Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1840)
- Date
- 1840-03-28
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225133--02594-3312083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
474 ri'um ausgenommen für die neu zu Bekehrenden. Die Frauen tragen dann eine bestimmte Kleidung und einen weißen Schleier, und man lehrt sie Alles, was zu einer guten Hausfrau nöthig ist. Wenn sie sich verheirathcn, erhalten sie eine Mitgift von 150 römischen Thalern, und wenn sie sich der Kirche widmen wollen, werden sie im Kloster dell’ Annonciado ausgenommen. Zn sämmtlichen Staaten des Papstes giebt es 6000 Juden; sie müssen bedeutendere Abgaben geben, .als die andern Unterthancn, und der jährliche Betrag ihrer Zahlung beträgt 13,000 Thaler, welche Summe sehr beträchtlich ist, wenn man bedenkt, daß der dritte Theil der Bevölkerung der israelitischen Universität zur Last fällt. Sonst mußten sie bei den Wettläufen des Pallium thätig sein, und wie Sclaven zu dieser Volksbelustigung beitragen. 1668 schaffte Clemenz IX. diesen Gebrauch ab, und sie müssen jetzt nur noch den Gold - und Seidenstoff zum Pallium liefern, der beim Pferderennen dem Sieger als Preis überreicht wird. Sie müssen den Wächter bezahlen, der sie alle Abende einschließt, sie besolden mehrere Geistliche der benachbarten Kirchen, müssen immer und für Alles bezahlen, und sind dafür im schmutzigsten Winkel von Rom eingesperrt. Rußland und Polen. Petersburg, 3. Marz. Die Juden-Gemeinde von Schlock bei Riga hat in letztgenannter Stadt, nicht ohne bedeutende Geld - Opfer, eine Elementar- Schule errichtet, an welche als Direktor der Dr. Lilienthal aus München berufen wurde. Diese Schule ist am 27. Januar d. I., in Gegenwart der städtischen Behörden-und der christlichen Geistlichkeit, bei welcher sich auch ein Bischof der russischen Kirche befand, feierlich eröffnet worden. Der Direktor vr. Lilienthal hielt eine deutsche und der Lehrer Kluge eine russische Anrede, worauf die Büste des Kaisers von den Schülern bekränzt wurde. (Pr. Stzg.) —. In einem Art. aus Oberschlesien in der Leipz. Allg. Zeit, werden unter zehn Tarifsätzen, denen die Oberschlcsier bei Einfuhren in Polen unterworfen find, auch als neunter folgender bezeichnet: „Endlich find auch 9) noch die hiesigen nach Ruffisch-Polen reisenden Juden, ohne Rücksicht auf Alter, Stand und Geschlecht, verbunden, die Geleitsabgabe zu entrichten. Der Geleitschein wird auf 30 Tage, jedoch nur von den Zollkammern erster Klasse über welche daher fremde Juden auch nur einpassiren dürfen, ertheilt und kostet 2£ Thlr. Nach Ablauf der 30. Tage kann der Geleitschein den sich dort aufhaltenden auswärtigen Juden noch auf fünf Tage prolongirt werden, wonächst dieselben zur Lösung eines mit 2z Thlr. zu bezahlenden Strafbillets anzuhalten und außer Landes zu schaffen sind." Deutschland. Dessau, 7. März. (Privatmitth.) Das Anhalt - Dessauische Land hält bekanntlich, trotzdem daß unser durchlauchtigster Herzog in Ertheilung von Unterstützungen, Stipendien, rc. ohne Unterschied alle seine Unterthanen auf die huldreichste Weise bedenkt, seine „Schutzjuden" eisern fest, und hat ihnen noch immer eine feste Barriere vor dem „Bürgerstande" querüber gezogen. Um so zu beachtender ist es, daß vor Kurzem ein hiesiger Israelit, Herr Betzold, „wegen seiner Geschäftsthätigkeit und seines, bei vielen Gelegenheiten bewiesenen Eifers" den Titel eines Commerzienrathes „mit allen den Titularräthen zustehenden Ehren- und Standesrechten," worunter auch die „Hoffähigkeit" gehört, erhalten hat, der erste Jude, der einen Herzogl. Dessauischen Rathstitel empfangen. Aus Baiern, 8. März. (Privatmitth.) Ueber die Würzburger Rabbinenwahl liegen der Redaktion drei verschiedene Berichte vor, aus denen, unserm Grundsätze gemäß, daß eine geschehene Wahl weder mehr zu bekämpfen, noch vor wirklichen, thatsächlichen Schritten zu beloben steht, wir nur Faktisches ziehen. Für die fünf Rabbinatsdistrikte sind gewählt: in Würzburg Herr Seligman Bamberg er, gegen welche Wahl noch einige Reklamationen statt finden sollen; H. vr. Laz. Adler in Kissingen, H. I. Thalheimer inMarktsteft, H. M. Lebrecht in Obbach, Herr S. Wormser in Hersfeld. Außer Herrn Bamberger trafen alle Wahlen Männer, welche Studien auf den Universitäten gemacht. München, 8. März. (Privatmitth.) Die baiersche Nationalzeitung v. 1. März 1840 bringt einen Artikel zu Gunsten der Juden in Baiern, worin vorzüglich auf das hingewiesen ist, was alles in frühern landständischen Versammlungen und besonders in der vom Jahre 1837 für die Verbesserung der