Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1840)
- Date
- 1840-03-14
- Page
- Seite 155 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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155 gigen Talmudstellen, Euch den Grund jener Verschiedenheit zeigen werden, welchem Stellenstudium ihr euch dann, um der Wahrheit willen, unterziehen müsset; außer diesem aber vergeude jund verliere deine Zeit nicht mit Behandlung der st'vn, weder in kommentativer noch in diskursiver Weise; beides Dinge, von denen ich längst gelassen, und die viel Zeit verderben, selten aber von Nutzen sind. — Was du in dieser Beziehung beschlossen haben wirst, lasse mich wissen, wobei Gott deine Schritte auf den besten der Wege richten und geleiten möge. — Du fragst über meine Bestrebungen in Beziehung auf äußeres Leben; nur zweierlei gewähret mir da Trost; wenn ich mich (ungestört) dem Denken und Betrachten überlassen kann, und wenn ich sehe, wie holdselig und liebenswürdig mein Sohn Abraham sich entwickelt; in Aehnlichkeit mit dem, der diesen Namen zuerst geführt, verbindet er mit einem scharfen Verstände, bestem Herzen, und angenehmen Aeußern, die seltenste Bescheidenheit und Sanftmuth; eS ist bei mir kein Zweifel, daß aus ihm etwas Großes werden wird, mit Hülfe dessen nämlich, der jenen frommen gläubigen Erzvater gesegnet, und der auch ihn lange erhalten, und mit der Fülle seiner Gnaden beglücken möge. — Literarische Uebersichteu. (Fortsetzung.) schen übersetzt sind, wo die Unzulänglichkeit der biblischen Sprache einerseits, und die mitunter schlechte Wahl der Ausdrücke — welche dem (Übersetzer zur Last fallen — sich gegenseitig die Hand bieten, den Leser zu verwirren. Geschichtschreiber, Redner und Dichter bedienten sich der hebräischen Sprache» die Ereignisse des Volkes aufzuzeichnen zur Belehrung für künftige Geschlechter, und die Zuhörer hinzureißen durch die Gewalt der ihnen entströmenden Gefühle. Kein Philosoph, der Haare spaltete, trat auf, um dem Verstand Dinge vorzudemonstriren, für welche die gewöhnliche Sprache des Umganges keine Worte hat. Als die Araber Aristoteles auf ihren Boden verpflanzten, eiferten bald die Israeliten nach, und hier war es wo die hebräische Sprache vielen arabischen Worten, das Bürgerrecht gab') — theils aber auch sich Nachbildungen schwerer Wortformen gefallen lassen mußte, so wie auch figürliche Bedeutungen von Worten welche in der Bibel selbst einen ganz andern Sinn haben -). Die älteren hebräischen Schriftsteller schreiben arabisch, weil sie, außer dem Grunde nützlich für alle Gebildete zu sorgen, sich auch von der Schwierigkeit, in der heiligen Sprache gut aristotelisch zu philosophiren, durchdrungen fühlten. Auch Maimuni schrieb sein More Nobuchim arabisch. Bald aber ward das Bedürfniß dieses Buch zu lesen in den Ländern gefühlt, wo den Bewohnern das Arabische nicht so geläufig war und Samuel den Tibon übersetzte cs bei Lebezeit des Verfassers^), welche Uebersctzung auch am allgemeinsten . Wir beginnen diesmal diese Uebersichten mit der Hinweisung auf ein preiswürdiges Werk, welches längst unsre Aufmerksamkeit gefesselt hat, die Uebertragung des More Nebuchim von Rambam in's Deutsche von vr. Simon Scheper, von der, mit dem Texte und Anmerkungen versehen, bis jetzt der dritte Theil (Franks, a. M. 1839) erschienen ist. Lassen wir zuvor einen Referenten sprechen. Zu den Schwierigkeiten, welche das Lesen aller philosophischen Schriften erschweren, die in einer engen Schulsprache bewegen, gesellt sich bei der Lectüre der hebräischen Werke dieser Art, noch diese Schwierigkeit, daß sie sämmtlich aus dem Arabii 1) Z. B. u. a. m.; 2) So hat das Wort in der Bibel immer die i Bedeutung „erbeuten," die hebe. Philosophen gebrauch-! ten es für negiren, wo cs figürlich zu nehmen ist,; man raubt dem Dinge etwas. Das Anwachsen der Zahl - dieser Wörter hat ein Lexicon dazu erforderlich gemacht, ■ aber wir besitzen kein vollständiges noch. Das Li-non | wird einem spätem Bearbeiter dieses Feldes gute Dienste leisten. Diese Periode der Sprache hat für den Sprach-! forscher bedeutendes Interesse, und es wäre verdienstlich, j wenn Jemand seine Aufmerksamkeit auf das bloß j Sprachliche dieser Periode richten möchte, j 3) Und zwar ein Jahr vor dessen Tode, wie aus! dem Epigraph bei De Rossi No. 557, 1035, 1067