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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-04-04 · Heft 14 (4.4.1840) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 14 (4.4.1840)
Date
1840-04-04
Page
Seite 197 (sequence 9)
Language
German
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197 für den göttlichen Zweck in ihm; dieser göttliche Zweck kann nur im Lebcnsprinzipe des Judenthums liegen; das ganze geistige Leben des Judenthums beschränkt sich aber lediglich auf die Erkenntniß und Anbetung des einzigen Gottes; folglich muß diese letztere Zweck des jüdischen Daseins sein. So erhebt sich aus dem historischen Bewußtsein von Neuem das religiöse, in verjüngter, aber festerer Gestaltung. Wir werden diesen Gedanken recht bald weiter führen, und ihn in seinem Zusammenhänge mit der gesammten Menschheit beleuchten. Es glauben jetzt sehr Biele unter den Israeliten sehr viel gethan zu haben, wenn sie sagen: Wir erkennen als das oberste und einzige Prinzip des Judenthums nur an: „Höre, Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einig!" Alles Uebrige gehört der Zeit unv ihrem Wandel an. Wir gestehen, es ist eine erhabene Idee, so fort und fort nur als Träger und Symbol eines einzigen Gedankens, eines einzigen Satzes dazustehen. So lange nun diese Herren bloß von ihrem eignen Selbst, von ihrer individuellen Person, sprechen, mögen sie ganz Recht haben. Wer kann, wer möchte sie zu Anderem zwingen? Nur dürfen sie sich nicht so sehr als Eigenthümer, als alleinige Inhaber dieser Idee herausstreichen. Unter welchem Volke, in welcher Zeit gab cs nicht Individuen, die diese Idee, diese Lehre auch hatten, und aus sich selbst, nicht aus Uebertragung hatten? Versucht doch in jetziger Zeit die Zahl derer zu messen, welche, zu welchem Volke sie auch gestellt, zu welcher positiven Religion sie auch gerechnet, zu welcher Confession sie auch genannt sind, diese Idee des einigen Gottes in ihrer ganzen Reinheit haben? Ja, die Zahl derselben wächst aller Orten, und soll immerfort aller Orten wachsen. Das Judenthum ist aber mehr, als diese einzige Idee, und der Jude soll daher mehr, als diese einzige Idee haben! Das Judenthum hat den Beruf, als bestimmte, positive Religion diese Lehre des einigen Gottes zu fassen und hinzustellen, nicht einzelne Individuen, sondern eine Millionenmasse als Bekenner dieser Lehre zu halten, und so unter den unzähligen Glaubens- und Lehrensnuancen der Menschheit, unter allen Meinungen, Ansichten und Systemen der Menschen in auf- und absteigender Linie, eine kompakte Trägerschaft dieser Lehre zu schaffen. Es kann dem Judenthume daher nicht genug sein, einigen Individuen den bloßen Satz vom einigen Gotte vertraulich in die Hand zu drücken, und dann davon zu gehen in Stolz und Selbstgenügsamkeit. Es muß mehr. Es muß diese Lehre ausarbeiten nach allen Richtungen des geistigen und materiellen Lebens, es muß alle Phasen des menschlichen Daseins, alle Stufen und Momente desselben mit dieser Lehre ausfüllen, es muß eine Moral, ein Recht, eine Gesellschaftlichkeit, endlich einen Gottesdienst, und wo möglich auch eine Norm des materiellen Lebens, in der Lehre des einigen Gottes haben — damit einen Theils diese Lehre ein vollpulsiges Leben werde, eine Welt, nicht für sich, aber doch eine ganze Welt, wo möglich eine typische, eine prototypische Welt sei; .und andern Theils damit sie auch ihrer Masse in bestimmter, geordneter Form entgegentrete, sich ihr immerfort zu erkennen gebe, sich ihr immer wieder zum Bewußtsein bringe, und sie festhalte mit allen Fäden und Seilen des menschlichen Daseins, mit der Anregung aller Kräfte des Menschen, die den Sieg davon tragen sollen über die Lockungen der Welt, über den Andrang äußerer Gewalten, die sich gegen diese Lehre erhoben und erheben. Das ist das Amt des Judenthums, seine Aufgabe und sein Inhalt, und da ist die Aussprache jenes Satzes nur der hundertste Theil von dem, was es zu vollführen hat. Und da ist denn auch die Aufgabe des Juden mehr, als bloß sich und Anderen zu sagen: ich bin ein nacktes Symbol des Satzes vom einigen Gotte, weiter suchet und weiter findet ihr nichts an mir. Denn es ist nun die Pflicht, die Aufgabe des Juden, nicht bloß in jenem Satze, sondern im ganzen Judenthume zu stehen, und durch die Hingebung an dessen Moral, Recht, Gottesdienst und Lebensnorm die Aufrechthaltung des Judrnthums als der kompakten Bekennermaffe des einigen Gottes, als der Ausarbeitung der Lehre vom einigen Gotte nach allen Phasen des Lebens., seinentheils zu bewirken. Dann ist er nicht mehr Symbol eines Satzes, nicht mehr der todte Pfahl, an welchen ein Avertissement an die Menschen vom sechs Worten geheftet ist, sondern er ist ein Mensch des einigen Gottes, ein 14*

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