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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-04-18 · Heft 16 (18.4.1840) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 16 (18.4.1840)
Date
1840-04-18
Page
Seite 224 (sequence 12)
Language
German
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224 aber schwierigsten Punkt hat er übergangen: den der Ausgleichung des israelitisch-religiösen Lebens mit dem äußern, materiellen Leben und besten Bewegungen, in welcher Ausgleichung die Hauptfrage der Zeit liegt, die aus ihren Extremen zur hohem Lösung geführt werden muß, und darin gerade Fortschritte zu thun dringende Notwendigkeit ist. — Geschichte der Juden in Sachsen von K. Sidori. Leipzig, 1840. (Zu näherer Besprechung.) Aus Ungarn, 25. Marz. (Privatmitth.) Der Umstand, daß meine Nachrichten über den Kulturzustand der Israeliten in Ungarn aus Ihrem Blatte auch in andere Blätter übergegangen, beweiset zur Genüge, daß unsere Angelegenheiten die Aufmerksamkeit der deutschen Leser auf sich gezogen. Ich will mich bemühen, meinen Nachrichten immer mehr Vollständigkeit zu geben, um Ihnen einen liefern Blick in unsere wistenschaftlichen, artistischen und industriellen Verhältnisse zu gestatten. Da sich das Leben und Streben Aller im Leben und Streben hervorragender Individualitäten abspiegelt, und (s anderer Seits begabtere Persönlichkeit sind, die die Maste weiter führen und vorwärts bringen; so fahre ich zunächst in der Eharakteristik der Bestrebungen Einzelner fort, welche der nächsten Vergangenheit oder der Gegenwart angehören. Unter ersteren verdient vor Allen Elias Rosenthal aus Moor genannt zu werden. Sein Name wird von allen ungarischen Israeliten mit Verehrung genannt. Von seinem gelehrten Vater, Naphrali Rosenthal, einem Freunde Moses Mendelssohns, mit dem Naphthali in Briefwechsel stand, sorgfältig erzogen, wurde ec ausgezeichneter Talmudist, Mathematiker, gründlicher Kenner der hebräischen Sprache und Literatur, und besaß eine ungewöhnliche Belesenheit in den Werken der Kabbala, von welcher er jedoch kein Verehrer war. Der Anblick der Abwege, auf welchen die Sabbathäer in Böhmen, Mähren, Polen und zum Theil auch in Ungarn gerathen, hat ihn sogar spater zum eifrigen Gegner derselben gemacht. In dem Gebetbuche, welches ec in Ofen herausgegeben, ließ er alle mystischen Gebetsformeln weg, welche später Heidenheim und Andere sich nicht aufzunehmen scheuten. Ec schickte diesem Geberbuche, zu welchem er eine schöne Einleitung schrieb, worin er dem weiblichen Geschlechts das Beten in der Landessprache empfiehlt, eine kleine grammatische Propädeutik voran, welche zu ihrer Zeit sehr nützlich war. Auch hat er seine Glaubensgmosten bei mehren Gelegenheiten nach Außen würdig vertreten, wie er denn überhaupt durch eine Reihe von Jahren allen Gemeinden in Ungarn Freund und Rathgeber war. Würdig zur Seite steht ihm sein jüngerer Bruder, Hr. Salomon Rosenthal in Pesth. Wiewol dieser achtenswerthe Mann im hohen Greisenatter keinen Beruf haben mag, sich mit jungen und rüstigen Gelehrten in eine literarische Fehde einzulasten, für seine Glaubensgenosten in Ungarn waren seine Bestrebungen sehr ersprießlich, und die allgemeine Anerkennung ist denselben nicht entgangen. Mit einer ausgebreiteten Belesenheit irr Talmud und Rabbitten verbindet Herr Salomon Rosenthal Kenntniß alter und neuer Sprachen, und seit einem halben Jahrhunderte ist ihm keine bedeutende Erscheinung auf philosophischem und theologischem Gebiete ganz fremd geblieben. Wiewol gläubiger Jude im strengsten Sinne des Wortes, nahmen doch die modernen Bestrebungen seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Ja, er verfolgte sogar die, durch das Srrauß'sche Buch angeregte Polemik mit warmem Jntresse. Die Kosten, mit welchen er alte und neue Bücher in verschiedenen Sprachen sammelte, sind für einen Privatmann wirklich ungeheuer zu nennen, und seine Bibliothek hat schon manchem, in Pesth lebenden, jüdischen Gelehrten wichtige Dienste geleistet. Den Reformbestrebungen der Neuzeit glaubte sich Herr Rosenthal in seiner Gemeinde entgegenstellen zu müssen; doch hat er auch hier eine rühmenswerthe Mäßigung gezeigt. Die Pesther Gemeinde schuldet ihm auch dafür ihren Dank, daß auch er die Aufnahme des Herrn Löw Schwab *) zum Rabbinen mit allem Eifer betrieben. Dieser würdige Geistliche will noch immer den Bitten, seiner Freunde, einen Theil seiner Predigten erscheinen zu lasten, nicht nachgeben. Wir wünschen aufrichtig, daß er sich dazu entschließe. Die Vorträge Schwad's, die das polemische Gerede unserer Tage sorgfältig vermeiden, sind wahre Muster echter Kanzelberedsamkeit, voll Belehrung und Erleuchtung, durchdrungen und belebt vom Geiste der jüdischen Lehre. Etgenthümlich ist dem geistreichen Rabbi die Behandlung der hagadischen Elemente, in welcher er eine ausgezeichnete Gewanoheit besitzt. — Ich kann meinen heutigen Brief nicht schließen, ohne noch eines dritten Roseathals zu erwähnen. Es ist Di-. S. Rosenthal, der seit einer Reihe von Jahren das beliebte belletristische Journal „der Spiegel" und die Handelszeitung mit Geschick und Geschmack redigirt. Die Ruffische Verordnung über die Hebräer. (Fortsetzung.) Drittes Kapitel. Von den Hebräern als Kaufleute, Meschrschanins und Handwerker. H. 48. Die hebräischen Kaufleute, Meschtschanins und Handwerker genießen an den ihnen zum bleibenden Domicil bestimmten Orten alle Rechte und Vorzüge, welche den andern Russischen Unterthanen Eines Standes mit ihnen zustehen, so bald *) Früher Rabbine zu Gewitsch, dann zu Proßnitz in Mähren.

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