Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-04-25 · Heft 17 (25.4.1840) · p. Seite 247

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 17 (25.4.1840)
Date
1840-04-25
Page
Seite 247 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225137--02671-3312164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

247 Chofnajim von Geiger, welches sehr schätzbare Beiträge zur Literaturgeschichte enthält. Nach einer kurzen, aber treffenden Skizzirung der Geschichte der Philosophie bei den mittelalterlichen Juden, in der allerdings das Vermittelungsprinzip nicht genug hervorgehoben worden, nach einigen Nachrichten über die Insel Kandia und die jüdische Blüthe auf derselben, erhalten wir eine ausführlichere Biographie des Joseph Salomo del Medigo, geb. 16. Juni 1591, der durch seine mancherlei Irrfahrten begleitet wird, bis zu seinem Tode, der in Prag 1657 erfolgt sein soll. Sein Bildungsgang, seine wissenschaftlichen Tendenzen, die Herausbildung seiner Ansichten und seine Schriften werden auf die gründlichste Weise erörtert. Von S. 1. bis 46. wird nun ein Brief dieses bedeutsamen, aus Mangel an bestimmtem Standpunkte aber wirkungslosen Geistes an den Karaiten Serach den Nathan mitgetheilt, den wir hier kurz skizziren wollen. Zuerst bekämpft er darin mit Waffen des Spottes und der Verachtung die Kabbalisten, deren thörichte Klauberei, grundlose Phantasien und trügerische Vorgaben aus dem Alterthume stammen sollender Schriften er schonungslos und bitter aufdeckt, und sie allseitig Lügen straft. Alsdann er den Mangel an Studium der Mathematik und Astronomie unter den Juden, das früher so schön unter ihnen geblühet, er zahlt die Wenigen aus, die sich darin hervorgethan, und die Uebersetzungen mathematischer Werke. Von hier aus giebt er diejenigen Fächer an, in welcher ein rechter Mann sich einbürgcrn müsse, indem er das Talmudstudium nur für die nothwendig erachtet, welche Rabbinen werden wollen. ») Die Sprachkunde; er verlangt eine kurze Anweisung in den grammatischen Hauptregeln, das Lesen des Pentateuch und der Propheten, ohne die gewöhnlichen Kommentare, Uebung im Verfertigen hebr. Gedichte, Unterricht in den Gebeten, aber nicht in den Piutim der Deutschen, Auswendiglernen von Stellen der trainn, Studium der Rhetorik und Poetik des Aristoteles, und Kenntniß der Landessprache. Alsdann gehe man über zur b) Philosophie, wo er nach einigen andern Schriften insonders den More Nebuchim des Maim. empfiehlt, und dessen Kommentare kritisirt, dann die Mischne Tora des Maim. und andere, c) Exegese; hier stellt er Aden Esra oben an, den er dringend anrühmt, und den er aus karäischen Schriften schöpfen läßt; dann Kimchi, weniger Raschi, der mit Vorsicht zu benutzen stehe, Nachmani, der ihm nur zu viel zur Kabbala sich neige, endlich Ralbag, Abarbanel. den er sehr hoch schätzt, zuletzt empfiehlt er noch die Lektüre einer Reihe von Schriften verinischten Inhalts. Zum Schluffe giebt er einen Bericht über seine eigenen Schriften bis zu 16 Nummern. Die Anm. des gelehrten Bearbeiters geben über viele Punkte und Gegenstände, die in dem Schreiben angeführt sind, möglichen Aufschluß. In dem hebr. Theile unsrer Schrift wird das Original dieses Schreibens gegeben, außerdem die Vorrede zu Tachkemoni, einem Comm. zum B. Jezira von Schabthai den Abraham Donolo (946.), als ein sehr interessantes Schriftstück aus einer vielfach unbekannten Periode; drittens ein Commentarstück Raschi's, zwei Gedichte von Jehudah-ha-Levi und Nachmani, das Original des Schreibens des Priphot Duran an den abtrünnigen Bonnet Goren, ein kleines witziges Lied mit dem Akrostichon ■jVsnis. Endlich fünf Gutachten des Maimuni in arab. Texte und hebr. Uebersetzung. Diese gedrängte Uebersicht wird verständigen Lesern diese Gabe willkommen machen. 2) Ist hier Ai i Nohem, Streitschrift über die Echtheit des Sohar »und den Werth der Kabbala von Leon Modenese, zum ersten Maie herausgegeben von Dr. Fürst, heranzubringm. Durch dasselbe wird ein Helles Licht verbreitet über den Charakter des Verfassers, welcher sich nicht scheuete, die damals (vorliegendes Werkchen ist im I. 1639 geschrieben) allgewaltige Kabbala offen anzupreisen und dabei, von Liebe zur Wahrheit geleitet selbst seiner Verwandten, die Kabbalisten waren, nicht schonte; es wird Licht verbreitet über einen Mann, der, vielseitig gebildet, vom Standpunkte der Orthodoxie aus den Aberglauben bekämpfte und dabei muthiger und ehrlicher zu Werke ging, als sein bei Weitem gelehrterer und aufgeklärterer Zeitgenosse, Joseph del Medigo, der doch in Wahrheit nur hier und da einen versteckten Angriff auf das Bollwerk des kabbalistischen Aberglaubens gewagt hat. Aber das Büchelchen hat auch einen allgemeineren Werth für die Geschichte der Kabbala, welche dadurch vielfach aufgeklärt wird. — In einer dem Buche vorangeschickten hebr. Einleitung (1U bis XIII) berichtet der Herausgeber, daß ihm der Redacteur des Kerem Chemed vor drei Monaten das hier mirgetheilte Ms.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.