Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1840)
- Date
- 1840-03-28
- Page
- Seite 186 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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186 in Belitz gründeten sich auf ein solches Mahrchen einer entwendeten Hostie; wo Christen sich Ablaß für ihre Sündenschuld holen sollten, mußten andere Menschen erst unschuldig verbrannt werden; der Berg vor dem Ehore behielt von der grausamen Execution, die vom Jahre 1243, den Namen des Judenberges. Als aber 1287 Priester und Bischöffe erzählten, es habe in der Priegnitz wiederum ein Jude eine geraubte Hostie auf dem Felde vergraben, so gestattete die aufgeklärte Negierung keine Judenverfolgung; die Geistlicken ließen indeß eine Kapelle über dem Orte, zwischen dem Galgen und dem Rade, bauen, woraus nachher das reiche Stift zum heiligen Grabe entstanden ist. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Ueber Provinzialzustände in Deutschland. Aus verschiedenen Correspondenzen. Es ist wahrlich Zeit, mit wahrem Ernste auf die Verhältnisse vieler Provinzen manches deutschen Staates in Bezug auf die Angelegenheiten des Zudenthums die öffentliche Aufmerksamkeit zu lenken, theils um in diesen Provinzen selbst das Bessere anzuregen, und den Juden, die daselbst noch ein Herz für den Glauben, den sie bekennen, haben, die Augm zu öffnen, theils um angemessene Rathschlage, der höchst verderblichen Sachlage abzuhelfm, zu geben. Aus dem Verfalle der alten Verhältnisse hat sich in solchen unberathenen und unbeaufsichtigten Provinzen für die Neuzeit noch gar Nichts hcrausgebildet, die alten Bande sind gelöst, die alten Momente sind verschwunden, und an deren Stelle ist die unsinnigste Anarchie getreten. Jede Gemeinde ist ihr Selbstherrscher in geistlichen Dingen; dem Zufalle ist es überlassen, ob sich hie und da einige würdige Männer zusammenstnden, wenigstens einige Ordnung in die Verhältnisse zu bringen, und dieser glückliche Zufall regiert selten. Sonst ist keine weltliche und keine geistliche Autorität für das Judenthum vorhanden, und die religiöse selbst wird so dünn und immer dünner, daß das ganze Gewand höchst fadenscheinig ist. Die hohen Regierungen von Meklemburg-Schwerin und Meiningen haben jüngst Statute für die geistliche Leitung ihrer Israeliten erlassen, Kurhessen, Würtemberg, Baden haben jüdische Behörden für die religiösen Angelegenheiten, die des Guten und Geordneten immer mehr beschaffen werden. In dem Großhcrzogthume Posen ist die hohe Preußische Regierung für das Schulwesen der Israeliten'auf's thätigste bewirkt. In Baiern sind, wenigstens früher, Verordnungen für das Schulwesen und in einigen Kreisen für derr Kultus ergangen, die noch immer segensreich wirken. In anderen Theilen Deutschlands aber sind die Juden sich ganz überlassen. In den größeren Gemeinden wirkt der Geist der Zeit und die Vereinigung vieler tüchtiger Männer früher oder später auf geeignete Jnstituirung. Aber auf dem Lande, wo noch dazu die Gemeinden nicht vielzählig, ja meist sehr schwach sind, sieht es in religiöser Hinsicht — ja, wir sagen cs — schrecklich aus! Man wird sich nicht verwundern darüber. Wo einer weit zerstreuten und dünn gesäten Masse die Besorgung ihrer religiösen Angelegenheit selbst überlassen ist, keine Organisation statt findet, wie kann es da anders sein? Diesem Uebel muß von unsrer Seite wenigstens durch das Wort kräftig entgegengekreten werden. Wir lassen daher zuvor einige von treuer Hand gezeichnete Gemälde solcher Provinzen folgen, an' die sich die weitere Besprechung reihen soll. 1. Aus Hinterpommern. (Auszug aus einem Schreiben.) -. Ich beginne mit C. Neidischen Blikkes sehen wir hier aus die Nachbarprovinz Posen, wo die Aufsicht der hohen Regierung die schönsten Früchte trägt, und die dortigen Schulen zu wahren Bildungsanstalten macht. In genanntem Orte nun, wie fast allgemein in ganz Hinterpommern, befindet sich der jüdische Unterricht in der traurigsten Lage. Der Lehrer, welcher zugleich Vorsänger, Gemeindediener und Schächter ist, wird gemeinhin so kärglich besoldet, und dabei auch von seinen vielen Aemtern so beschäftigt, daß er wenig Zeit und Lust zur Erfüllung seines so mächtigen Berufes findet. So wächst dann die Jugend in der traurigsten Unwissenheit alles dessen auf, was zu wissen unsere Religion zu so heiliger Pflicht macht. Erwägt