Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1840)
- Date
- 1840-04-18
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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216 finden, diese selbst werden in nächster No. besprochen werden. Es lautet: „Israels Hoffnung beruht auf seiner strebenden Zugend, auf seinen zu allem Höheren sich heranbildenden, auf seinen stüdirenden Jünglingen. \ Diese aber haben der Stürme von Außen gar viele zu bestehen. Mangel an Hilfsmitteln hat schon manchen Studirenden von seiner Laufbahn abgebracht, hat schon manche schöne Geistesblüthe geknickt, und die äußern Bedrängnisse haben schon manches vielversprechende Streben im Keime getödtet. Biel zwar geschieht dagegen von einsichtsvollen, mildthatigen Glaubensgenossen; aber noch eine Vorsorge mehr kann nur nützen. Diese Betrachtungen nun und der besondre Umstand, daß hier in Leipzig die Zahl der jüdischen Stüdirenden seit einiger Zeit in einem erfreulichen Wachsthume begriffen ist, hat die Unterzeichneten bewogen, ein Unternehmen zu beginnen, dessen allgemeiner Billigung und Unterstützung sie vertrauensvoll entgegcnsehn. Sie haben nämlich, wen« auch mit Anfangs geringen Kräften, doch mit starken Hoffnungen es gewagt einen Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Stüdirenden zu Leipzig zu begründen, und die Statuten, denen diese Zeilen als Vorwort dienen sollen, zu entwerfen. Und wie die dankenöwerthe Anerkennung, die der Löblichkeit ihres Zweckes zunächst hier in Leipzig geworden ist, sie nur immer mehr in ihrem Streben bestärken kann, so sprechen sie hier die freundliche Hoffnung aus, und glauben sicher darin nicht getauscht zu werden, daß ihr Unternehmen bei allen wohlgesinnten Menschenfreunden, besonders aber bei ihren Glaubensbrüdern Billigung und Unterstützung finden werde. Und in dieser vertrauensvollen Hoffnung sagen sie mit der heiligen Schrift: War auch dein Anfang gering, so wird doch dein Ende groß sein." Preußen. Aachen, 23. März. (Privatmitth.) Sie werden in den süddeutschen Blättern in jüngster Zeit über einen abermaligen grundlosen Verdacht eines Kindermordes, der auf ein unschuldiges jüdisches Ehepaar geworfen worden, gelesen haben. Sie haben mit Recht Nichts über solch' Ekel erregendes Ding ress« riren lassen. Da aber der Ober-Prokurator es für wichtig genug hielt, über die ganze Angelegenheit öffentlich Rechenschaft abzulegen, so werden Sie diesen Bericht, auch als Zeichen der Zeit, in der Allg. Zeit, des Jud. nicht für überflüssig halten. Er lautet nach der Stadt-Aachener Zeitung vom gestrigen Tage folgendermaßen: „Ein Vorfall, welcher sich kürzlich in meinem Amtsbezirke zugetragen, viel Aufsehen erregt, und bereits Stoff zu verschiedenen Zeitungsartikeln gegeben hat, veranlaßt mich zu folgender amtlicher Bekanntmachung: Am 6. d. M. machte eine Frau zu Jülich dem dortigen Beamten der gerichtlichen Polizei die Anzeige, ihr neunjähriges Töchterchen, welche sie Morgens um etwa sieben Uhr nach Broich geschickt habe, um dort einiges Brod zu erbetteln, sei unterwegs von einem Juden angefallen und auf eine schreckliche Art gemißhandelt worden. Das Mädchen, in genauester Ucbereinstimmung mit ihrem sechsjährigen Brüder, welcher sie begleitet hatte, gab bei wiederholten Vernehmungen, scheinbar in großer Gemüthsbewegung, an, als sie hinter der Broicher Gaffe gewesen, sei ihr der Jude von Broich her entgegengekommen, habe sich gesetzt, sie plötzlich ergriffen und über die Knie gelegt und habe ihr dann, nachdem er ein Messer gezogen und ihr die. Kleider aufgehoben, einen Stich in den Unterleib versetzt. Wirklich waren diejenigen Theile des Körpers, wohin der Stoß nach der Versicherung der Kinder geführt sein sollte, mit Blut besudelt. Bald nach der Eröffnung der demnächst mit vieler Sorgfalt und Umsicht geführten polizeilichen Untersuchung, erblickte das angeblich gemißhandelte Mädchen ein altes jüdisches Ehepaar, welches über den Markt zu Jülich ging und rief, indem es ganz außer sich zu gerathen schien: Da ist er, der mich gestochen hat! Die Juden wurden sogleich festgehalten und bei der Zusammenstellung mit den Kindern mit der größten Bestimmtheit als die Thäter anerkannt. Die Judenfrau, von welcher ursprünglich keine Erwähnung geschehen war, sollte sich nach der? Versicherung des Kindes dem Mädchen auf das Gesicht gesetzt haben, so daß es nicht gut habe schreien können. Im Verlaufe der verschiedenen Vernehmungen wurde von den Kindern weiter angegeben, bei ihrem