu beschwören: daß das Judenthum nichts Anderes lehrt, als: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" (3. Buch Mos. 19, 18.) Und weil man mit Vertheidigung und Einrede nicht immer auf offenem Markte stehen kann, und weil das Reich der Verfinsterung noch immer so weit, so unendlich weit reichet: darum wirft die Hand der Vorsehung solche Ereignisse in 'die Mitte der Völker und Glaubensparteien, daß sie sich also verständigen lernen! Ist cs nicht wundersam, ist es nicht Zeichen der Zeit genug, daß, was in den Steppen Syriens an der Menschheit gefrevelt worden, ausgefochten wird am Strande der Seine, des Rheins, der Elbe? Warum also anklagen, wo der „Finger Gottes" so sichtbar ist? Nicht zur Trennung, sondern zur Verständigung geschiehet es, 'und Verständigung heißet Verbrüderung. Aber der Weg der Menschheit ist lang, im Reiche der Liebe, wie im Reiche des Lichts! Dr. Ludwig Philippson. Man wird die Tendenz dieses Aufsatzes, die unangenehme Aufregung überhaupt zu verwischen, leicht erkennen. Aber als wohlthuend kann man es ansehen, als an dem Morgen, nachdem dieser Art. abgedruckt gewesen, folgende zwei Briefe an uns einliefen : „Ich danke Ihnen, mein hochgeschätzter Herr 0r., für Ihre geist- und herzvolle, aus dem Elemente des wahrhaftigen Lebens stammende Erklärung, betreffend das Ereigniß mit den Juden von Damaskus, in der ersten Beilage der heutigen Magdeb. Zeit., und wünsche Ihnen den Hochgenuß alles des Segens, den ein solcher Standpunkt, wie Sie ihn inne haben, vermittelt. Magdeburg, den 18. April 1840. Der Bischof vr. Dräseke." Zweitens: „Ew. Hochwürden ersuche ich mit der anliegenden kleinen Gabe (einem Friedrichsd'or) zur Feier Ihres und meines Oster-Festes einige arme Hung-