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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-04-18 · Heft 16 (18.4.1840) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 16 (18.4.1840)
Date
1840-04-18
Page
Seite 215 (sequence 3)
Language
German
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215 besonders bet Zugend, einschläfert, erschlafft und tödtet. — Je fester diese Wahrheit steht, und je stärker unsere Zeit uns von derselben überzeugt, und je reger das Streben der neuern Zeit den Cultus durch Predigten, Choralgesänge rc. zu heben, desto fühlbarer mußte es werden, daß die weibliche Jugend bisher der öffentlichen Gottesverehrung ganz entfremdet blieb. Um nicht unserer weiblichen Jugend noch länger die so hohe und auch ihr so unentbehrliche Wohlthat der öffentlichen Andacht zu entziehen, und in Erwägung, daß nach §. 2. der allerhöchsten Verordnung des Großherzoglichen Hochpreislichen Staatsministeriums vom 2. Januar 1824 No. 19, außer dem gewöhnlichen Gottesdienste in der Synagoge, auch andere Bctversammlungen gestattet sind, wenn wichtige Ursachen dafür vorhanden, die Erlaubniß der Rabbinen eingeholt, und in diesen Betversammlungen die Gebete durchaus nach der in der Synagoge vorgeschriebenen Art verrichtet werden; wird hiermit bestimmt: 1) Es soll in allen Gemeinden dieses Rabbinats- Bezirks, jeden Sabbat und jeden Festtag nach geendigtem Gottesdienste in der Synagoge, noch ein besonderer Gottesdienst für die weibliche Jugend, im Schullokale, unter Aufsicht und Leitung des betreffenden Religionsschullehrers statt finden. 2) Diesen Gottesdienst zu besuchen, ist sowohl die Elementarschulals die Sonntagsschul-pflichtige weibliche Jugend gehalten. Ueber unentschuldigte Versäumnisse haben die Religionslehrer ein Verzeichniß zu führen, und solches jeden Monat einzuschicken. . 3) Die Liturgie dieses Gottesdienstes ist Folgende: a) Derselbe beginnt mit einem Choralgesange. b) Hierauf verrichtet der Religionslehrer ein kurzes, eindringliches sich aus den all ll erwähnten Vortrag beziehendes Gebet in deutscher Sprache; c) . sodann wird von sämmtlicher weiblicher Jugend ri'-m.o nbsn in gehöriger Andacht verrichtet; ll) hat der Religionslehrer in einer der Fassungskraft der Jugend angemessenen, und so viel nur möglich eindringlichen Sprache, in gedrängter Uebersicht den Inhalt des Abschnittes der Tora, welcher in der Synagoge vorgelesen wurde, vorzutragen, und daraus die göttlichen Lehren und Wahrheiten zu entwickeln, die heilige Pflicht, denselben treulich nachzukommen, der Jugend ans Herz zu legen; e) verrichtet der Religionslehrer das vorgeschriebene Gebet für Fürst und Vaterland; 0 wird von der weiblichen Jugend fpTO nVsn mit Auslassung von 'iupn mars und zp-,12 mp-« in gehöriger Andacht verrichtet. g) Den Beschluß macht ein, auf den Vortrag sich beziehender Choralgesang. 4) Die Religionslehrcr haben monatlich die all 3 gedachten Gebete und Vorträge schriftlich anher einzuschicken, welche von uns nebst Gutachten an den Großherzoglichen Hochlöblichen Oberrath befördert werden. 5) Die Bestimmungen sollen bis den ersten Tag des Pesachfestes ins Leben treten. — Sämmtliche Synagogenräthe des Rabbinats werden beauftragt, diese Anordnung den Religionslehrern ihrer Gemeinden zur Nachricht und Nachachtung zu eröffnen. Der Bezirks-Rabbiner: kürst. Hierauf ließ Herr Rabbiner Fürst die fämmtlichen Religionslehrer am 1. März zu sich kommen, um ihnen die nöthige Anleitung zur Ausführung Dieses zu geben. Wie wichtig diese Einrichtung für Belebung des kirchlichen Sinnes im weiblichen Geschlechte sei, sieht man bald ab, und hat dadurch Herr Fürst seine bisher erlangten vielfachen Verdienste um seinen Bezirk bedeutsam vermehrt"). Leipzig, 5. April. (Privatmitth.) So ehcn sind hier die Statuten eines Vereins „zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Studirenden zu Leipzig," welcher sich den Namen „Jeschuat-Achim“ gegeben, erschienen. Mag hier sofort das Vorwort zu den Statuten eine Stelle ") Wir erkennen dies mit besonderm Vergnügen an: doch müssen wir gestehen, daß, da dieser Gottesdienst für die weibliche Jugend doch immer eine neue Institution ist, ein etwas freierer Geist dabei hatte vorwalten können, um z. B. nicht die'ganze Schacharit-Tesilla,sondern die wichtigsten Theile zu wählen, und ihn dadurch nicht ermüdend zu machen, sondern dem deutschen! Vortrage einen gcößecn Raum zu gewahren, so wie abwechselnd die Stücke hebräisch und deutsch ff. Redakt.

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