Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1840)
- Date
- 1840-04-11
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225135--02629-3312120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
207 bald durch zarte Uebergange eine solche Würde und Majestät gegeben, daß der Kenner leicht einsieht, der sinnige Künstler habe hier nicht nur geordnet und gefeilt, sondern seinen Gegenstand durch und durch reproducirt, und demselben so zu der religiösen, auch die rhythmische, wahrhaft künstlerische Weihe gegeben. Jetzt erst wird sich die Synagoge des schätzbaren Gutes bewußt werden, das sie in ihrer herkömmlichen Musik besessen, und sie wird gewiß Hrn. Sulzer als deren geist- und gemüthvollen Restaurator begrüßen. Sie wird dieß mit um so größerem Rechte Ihun, als Hr. Sulzer eifrig bemüht war, die echten Synagogenmelodien von Schnörkeleien zu reinigen, womit sie Geschmacklosigkeit und Unverstand überladen, Md alles Fremdartige und Profane wegzuschaffen, das sich in Zeiten des Verfalls eingeschlichen. An dessen Stelle wurden wahrhaft erbauende Stücke gesetzt, Ln denen sich der Text mit all seinen Farben getreulich abspiegelt. Sehr willkommen wird den Vorbetern die Angabe der vorzüglicheren Recitativstücke sein, deren Mangel das im vorigen Jahre erschienene Werk dieser Art beinahe unbrauchbar macht. Für die, sehr oft wiederkehrenden, Lieder kommen zur Auswahl und Abwechslung mehre Melodien vor, welche sammtlich als das Beste vom Bessern gewählt wurde, wie dies von dem feinen Geschmacke des Herausgebers zu erwarten war. Es sei mir nun nur noch gestattet, schließlich den Wunsch auszusprechen, daß dieser herrlichen Ausgabe der Synagogenmusik die Anerkennung und Verbreitung zu Theil werde, welche sie in so hohem Grade verdient, und daß die Gemeinden Israels einem Unternehmen freundlich entgegenkommen, welches der Synagoge zum Ruhm und zur Zierde gereichen wird. Von den vielfachen Bitten um Partitur, welche nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Polen und Ungarn an Hrn. Sulzer ergehen, läßt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine große Abnahme des Werkes vorher verkünden. Hr. Sulzer giebt dasselbe nicht in dem jetzt gewöhnlichen Wege der Subscription und etwa in Heften heraus; die Abnehmer empfangen dasselbe ganz vollendet. Einzelne Gemeinden, die etwa früher in dessen Besitz sein wollten, als es durch den Buchhandel verbreitet wird, mögen sich unmittelbar an den Hrn. Herausgeber wenden. Wien, 10. März. (Privatmitth.) Der beliebte vaterländische Dichter 0r. Ludwig August Frankel*), hat diese Tage die Redaktion des österreichischen Morgenblattes übernommen. Er ist der erste Jude, dem das Befugniß, ein Journal zu redigiren, in Oesterreich ertheilt wurde. — Diese Tage ist das vor Kurzem in Prag bei M. I. Landau erschienene Merkchen „Virgo Fiiia Jeliudae, sive excerpta inedito celeberrimi Jehudae Levitae Divano praefatione et notis illustrata a Samuele Davide Luzatto, in collegio rabbinico patavino Professoren hier an¬ •) Seit drei Jahren Aktuar der hiesigen Jsraelitengemeinde. gekommen. Von den Freunden der hebräischen Literatur wurde die herrliche Gedichtesammlung von dem großen levitischen Barden mit Enthusiasmus ausgenommen, und 'Prof. Luzatto dürfte sich veranlaßt fühlen, sein Versprechen, die im Divan enthaltenen Synagogengesänge herauszugeben, in Bälde zu erfüllen. Er spricht die Hoffnung aus, daß sich diese einfachen und gemüthlichen geistlichen Lieder bei der Unzulänglichkeit der gewöhnlichen midraschischen Piutim einen Weg in die Synagoge bahnen werden. Jeder Freund des hebräischen Gottesdienstes wird die Erfüllung dieser Hoffnung vom Herzen wünschen. — Mit Befremden haben wir übrigens aus der Vorrede dieses Merkchens entnommen, daß Prof. Luzatto mit S. L. Rapoport in Conflict gerathen. Er wirft dem Kritiker Neuerungssucht und Ehrgeiz in sehr starken Ausdrücken, und mit italienischer Heftigkeit vor. Es ist im Interesse der Wissenschaft des Judenthums gewiß sehr wünschenswerth, daß das gute Einvernehmen zwischen diesen Gelehrten wieder hergestellt werde. Der Grund des Zwiespaltes kann, wie es scheint, kein sehr erheblicher sein, wie den Lesern des vierten Bandes des Kerem Chemed genugsam bekannt ist. Die Russische Verordnung über die Hebräer. (Fortsetzung.) Zweites Kapitel. Ueber die Hebräer als Landbauern. §. 24. Jedem Hebräer wird zu jeder Zeit gestattet,, zum Landbauerstand nach den unten bestimmten Regeln überzugehen. Bei Eröffnung einer neuen Bolksrevision oder Rekruten-Aushebung wird ein solcher Uebergang nur nach Beendigung derselben vollzogen. §. 25. Hebräer, welche zum Landbauerstand übergehen, werden, indem sie der Gemeinde, in welcher sie bis dazu standen, über den Ort ihrer künftigen Ansiedlung Anzeige machen, aus dieser Gemeinde und aus dem demgemaßen Orkad ausgeschlossen, unverzüglich nach deren Ansiedlung am neuen Orte. Darnach, wenn die Zahl der Uebergegangenen 4V Seelen männlichen Geschlechts und mehr beträgt, bilden sie eine besondere Gemeinde;