Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1840)
- Date
- 1840-04-25
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
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231 Betrachten wir nun die Zahl unserer Glaubensbrüder in diesem Lande, die sich auf ungefähr 175,000 beläuft; so hat sie in einem halben Seculum bedeutend zugenommen, und zwar am meisten zwischen 1785 und 1805. Im Jahre 1785 betrug die ganze Zahl 75,089, im Jahre 1805 stieg sie schon aus 127,816 Seelen. Fast im ganzen Königreiche findet man Juden, in manchen Gegenden mehr, in andern minder zahlreich. So soll im Ungvarer Comitate nach Angabe des Comitats-Deputaten auf dem Reichstage 1802 schon jeder 13. Mensch ein Jude gewesen sein. Zerstreut leben sie inSlavonien, wo auch nicht eine einzige Gemeinde von 30 Familien sich findet. Auch ist ihre Zahl im Seeküstenlande und der Militärgränze nicht groß. Kroatien zählt auf einem Flächenraume von 172 HI nicht mehr als 7 — 800 j^^he Seelen. Daß ihre Zahl in diesem Lande so gvng ist, rührt aus einem alten Statut, nach welchem sie aus Dalmatien, Croatien und Slavonien, gleichwie nach einem neuern Dekrete 1729 Art. 19 von den Gränzen ausgeschlossen sind. In späterer Zeit wurde durch ein Gesetz v. I. 1791 Art. 38 festgesetzt, daß diejenigen Juden, welche am 1. Januar 1790 in andern sowol, als privilegirten Städten, auch in Croatien, wohnten, einstweilen der Aufenthalt unverwehrt sei. Daß also hier keine großen Gemeinden, wie anderswo, sich bilden konnten, ist leicht ersichtlich. Es wohnen jetzt in Warasdin 43, in Agram 40, in Karlstadt 7, in Kreutz 5, in Kopreinitz 6, in Soboditz 1, in Lubring 1, in Kusminitz 1, in Bodowa 1 und in Rasinie 2 Familien. Noch einige wohnen auf verschiedenen Dörfern. .Daß in den kleinern Gemeinden wenig für die Bildung der Jugend und für Verbesserungen überhaupt geschehen ist, läßt sich bei den beschränkten Mitteln, die zu Gebote stehen, leicht entschuldigen; wenn wir aber eine Gemeinde wie Agram in Lethargie versunken, und fast noch aus derselben Stufe wie vor einem halben Menschenalter stehen sehen, muß es uns um so auffallender erscheinen, als Warasdin mit so löblichem Eifer und allem Kraftaufgebot vorangeht und zum Muster dient. Wir können daher nicht umhin, das Streben der Warasdiner Gemeinde anzuerkennen und verdientermaßen zu würdigen. Die Gemrindeangclegenheiten sind nach festgesetzten Statuten geordnet; der Gottesdienst geläutert und bereits Choralgesänge eingeführt; der Herr Rabbine hält Borträge, die des Eindrucks nicht verfehlen, und die Trauungen werden feierlich in der Synagoge vollzogen. Für die Bildung der Jugend besteht eine Schule, die 1826 ins Leben getreten ist. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen beträgt 65, wovon 45 Knaben und 20 Mädchen. Die Schule steht wie alle christlichen, unter der mittelbaren Leitung des Herrn A. v. Kukulyevich de saccy und de Bossany, kgl. Ober - Schulendirektor im Königreiche Croatien, Slavonien und dem ungarischen Seeküstenlande, kgl. Rath rc. Unmittelbar wird sie geleitet von dem Hrn. L. Ebener, Magistratsrath, mehrer löbl. Comitate Gerichtstafel-Beisitzer, der Warasdiner Haupt-Mädchenschule kgl. Localdirektor, Verfasser der Topographie über Warasdin und der Umgegend. Nur das Gute fördernd, alles Interesse bei Seite setzend, und für Verbreitung von Intelligenz stets bemühet, hat dieser würdige Mann in den Herzen Aller, die ihn kennen, ein bleibendes Denkmal sich gesetzt, und sehr undankbar müßten die folgenden Generationen sein, wollten sie die Verdienste und das Streben dieses gefeierten Greises vergessen. Die Leistungen der Schule können unter solcher Leitung nicht anders als befriedigend sein, wie wir auch beim Besuche der Klasse des Hrn. Rosenmark freudig überrascht waren. Schulvorsteher sind: der Herr Rabbine und Herr Ph. Leitner, welche beide sich Verdienst um die Schule erworben haben, und wahrscheinlich auch dahin zu wirken suchen werden, den Commentar um aus der Schule zu verbannen. Dem ersten Gemeindevorsteher Hrn. Mosinger sowol, als den übrigen Vorstehern und Gcmeindemitgliedern gereicht es zum größten Lobe und Verdienste, für die Erhaltung einer so trefflichen Anstalt thätig zu sein. Wir hoffen, wovon auch der neue Synagogenbau Beweis gibt, daß die Energie des Hrn. Mosinger sowol, als der übrigen Herrn nicht nur nicht erschlaffen, sondern vielmehr immer größer und größer werden und man dahin streben wird, einen Schulfond zu begründen; damit die geistige Ausbildung der folgenden Geschlechter nicht von den Schwankungen des Zufalls abhänge. Gebe ihnen Gott hiezu Kraft, und der Allvater verleihe seinen Segen! Aegypten. London, 30. März. Die Times enthält folgende Nachricht, deren Richtigkeit noch auf sich beru-