Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1840)
- Date
- 1840-04-25
- Page
- Seite 234 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Judenviertel ermordet worden sein soll, die aller» dings unglaublich sind. Es heißt: Beyruth, 12. März. Die Urheber des'Mordes des ehrwürdigen Paters Thomas sind - endlich mit Hülfe des Barbiers und Dieners der Kaufleute Avari entdeckt. Bon neun Angeklagten haben sieben das Verbrechen bekannt'). Sie haben ausgesagt, daß sie unfähig waren einen Mord zu begehen, allein daß sie der mysteriösen Vorschrist ihrer Religion gehorchen müßten, welche vorschreibt , das ungesäuerte Brod zu Ostern mit christlichem Blute zu bereiten a). Nach übereinstimmendem Bekenntniß wurde der Pater in das Haus der Avari gezogen, wo sieben andere der reichsten 1 2 3 4 5) jüdischen Kaufleute der Stadt sich mit zwei Oberrabbinen, Namens Mousse Abri Alafw und Mousse Selinuli, befanden. Der Diener der Kaufleute Avari holte den Barbier, welcher das Amt des Priesters versehen sollte^). Jndeß scheint es, daß der letztere sich darauf beschrankte, das Opfer beim Barte zu halten, wahrend Avari ihm die Kehle durchschnitt s), unter dem Beistände seines Bruders Aron, der Diener saß auf dem Körper des Märtyrers, um ihn unbeweglich zu halten, 'und sobald das Opfer ausgeathmet, wurde es an den Füßen aufgehängt, .'um mit größerer Leichtigkeit das Blut aufzufangen. Der Körper ward hernach zerstückt, die Knochen zerbröckelt, die Kleider in Stücken zerrissen, und dann streute man die Reste des Opfers in die Kloaken der Stadt, wo ein Theil derselben nach der Anzeige der Angeklagten gesunden wurden. 1) Man kann alle diese Nachrichten als höchst unzuverlässig ansehen, und selbst im Falle der Richtigkeit, wie sind sie gezwungen worden zu bekennen? O, türkische Justiz! Rcdakt. 2) O, ihr Eisenmenger, Hartmann ff. wo, wo ist die Spur einer solchen Vorschrift, und sei es im vbskuresten Winkel einer vbskuresten Schrift?? Auf, suchet. ... und dennoch.... arme Juden des ominösen Damaskus! Redakt. 3) Da haben wir das ganze Räthsel—die reichsten! Redakt. 4) O grausame Lächerlichkeit, der Barbier der Priester! und derselbe Barbier bekennt alles dies! Redakt. 5) Freilich muß der angehende Barbier zuletzt unschuldig sein. Redakt. Das Verbrechen scheint unmöglich, so schrecklich ist cs, wenn man bemerkt, daß seine Urheber die Elite der jüdischen Kaufleute von Damaskus ist, Männer, die bis jetzt wegen ihres Vermögens und ihres Charakters die höchste Achtung verdienten °). Ohne den Eifer des Herrn Ratil Menton, des franz. Konsuls, und Scheriff Pascha's würden die Urheber des Verbrechens nicht entdeckt worden sein. Man kann sich den Unwillen der Christen und Muhamedaner in der ganzen Levante bei der Nachricht von diesem Verbrechen nicht vorstellen. Bei den Muhamedanern noch mehr als bei den Christen. In Damaskus würde, ohne Intervention des franz. Konsuls bei Scheriff Pascha, das Judenviertel und seine ganze Bevölkerung vernichtet worden sein. Der Zorn der Muhamedaner ist darum so groß, weil Pater Thomas ^)«cher Medizin studirt hatte, unentgeldlich Medizin vMheilte, und seine Börse immer offen war. Nachschrift. Der Kourrier von Damaskus, der eben ankömmt, meldet, daß im Augenblick der Hinrichtung David Avari's Herr Ratil - Menton diese ausschieben ließ, um vielleicht noch neue Entdeckungen zu machen. In der That ist der Körper des Bedienten des Pater Thomas gefunden worden. Einige, der Verurtheilten sind Türken geworden, um der Züchtigung zu entgehen. Bald Mehreres." Auf diesen schrecklichen und abscheulichen Bericht ließ Crvmieur in das Journal lies vöbats vom 8. April ein Schreiben einrücken, welches die Redaktion dieses Blattes mit folgenden Worten einleitet: „Wir haben, wie alle anderen Journale, nach Berichten aus dem Oriente, die Erzählung von dem Morde des Paters Thomas, dessen man mehrere Juden zeihet, gegeben. Herr Crämieux richtet folgendes Schreiben an uns, welches wir mittheilen, indem wir nur einige Ausdrücke mildern, die bei dem ehrenwerthen Vice-Prasidenten des Konsistoriums zweifellos nur die Aufregung eines sehr ehrenwerthen Gefühles hervorbrachte, die aber die Verantwortlichkeit für jene Erzählung auf eine andere Glaubensparthei als die seinige wirft, da wir diese doch selbst 0) O ihr beweinenßwürdigen Opfer türkischer Habgier! Redakt. 7) Durch wen, Unglücklicher, magst du als Opfer dieser Jntrigue gefallen sein? Redakt.