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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-04-25 · Heft 17 (25.4.1840) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 17 (25.4.1840)
Date
1840-04-25
Page
Seite 239 (sequence 11)
Language
German
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239 lends, daß das vertrauensvolle Harren und Schweigen bei solchem Anlaß, im Auslände schon von so manchem Gegner der jüdischen Emancipationsangelegenheiten gemißdeutet und zum Beweise gebraucht wurde „daß der größte Theil der Juden theils aus Superstition, theils aus Indolenz, theils aus Arbeitsscheu und Liebe zum Handel und Schacher jeder Reform ihrer bürgerlichen Verhältnisse abhold ist, und nu. der gegenwärtigen Lage gar nicht herauszukommen wünscht." Dieser Umstand ist es besonders, wodurch die israelitischen Unrerthanen dieses Königreichs sich gedrungen fühlen, ihrem bisherigen Brauche treu zu bleiben, und sich der gegenwärtigen hohen Reichsversammlung mit einer unterthänigsten Suplik zu nahen. Daß die bürgerliche und politische Lage der hierländischen Juden noch immer höchst traurig ist, und dem in allen übrigen Verhältnissen vorherrschenden bessern Geiste schroff entgegensteht, bedarf keines Beweises; — zwar ist in dieser Beziehung, wie von uns dankbar anerkannt werden muß, hie und da schon manches Gute geschehen, sucht die duldsamere Praxis und der weltbekannte Edelmuth der ungarischen Nation manches Harte und Unerträgliche zu mildern; noch aber tritt das Gesetz, dieses Lebenselement alles politischen Daseins, dem Juden bei jedem Schritte hemmend und nicderdrükkend entgegen, überhäuft es ihn in seinen vielfachen Ausschließungen und Beschränkungen mit Schmach und Schimpf, und entwürdigt ihn in den eigenen, wie in seiner Mitmenschen Augen. Noch bestehen in dieser Hinsicht alle gesetzliche Bestimmungen früherer finsterer Jahrhunderte, ja ist sogar historisch nachzuweisen, daß sich die Juden hier als im Mittelalter eines größern Rechlsgebietes und einer ehrenvoller» Stellung zu erfreuen hatten, als jetzt im Jahrhundert des Lichts und des Rechts. Noch immer ist den Juden der Erwerb von Grundeigenthum und Hauserbesitz in Freistädten, das Pachten der Güter und Mauten, der Aufenthalt in manchen Distrikten und Ortschaften des Landes untersagt, ist ihm der Weg zu öffentlichen Anstellungen, zur Advokatur, ja sogar der Eintritt in alle christlichen Zünfte und Innungen" versperrt. Doch wozu das traurige Bild in allen seinen düstern Zügen ausmaleni— Es ist mit dem Einem alles in sich fassenden genug: noch immer wird der Jude, ' den das Vaterland schon vor acht Jahrhunderten in seinen Schoost ausgenommen hat, 'der mit allen Fasern seines innern und äußern Lebens in dem heiligen Bande dieses Vaterlands wurzelt, und bereit ist, cs mit Gut und Blut zu vertheidigen, als Fremdling im Lande betrachtet, während jeder wirkliche Fremdling doch allenthalben nur eine kurze Zeitfrist zur Naturalisirung bedarf.— Welche nachrhcilige Wirkung eine solche antisociale Stelle in Mitten der bürgerlichen Gesellschaft nach allen Seiten und Beziehungen hin hervorbringt, wie sehr sie auf alle Lebensverhältnisse der Niedergedrückten, besonders aber auf die moralische und intellektuelle Bildung derselben, den verderblichsten Einfluß ausüben muß, bedarf noch weniger einer weirläusigen Auseinandersetzung. Und wahrlich mit herzerhebendem Selbstbewußtsein dürfen wir uns sagen, daß wir weit besser und würdiger sind, als wir wol in natürlicher Folge des langwierigen Druckes sein sollten. Bewußt sind wir's uns, daß wir an Treue und Ergebenheit gegen das erhabene Herrscherhaus, an Liebe und Hingebung gegen das theuere Vaterland den übrigen Unterthanen nicht nachstehen; daß wir, selbst ohne gleiche Theilnahme an den gemeinschaftlichen Rechten aller Staatsbürger, dennoch a i den gemeinschaftlichen Lasten derselben bereitwilligst Theil nehmen und gleich zur Förderung gemeinnütziger Zwecke mit Freuden nach Kräften beitragen. Bewußt sind wir's uns, daß unter aller erlittener Schmach und Erniedrigung, wir uns den Sinn für Ehrenhaftigkeit und Menschenwerth treu bewahrt haben; daß daher die meisten jüdischen Vater ein sehnsüchtiges Verlangen tragen, ihre Kinder dem Schacher und Kleinhandel entziehen, und dem Lalldbau und Erwerbfleiß zuwenden zu können, und daß wir unablässig bemüht sind, unsere innere Verhältnisse zeitgemäß zu regeln und zu ordnen; Schulen, worin die vaterländische Sprache und Landkunde zu den wichtigsten und eifrigst betriebenen Lehrgegenständen gehört, und andere nützliche Institute in unseren Gemeinden ins Leben zu rufen; aus dem Leben aber zu schaffen^ Alles, was mit Recht ein Gegenstand ^^^^ets oder Spottes zu sein verdient. Bewußt sind wirs uns endlich, daß weder unsere Religion, noch unsere Denkungsart, noch unsere Volksthümlichkeit uns — wie unsere Gegner hie und da vorgeben — zu einem selbstsüchtigen menschenfeindlichen Separatismus prädisponire, daß wir die Pflichten der Liebe und Gerechtigkeit keines-

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