Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1840)
- Date
- 1840-03-28
- Page
- Seite 184 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Im Tanz der Horen, ew'ger Jugend blühend. Die Leidenschaft, die wildentzündende, Sie war entfloh'n, zu ew'ger Harmonie Verschmolz des Menschen wechselndes Gefühl. Leicht rang sich der Gedanke aus der Brust, Und trat verkörpert jedem Sinn entgegen. Was je gewesen, ward von Neuem stets Durch Dichterwort und Meißelschlag geboren, Der Erde ward Unsterblichkeit verliehen! — So schaut Euch um, wo Euch ein Reiz des Lebens, Wo Euch ein würdiges Gebilde trifft, Der Grieche hat's mit Geist und Hand geschaffen; Und wo der Völker Wogen brausend schlagen Im Sturm zusammen, geußt des Friedens Oel Der Griech' allein besänftigend dazwischen. — Doch nicht allein des Lebens schöne Form, Des Lebens Inhalt maßen wir zuerst, Und mit der Meßschnur in gewandter Hand Umzogen , wir des Menschen Geisterreich. Was in des Geistes tiefen Schachten blüht, Wir legten es zum Licht des Tages aus, Des Denkens Wege, der Gefühle Flug, Des Lebens Schlüsse, der Erfahrung Spruch, Der Freiheit Walten, von dem Staat gebunden. In Hella's Fluren wurden sie erspäht. Den kommenden Geschlechtern übergeben. So stieg aus wurzelreichem Stamm empor Des Lebens Baum mit früchteprangendem Gezwer'ge unter Hellas' blauem Himmel. Wo Pluto stieß den Dreizack in den Boden, Athene einst Olivenbaum gepflanzt, Olympos' Götter freundlich wandelten: Da hat des Menschen reinste Blüthe sich Entfaltet, und die schönste Frucht gereift. Die Völker greifen mit der plumpen Hand In regelloser Gier nach seinen Schätzen: Doch ewig bleibt sein Lorbeer unzerpflückt! Saul. In dunkler Nacht — zu meiner Lagerstätte — Mit Nebelschauern, mit des Grausens Weben — Das Mark erzittert' in Gebeines Höhlung — Trat eine Offenbarung zu mir her: Vergänglich ist des Menschen Thun auf Erden, Wie Gras, am Morgen blüht's, am Mittag welkt's, Am Abend von des Schnitters Schwert gelöst! Habt Ihr der Zeiten Hammerschlag vernommen. Vor dem der Stein in Splitterstaub zerstiebt? Habt Ihr den Schritt des Todes nicht geschaut, Der Menschenwerk zu Trümmern rasch zerdrückt? Habt Ihr die Hand des Schicksals nicht erspürt, Die große Völker in die Grüfte legt? Was auch des Erdentspross'nen Arm erbaut, Was er empor aus seinem Staube wühlt. Es gehet heim, von wannen es gekommen! So baut Euch nur des Lehmen Hütten auf. Und tretet hin, und sprecht: Es ist mein Werk — Aus seinen Himmeln lächelt drob der Herr, Und wie er lächelt, ist es schon zerstoben'. O eitles Nichts, mit frechem Stotz bekleidet, O leerer Jrrthum, der den Menschen kirrt, Und ihm die Wahrheit trügerisch verhüllt: Aus Staub gewoben ist des Menschen Sein, Und den Bestand hat Gottes Werk allein! — So werfet Euch vor Eure Götzen hin: Israel kennet diesen Gott allein — So trauet nur auf Eurer Denker Spruch, Der vietgewandt den Trug für Wahrheit gkebt: Israel glaubt nur dieses Gottes Wort — So schaffet Euch ein buntes Farbenspiel Aus Stein und Gold und Staub und Licht und Nacht, Und findet dran ein kindisches Ergötzen: Israel dienet der Erkenntniß nur- Das Recht soll kommen zu der Erden Flur, Der Frieden einen aller Menschen Volk, Die Wahrheit bauen ihren einen Tempel, Der eirrz'ge Gott auf Zions Bergen thronen. Und aller Völker dichtgedrängte Schaar' Den Einig-Einigen einen Mundes preisen — Das ist die Botschaft, die uys ist geworden, In Knechtsgestalt der Menschheit sie zu bringen. Vor der der Tand der Völker soll verfliegen! Wir bauen nicht Altäre feiler Lust,' Wir schnitzen nicht des Auges schnöd' Ergötzen, Wir singen nicht der Thorheit Schellenklang, Wir spinnen nicht der falschen Rede Schleier: Auf Erden steht nur unsres Fußes Sohle, Doch unser Blick schwingt sich zum Himmel auf, Und Gott allein ist Leben uns und Lehre! Drum wandeln wir auf öden Völkertrümmern, Und schauen auf das Ewigwerdende — Mag uns mit Hohn der Menschen Troß begegnen. Es ist das Wort des Herrn zu uns gekommen,