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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-04-25 · Heft 17 (25.4.1840) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 17 (25.4.1840)
Date
1840-04-25
Page
Seite 246 (sequence 18)
Language
German
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246 Trost, indem der Zadik das Vermögen besitzt, seine Chaffidim durch ein ausgesprochenes Wort, ja durch einen Blick, zu jeder guten Lhat anzufeuern, und von jedem Bösen abzuwenden, denn das aviog i'ft] der Pythagoräer gilt in seiner ganzen Schärfe in allen chassidischen Kreisen. — Die chassidischen Wallfahrten (sogenannte n"ri wiu'w) gehören von ihrer bessern Seite auch hierher, weil dadurch eine herzliche Verbrüderung der Mitglieder genährt und ein traulicher Austausch der Gedanken und Empfindungen unter ihnen erbalten wird. Denn wie in jeder andern Korporation haben auch die Chassidim eines Zadik's besondere Verbindungen zu einander, aufrichtig zu gestehen, ihr esprit de corps ist ein wahres Musterbild. Wie oft sieht man sie nicht einander sich mit den größten Opfern unterstützen. Kein Chassid darf Kredit und Existenz verlieren, keiner vor Armuth darben, wo auch nur die kleinste chassidische Gemeinde da ist. Das Wohllhun und Wohlwollen für einander ist wahrlich bei ihnen zu Hause. Leider aber nur für einander, d. h. in dem beschränkten Kreise der Mitglieder einer und derselben chassidischen Fahne. Denn der jüdische Nicht-Chassid steht dem Chassid eben so wie der Nichtjude überhaupt gegenüber, wenn nicht noch ersterer als Antagonist ew:n?a) ihn feindlich berührt. Dieser Mißverstand war daher die trübe Quelle unendlicher beklagenswerther Mißbrauche; denn was ist da noch zu hoffen, wo schon Haß im Spiele ist? Wo noch in stetiger Ausschauung zum Gotte der Liebe schon die Schläge des Haffes im Busen sich regen? — Nun trat der kleinliche Egoismus, die bisher bemäntelte Geld- und Ehrsucht vieler Rebi's, die in ihrer Verstellung nur noch rasender wurden, an die Stelle einer ursprünglich heilsamen geistigen Präponderanz. Obskurer, glühender Haß, Verketzerung und fanatische Verfolgungssucht gegen jeden Nichtchassid machten sich aus die unleidlichste Weise geltend. Ueberdies hat die unmittelbare Folge des zweiten Prinzip's nämlich der v-pp-iLN niias, Glaube oder vielmehr Aberglaube an die Wundermacht des Zadik die monströsesten Geburten gezeugt.' Er hat den Geist in die tiefste Unwissenheit versenkt, indem er die Natur verkannte und ihre Wissenschaft verschmahete; er hat Gott gelästert, indem er den Weltenlauf meistern wollte; er ward das Grab aller wissenschaftlichen Bildung und Entwickelung, und erstickte diese in der Geburt, er erhob sich bis zur äußersten Grenze des Absurden und Lächerlichen, indem er die Macht seines Zadik zu einer Korrektionsanstalt der Natur erhob, von deren Organisation auch nicht der Schatten eines Begriffs vorhanden war. Je erhabener das dritte Prinzip des Chassidismus, die Erhebung zu Gott (Vp 'na mp^a-i) ist, um so nachtheiliger seine Wirkungen in den rohen Händen seiner Anhänger. — Wir haben oben schon die abergläubische Buchstabenvergötterung (mtf-inaan rivnp) hierin wurzeln gesehen. Aber ist schon von einem Einzelnen, selbst von Frömmigkeit und Idealität Durchdrungenen die Forderung sich immerfort im Niveau des höchsten Geistigen zu erhalten viel zu groß, wie viel unthunlicher, ja absurder muß es noch sein, von einer ganzen, zumal ungebildeten Gemeinschaft dieses zu verlangen! — Ist aber eine wahre Elevation des Geistes nur für wenige Momente des Lebens, so ist andrerseits eine falsche und erkünstelte um so leichter; denn sie ist nichts anderes als die absolute Negation aller Thatigkeit, ein Lossagen von jedem Berufe, jeder Arbeit und jedem thätigen Bestreben nach außen, und weil hier jedes reelle sichtbare Maaß aufhört, so haben Trägheit und Betrug nur zu freien Spielraum gewonnen. Daraus läßt sich der schreckliche Müßiggang, der bei ihnen gang und gäbe ist, leicht erklären, und ist um so verabscheuungswürdiger, als der Chassid zu bewirken glaubt, mit und durch diesen Müssiggang das grüßte Werk — die Erhaltung des Ganzen (niubir» zpriai ö-mrp nma). Mit Verachtung sieh et er auf den strebsamen Familienvater herab, der treulich für Weib und Kind arbeitet, um ihnen'ihr täglich Brod zu verschaffen, denn er dünkt sich unendlich höher, weil er seiner Meinung nach — schafft und wirkt für die Ewigkeit und die Ge-, sammtheit. Sein scheinbares Nichtthun, meint er, ist nur die Hülle eines thatenreichen geistigen Wirkens; — und wer kann in das Herz ihm sehen, um sich davon zu überzeugen, und wenn dies auch wirklich wahr wäre, so ist es ja mindestens eine bedauernswerthe Schwärmerei. — (Fortsetzung folgt.) Literarische Uebersichten. Zu den Ausgaben und Bearbeitungen älterer Schriftwerke gehört 1) das jüngst erschienene Melo

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