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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-04-04 · Heft 14 (4.4.1840) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 14 (4.4.1840)
Date
1840-04-04
Page
Seite 196 (sequence 8)
Language
German
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196 halten. Das religiöse Bewußtsein Israels ist demnächst unmittelbar an den Offenbarungsglauben gebunden, und muß sich mit letzterm schwächen oder verfestigen. Nun ist aber, was nicht zu leugnen, der Glauben an die göttliche Offenbarung selbst unter den Israeliten jetziger Zeit bedeutend schwächer geworden, in den Gemüthern Unzähliger wenigstens in solches Halbdunkel getreten, welches weder zu bejahen noch zu verneinen wagt, auf diese Weise unkrästiger und unwirksamer geworden, so daß das Attribut „das der göttlichen Offenbarung gewürdigte Volk zu sein" an Bedeutung, Werth, Intensität, Wirkung vielfach verloren hat. Auf diese Weise, sage ich, hat sich das religiöse Bewußtsein der Juden als solcher vermindert. Je mehr aber die Israeliten in das allgemeine Völkerlebcn, je mehr sie in die Geschichte eintreten, baut sich an dieser ein neues Bewußtsein auf, ein historisches. Es tritt ihnen nämlich immer mehr die Existenz des jüdischen Stammes in einem bereits in's vierte Jahrtausend tretenden Zeiträume als ein einziges Phänomen der Geschichte entgegen, wie es unter keinem Himmelsstrich, in keinem Welttheile wieder zu finden. Dabei zuvörderst als ein Volk, welches in dieser weiten Zeitenspanne stets sein historisches Bewußtsein hatte, und seine Geschichte bis auf seinen Ursprung hinauf besitzt. Dann als ein Volk, welches in dem Zeiträume seiner Selbstständigkeit eben so sehr auf materiellem/ wie auf einem geistigen Grunde wohnte, seit dem Verluste jener aber nur auf einer geistigen Basis bestand, auf einem überall angefochtenen Prinzipe. Endlich ein Volk, welches, von seinem heimathlichen Boden verdrängt, ohne ein äußeres Band der Einigkeit, durch alle Länder der Erde zerstreut, immerhin als eine geistige Einheit bestand, die in ihren Hauptmomenten die weltliche Civilisation mehrere Male aufzulösen gesucht, aber nicht vermocht. Mögen nun auch Chinesen und Indier, Völker an der Gränze der Kultur, oder in isolirter Civilisation begriffen, ihren Ursprung noch so hoch hinaufführcn, in den eben angeführten Attributen ist der jüdische Name der einzige, wie er noch dazu mitten in die Kämpfe der Civilisation hineingeschleudert war. Dies ist es, was ich oben das historische Bewußtsein der Juden als solcher nannte, und das allerdings seit der Zeit erst wachsen konnte, seit welcher die jüdischen Individuen in der Mehrzahl sich mit G.eschichte vertraut machten,' und so die Einzigkeit ihrer Erscheinung begreifen konnten. Wohin nun dieses historische Bewußtsein als Surrogat des religiösen führen werde? Es bedarf nur eines Mittelgliedes, um zu dem herrlichsten Resultate zu führen. Dieses Mittelglied ist die Ueberzeugung: daß eine göttliche Vorsehung die Menschheit und ihre Produkte und Erscheinungen nach bestimmten Zwecken und zu sicheren Zielen führe. — Es ist aber die Zeit vorüber, wo man in der Geschichte der Menschheit nur ein Conglomerat einzelner, isolirter Fakten gesehen, daß die ganze Kunst des pragmatischen Geschichtsschreibers nur darin bestand, ihre Ursachen in den Charakteren der Individuen, und ihre Wirkungeu in den Umwandelungcn der Staatsgeschäste nachzuweisen. Die historische Erkenntniß hat hierin Riesenschritte gcthan, und nachdem das ganze Wesen der neuesten Menschheit so wesentliche Veränderungen erlitten, hat sich auch der höhere Geist, der in derselben lebt, kund gethan. Ist es also eine feststehende, bei Gelegenheit nicht mehr nachzuweisende, sondern überall anerkannte Ueberzeugung geworden, daß die Menschheit und ihre Geschichte der Lenkung Gottes zu einem Gesammtziele und Gesammtzwecke untersteht: so muß es auch alsbald klar werden, daß die eigenthümliche, einzige Erscheinung des jüdischen Stammes, als Schale eines geistigen Prinzips, das nicht untergeht, nicht abstirbt, sondern in ewiger Frische, in immer wiederholter Verjüngung an der ganzen Menschheit lebt, ihre hohe, welthistorische, ja göttliche Bestimmung umfaßt, welche in der Gesammtheit der Menschheit eine um so größere Stelle einnimmt, als um ihrer willen der jüdische Stamm erhalten, und ihm die Elemente immerwährenden Bestandes gegeben wurden. Ist aber erst der Israelit wieder zu diesem Punkte gelangt, hat er wieder erkannt, daß seiner materiellen Existenz eine höhere, göttliche Tenden^zu Grunde liegt, und forscht nach dem Begriffe derselben: so muß er, bei der Einfachheit desLebensprinzipes des jüdischen Stammes, welches ganz allein die Religion des einigen Gottes ist, wieder zu dieser zurückgelangen, und zwar diesmal um so sicherer, weil er diese Erkenntniß aus seinem materiellen Dasein gezogen hat. Das einfache Raisonnement ist demnach: Die Außerordentlichkeit des jüdischen Daseins ist Zeuge

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