Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1840)
- Date
- 1840-04-11
- Page
- Seite 210 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225135--02632-3312123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
210 Alexander. Wer ist der Eine? wie benennt Ihr ihn? Und welchen Göttern habt Ihr ihn gesellt? Simeon. Es ist der Einzig-ewig-einige. Und Götzen stehen nimmer ihm zur Seite! Alexander. So sollten nicht in jenen Himmetsräumen Der Göttermachte Mehrere gebieten, Und auf getrennten Herrscherstühlen sitzen? So sollten nicht im Kreislauf der Natur, Allüberall die Götter selbsten walten. Und jedes Daseins innerliche Kraft Ein eigner Gott mit eignem Willen leben? Simeon. So hat den Vätern Er sich offenbart, Nachdem Er ihre Fesseln hatt' gebrochen. Und wir verehren diesen Einen nur! Alexander. So laßt mich schauen dieses Einen Bild, Daß ihn mein Geist sich freundlich zugeselle, Und der Gedanke seinen Ausdruck finde. Simeon. Nur was aus Staub Gestattung hat gewonnen, Beut unsrem Auge ein willkommnes Bild, Doch unsichtbar bleibt Sterblichen der Geist. Alexander. Ha, dieser Gott! ich ahne seinen Willen — Wie ich auf Erden will allein Gebieter, Allein der Erde Machtinhaber sein, Daß meinem Wort die Völker nur sich beugen: So will er droben einsam herrschend thronen! Simeon. Was ist der Mensch, daß er sich Ihm vergleiche, Der Erdensohn dem Allerheiligen! Alexander. AlS ich Eu'r Land im Siegerfchritt durchmaß, Ich sah mich um nach Tempeln und Altären — Vergebens — hielt für gottlos Euch doch schon, Für so versunken in Unwissenheit, Daß Ihr nicht kennet des Olymps Bewohner — Simeon. Der Eine kann nur eine Stätte haben! Und nicht auf hunderten Altären soll Der Pöbel ihn zu eitlen Götzen wandeln. Alexander. Und doch ein winz'ger Gott, der sich ersah Ein solches winzig Volk ihn zu verehren! Ihr sagt: Er sprach zu Eurer Väter Schaar, Nachdem er ihre Fesseln hat gebrochen — Ein Gott der Sklaven — warum trat er nicht' Auf des Parnassos' Höh', und sprach das Wort Zu Hellas, zu der ganzen Menschheit Troß, Daß alle Welt ihn kenne und verehre? Warum, wie ich mein glanzend Siegerschwert Hinzücke über dieses Erdballs Enden, ' Daß bebend sie die Flammenscharfe fürchten: Warum erging sein Donnerwort nicht laut Zu allen Völkern in der Erde Kreise, Daß sie im Staube ihn allein anbeten? Simeon. Ein Andres ist des Erdensohnes Kraft, Die jach auftodernd jach zur Zeit verlischt. Ein Andres Gottes Himmelsherrlichkeit, Die ewig nur für Ewigkeiten baut. Du zwingst die Völker, doch der Herr zwingt nicht. Frei in der Brust soll ihn der Mensch erkennen, Daß frei sich löse seiner Andacht Wort! Alexander. Was nützt' es Ihm, daß Ihr ihn kennen solltet. In Eurem Thal, das meine Hand bedeckt, Zndeß die Menschen Wahngebilden opfern? Simeon. Aus kleiner Wurzel sprießt der große Stamm, Deß Laubwerk einst die ganze Welt beschattet. Sieh, einmal schon ward meines Volkes Schaar Hinausgefühct in fremder Länder Strecken — Zn Babylon, auf Mediens Gefilden, Auf Persis' Höhen, bis zum Gangesstrom, Dort wandeln schon des Einigen Bekenner, Verbreiten leist sein Wort und seine Lehre. Ich ahn' es wohl, wem widerständen wir? Einst kommt der Sieger, der des Hauses Zinnen Mit roher Macht zertrümmert, mit dem Schwert, Dem blutigen, der Heimath uns entreißt. Und wieder uns nach anderm Welttheil schleudert: Daß unsre Saat in andre Furchen falle —