Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1840)
- Date
- 1840-05-02
- Page
- Seite 251 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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251 „Die Beilage zu No. 103 der Leipziger Allgemeinen Zeitung liefert in einer Privatcorrespondenz aus Bairut die Details einer schaudererregenden Mordthat, welche zwei dortige Oberrabbinen und sieben sehr angesehene jüdische Kaufleute an dem Pater Thomas und zwar gestandlich „um dem geheimnißvollen Gebot ihrer Religion zu gehorchen, wornach das ungesäuerte Brod zu Ostern mit Christenblut bereitet werden müsse," verübt haben sollen. Dergleichen Geschichten sind bekanntlich das ganze Mittelalter hindurch, namentlich kurz vor den Osterfesten, von den Kanzeln herab den Christen verkündet worden und Tausende unschuldiger Juden haben in Folge dieser entsetzlichen Beschuldigung unter den Schlachtmeffern gläubiger Christen verbluten müssen. Daß dieselbe Verleumdung noch heutigen Tages durch eins der geachtetsten deutschen Blätter ins Publikum gebracht werden konnte, muß jeden Freund deutscher Bildung mit tiefer Betrübniß erfüllen: uns Unterzeichneten aber, die wir jenen Artikel am Frühesten zur Ansicht bekommen, uns möge es verstattet sein, ohne Verzug im Namen aller unserer Glaubensgenossen in der Nähe und Ferne, und im Namen unserer geheiligten Religion, die ihre Gebote niemals in Geheimnisse gehüllt hat, das vom Berichterstatter angegebene, oben wörtlich wiederholte Motiv zur Mordthat, auf das bestimmteste und feierlichste, als den jüdischen Geboten schnurstracks entgegengesetzt, zurückzuweisen. Lausend und aber tausend Mal ist erklärt und bewiesen worden, daß die Juden nicht einmal das Blut von Thieren genießen dürfen; daß ihre ungesäuerten Osterbrode überall lediglich aus Mehl und Wasser geknetet werden; daß eine Mordthat, an wem immer verübt, von den Juden als das scheußlichste aller Verbrechen geflohen wird; daß selbst der fanatischste Jude niemals vergossenes Blut, und also auch nicht Christenblut, als gottgefälliges Werk betrachtet habe. Sollen diese offenkundigen Thatsachen noch immer wieder erhärtet und bewiesen werden? Wann wird Deutschlands edle Sprache, wann werden Deutschlands humane Blätter ^ushören, durch Verbreitung so offenbarer und so gefährlicher Jrrthümer sich selbst zu beflecken? Uebrigens haben wir bereits die nöthigen Schritte gethan, um auf diplomatischem Wege die wahre Sachlage in Bairut zu ermitteln, und werden die Resultate der von uns veranlaßten,. amtlichen Nachforschungen ihrer Zeit der Oeffentlichkeit übergeben. Leipzig, am 12. April 1840. (L. 8.) Die Judenschaft zu Leipzig. Die geehrten Einsender scheinen übersehen zu haben, daß die fragliche Nachricht nicht von einem unserer Correspondenten erzählt wurde, sondern daß wir dieselbe einem der marseiller Blätter, dem „Keinnphore," entlehnten, der sie nicht allein enthält, indem nicht nur die andern in dieser Hafenstadt erscheinenden und andere französische Zeitungen, sondern das heute hier direct aus Konstantinopel eingetroffene, in Smyrna erscheinende „Echo de 'i’Orient,“ dieses Ereigniß, und zwar das letztere mit noch speciellern Angaben erzählt. Hätten wir also auch nicht in dem Auszug aus dem marseiller Blatte diese Nachricht als „fast unglaublich" bezeichnet, so würden wir doch jeder Verantwortlichkeit für die Veröffentlichung derselben, welche die Reise durch alle Zeitungen machen wird, überhoben sein, und der obige Vorwurf als ungegründet und ungerecht erscheinen. Leipzig, am 12. April 1840, Die Red. der Leipz. Allg. Zeit." Auch wir hielten uns bemüßigt, in der Magdeb. Zeitung, einem sehr verbreiteten Provinzialblatte, folgende Worte abdrucken zu lassen: Was hat das Wiedererscheincir von Begebenheiten, wie das Creigniß mit de» Inden von Damaskus, für Bedentnug für uns? Ein Wort zum Vecständniß der Zeit. Nicht daß in Damaskus, unter der blutigen Herrschaft des ägyptischen Usurpators, noch einmal eine Tragödie aus dem Mittelalter aufgeführt, und eine schuldlose, ruhige Bewohnerschaft den gehässigsten Insinuationen, denen in Asien Brand'und Mord so leicht folgen, preisgegeben wird — nicht dies ist es, was den tiefsten Unwillen aller Freunde der Menschheit und Menschlichkeit hierbei erregte: denn wo auf den Seufzern der Völker, auf den Ruinen von Nationen ein Thron aufgeschlagen wird, muß jede Menschcnklaffe einmal an die Reihe kommen, und ob es die Wechabiten Arabiens, die Beduinen des Sinai, die Kopten Aegyptens, die Drusen des Libanon oder die Juden von Damaskus gilt, wir haben nur ein Bedauern für Alle. Aber das war