Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1840)
- Date
- 1840-04-18
- Page
- Seite 223 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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223 sche Botschafter an die Regierung von Basel-Landschaft in Betreff des durch den Landrath im vorigen Jahre erlassenen Beschlusses, wodurch mehren ursprünglich französischen Juden besohlen wird, diesen Canton zu verlassen, eine neue Note eingereicht habe. Der Botschafter verlangt den unbedingten Widerruf des besagten Beschlusses. Syrien. Damaskus, Ende Febr. (Mg. Augsb. Zeit.) In Jerusalem ist die Pest ausgebrochen; bis jetzt hat sie sich nicht allgemein verbreitet, sondern nur einige Individuen befallen. Aus Damaskus schreibt man,v daß vor einiger Zeit ein sich schon 30 Jahr daselbst aufhaltender Kapuziner plötzlich verschwunden sei; da alles Nachforschens ungeachtet keine Spur von ihm zu entdecken war, so siel man auf den Verdacht, daß ihn die Juden aus irgend einem unbekannten Grunde auf die Seite geschafft hatten. Der Gouverneur von Damaskus ließ sieben der reichsten und angesehensten Kaufleute dieser Nation einziehen. Da sie ihre Unschuld betheuerten und von dem Vorfall nichts wissen wollten, so erfolgte das, was unter solchen Umständen hier gewöhnlich geschieht, sie erhielten jeder eine tüchtige Anzahl Stockschlage, und man zog ihr Vermögen ein. Der Schrecken hat sich nun der Juden bemeistert, sie glauben, vielleicht mit Recht, daß eine Maßregel gegen sie im Werke sei, und man sie auserkoren habe, dem Geldmangel des Gouvernements abzuhelfen. Da hier Niemand Mitleid mit den Juden hat, so sagt der einfältige und fanatische Pöbel, 'daß dies eine sehr kluge und populaire Maßregel Jbrahirn's sei. So ist es aber in Syrien: nicht die Völker, sondern die Religionen hassen sich, und eine Sekte opfert willig die Hälfte ihres Eigenthums, wenn sie damit bewirken kann, daß eine andere Sekte um das Ganze des ihrigen komme. Alle türkischen Paschas, die jemals in Syrien herrschten, haben diesen Haß auf das beste zu benutzen verstanden, und Ibrahim Pascha, wie man sich wol denken kann, nicht minder. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 5. April. (Pcivatmitth.) ^Anstatt der bisherigen bloßen Titelangaben der uns eingesandten Schriften, werden wir, um dem Publikum sofort eine Einsicht zu schaffen, fortan wenigstens über die kleineren Schriften einige kritische Worte hinzufügen, die größeren Werke näherer Besprechung in deü Literar. Ueberstchten überlassend.j Angekommen: Die Aufnahme Israels in den Bürgerverband. Gottesdienstlicher Vortrag zur Erinnerung an das König!. Edikt vom 11. Marz 1812, von Dr. A. Geiger. Breslau 1840. — Auf eine sehr angemessene Weise weiß der Redner den Gegenstand, den er besprechen und feiern will, mit der Festzeit (Purim) zu verbinden, in der er diesen Vortrag hielt. Was für Erinnerungen an frühere Zustände, was für Gefühle und Entschlüsse an jene Gabe sich knüpfend, was für Hoffnungen für die Zukunft der Redner hierbei ausdrückt und anklingt, lassen sich bald ermessen. Er thut dies mit aller Warme der Empfindung, und mit jener lichtvollen Ueberzeugung, welche den Glauben Israels erhalten, aber die bürgerlichen Bezüge immer reiner stellen will. Er erschöpft seinen Gegenstand, ohne ihn zu überladen. Dagegen müssen wir gestehen, daß der Vortrag an homiletischer Kunst arm ist, daß er der Form, Eintheilung und Anordnung ermangelt, und auch die Sprache zwar im'Flusse, aber nicht im Schwünge sich erhalt. Würde der vorliegende Vortrag den Maßstab für alle Vortrage Geiger's abgeben dürfen, so könnten wir seine homiletische Entwickelung auch nicht als vollendet annehmen. Denn nur der erste Erguß des Redners ist formlos. Bei praktischer Ausbildung drängt sich die Nothwendigkeit geregelter Form immer wieder auf, um sowol den Hörern zu genügen, und ihnen durch Verständlichkeit des Ganzen und des Hauptgedanken zu ersetzen, was ihnen vielfach im Einzelnen entgeht, als auch der hohem Aufgabe der Rhetorik zu genügen, welche in der Belebung der Form, nicht in Formlosigkeit besteht, und Form und Wesen als ein lebendiges Ganze reproducict. — Rede bei der feierlichen Eröffnung der israel. Schule zu Riga, von Dr. Lilienthal. Riga. 1840. — In klarer, warmer, lebendiger Sprache wird der Zweck der israel. Erziehung besprochen, und dessen Verschiedenheit in Ehemals und Jetzt auseinandergesetzt. Der Redner ist von seinem Zwecke begeistert, und spricht seine Wünsche und seine Vorsatze mit der Gluth der Jugend aus. — Der religiöse Fortschritt iry deutschen Judenthume. Von Dr. S. Hold he im. Leipzig. 1840. — Diese kleine, vom achtesten Sinne, von wahrhaftem Eifer wirklichen, innerlichen, und von innen nach außen ausstrahlenden Fortschrittes ausgegangene Schrift bespricht zuerst die Kultusresormen, und warum diese noch immer so ungenügend erscheinen? dann den religiösen Jugendunterricht, den er richtig als das wesentlichste Vehikel des Fortschrittes bezeichnet, endlich das „Rabbineninstitut," welches er, gegen eine jüngst erschienene, von uns schon besprochene Broschüre, allerdings der Zeitbildüng befähigt und bedürftig darstellt. Können wir die Worte und Argumente des Vers, durchaus als treffend und beherzigenswerth bezeichnen, so ist doch sein Gegenstand nicht erschöpft, und — vielleicht den wesentlichsten,