Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1840)
- Date
- 1840-04-18
- Page
- Seite 222 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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222 bestätigt werden. — Möge aber auch die Welt wis- | sen, daß der in Riga residirende humane und hochgestellte Russische Bischof (Archirei) Jrinarch, dieser Schule zum Fürsorger (Popetschitel) von uns sich erbeten lassen und wir hatten die Ehre, daß Sr. Heiligkeit der Eröffnung dieser Schule, geschmückt mit' völligem Ornate und Kaiserlichen Orden liebevoll beiwohnten und seitdem unserm jungen Lehrer und Prediger vr. Lilienthal mit väterlicher Liebe entgegenkömmt, was wir mit Dank und Ehrfurcht anerkennen. — Hochachtungsvoll empfehlen wir uns Ihrer fernern Gewogenheit und schließen mit der ergebensten Bitte, diesen unfern Dank Ihrer Allgemeinen Zeit, des Jud. einzuverleiben und somit verharren wir als Ew. Hochwürden gehorsame. Das Kahals-Amt: N. A. Scheincsson. Benj. Nachmann. Noa Berkowitz. Die Schul - Commission: N. A. Scheinesson. Benj. Nachmann. Robert Hirschfeld. Ezechiel Berkowitz. Feibusch Flysch. Die Synagogen-Commission: M. Michelson. M. Wulff. Robert Hirschfeld. sWir lassen aus dem Schreiben des Herrn vr. Liliektthal hier noch Dieses folgend Ein ganzes Haus mit der Aufschrift: „Allerhöchst bestätigte hebräische Schule" ist zu diesem Zwecke verwendet. Feierlich war der Saal geschmückt, unter einem purpurnen Thronhimmel, bekränzt mit Epheu und Immergrün, stand die Büste des erhabnen Monarchen; freundlich blickte sie auf die Schuljugend, die um sie versammelt stand, freudig des Augenblicks harrend, wo sie ihr warmes Dankgefühl gegen den großen Kaiser aussprechen konnte. Die Akten der Gründung, der allerhöchsten Bestätigung rc. lagen in einer schönen Mappe vor den Augen der Versammlung, an deren Spitze man den hochehrwürdigen, edelgesinnten Russischen Bischof Jrinarch, der wie ein Vater der hiesigen Gemeinde sich annimmt, den Superintendenten Thiel, den Generallieutnant Mandelstierna, den Bürgermeister und andre Notabilitäten im vollen Ornate mit allen Orden erblickte. Die festlich geschmückte Kanzel betrat ich dann, und hielt die in aller Eil abgcfaßte, beiliegende Rede; dann sprach ein Knabe, die Büste mit einem Lorbeerkranze schmückend, seinen Dank gegen den erhabnen Kaiser Rußlands aus, und der Jüngste, der ein Gebet sprach, brach in Thränen aus, was einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer machte. Beim fröhlichen Mahle brachten wir dann herzliche Toaste, unter andern für unfern ehrwürdigen Freund, den Verfechter des Judenthums, in Magdeburg aus, und die heißesten Glückwünsche und Segnungen wurden in unserm Jubel laut. So ward die Schule eröffnet, die mit des Herrn Hilfe zu jener Blüthe sich schwingen wird, die wir von ihr erhoffen; frei von jenen einseitigen Richtungen, denen so viele Schulen in unserm Deutschland angehören, nicht bloß nur schaale Religionslehre, eine oberflächliche Dogmatik, sondern vorerst eine gründliche Kenntniß der Bibel, der hebräischen Sprache und tieferes Einführen vermittelst Studium des Talmuds und der Rabbinen in das Wesen unsrer Religion, dabei alle Realkenntnisse, russische und später die neuern Sprachen umfassend, wird sie sich bald so organisch gegliedert und vervollkommnet darstellen, daß sie dem nördlichen und westlichen Rußland zur Musterschule wird dienen können. Es sind bis jetzt, außer mir, 3 Unterlehrer, wovon zwei mir freier Wohnung, angestellt, und sobald wir die Erlaubniß des Ministers haben, werden wir uns noch einen Ausländer mit 225 Thlr. Pr. Ct., freier Wohnung und'Accidenzien von 30 — 40 Thlr. berufen, wo wir uns schon im Voraus Ihre gütige Hilfe erbitten. Die hiesige Gemeinde verdient es wahrlich, daß Sie ihr stets Ihre Freundschaft bewahren, ich habe nur Ideen zu bezeichnen, Vorschläge zu machen nöthig, und man beeilt sich von allen Seiten diesen nachzukom, men. Wir haben deutsche Predigt eingeführt, Mädchen und Knaben werden consirmirt, ein Verein für jüdische Geschichte ist gegründet, wo jeden Sonnabend Nachmittag die ganze Gemeinde, gemischt mit fremden polnischen Juden aus Liebau, Wilna rc. sich versammelt, um Vorträge über jüdische Geschichte zu hören; dies alles will hier viel sagen. Noch sind mir jedoch die Gedanken nicht klar genug, um Ihnen ein Urtheil über die hiesigen Juden zu schreiben, noch ist meine Feder nicht gewandt genug, um Ihnen ein Bild zu zeichnen, in dem alle die Extreme zu einem Ganzen sich vereinigen. Schweiz. Paris, 3!. März. Ein Schweizer Blatt, die „Helvetie" von Prunkrut, meldet, daß der französi-