Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1840)
- Date
- 1840-03-14
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sien jüdischen Gelehrten in Oestreich zum Verfasser. Die Einleitung motivirt die Eingabe des Gesuches, „wiewol Alles, was in neuerer Zeit von den Reichsstanden zu Gunsten der Israeliten geschehen, vollkommen geeignet ist, die einheimischen Juden zu überzeugen, daß es keiner Petition bedürft, um die Aufmerksamkeit einer hohen Reichsversammlung auf bürgerlichen Zustand der Israeliten hinzulenken," — zunächst mit dem Herzvnsdrange der Vertreter, „welche es als Hintansetzung ihrer Pflicht betrachten würden, wenn sie da, wo die Entscheidung ihres Geschickes von dem Wohlwollen ihrer, ihnen von Gott gesetzten Obern abhangt, es ihrerseits an dem flehentlichen Anruf an diese fehlen ließen." Die hierauf folgende Analogie mit dem Gebete ist zu sehr theologisirend, und scheint uns nicht ganz der behandelten Sache angemessen. Die Petition wird dann besonders durch den Umstand gerechtfertigt, , daß das Schweigen der Juden bei ähnlichen Gelegenheiten von ihren Gegnern gemißdeutet und als Waffe gegen dieselben gebraucht wurde. Die hierauf folgende Darstellung „der höchst traurigen politischen Lage der Israeliten, welche dem, in allen übrigen Verhältnissen vorherrschenden, bessern Geiste schroff entgegensteht" glaube ich übergehen zu können. Die Rechtsverhältnisse und innern Angelegenheiten der ungarischen Israeliten sind den Lesern dieser Blätter aus mannigfachen Correspondenzen und Nachrichten hinlänglich bekannt. Die Darstellung jener Verhältnisse und Angelegenheit, welche, ohne alle Ueberladüng, wahrhaft und getreu gehalten ist, schließt mit der Bitte an die hohe Reichsversammlung: „Sie wolle in ihrem göttlichen Beruft einen Act der Gerechtigkeit und Humanität an uns vollziehen, und in Beherzigung der Nothwendigkeit einer Verbesserung unserer bürgerlichen Verhältnisse, diese zum Gegenstand der Berathung machen, und die Diskussion hierüber mit der Erklärung schließen: „Daß den Israeliten des ungarischen Königreichs die staatsbürgerlichen Rechte ertheilt werden sollen."" Warum in dieser etwas zu umständlichen Fassung der Bitte, die Supponirung einer Discussion ausgesprochen sei, ist nicht leicht abzusehen. Zur weitern Begründung der Bitte berufen sich die Bittsteller auf das Beispiel anderer Staaten, und die Aussprüche berühmter Staatsmänner, wie Merilhou, Winter! u. A., welche die Emancipation der Juden als das! öffentliche Beste fordernd bezeichneten. „Wir glauben daher," heißt es schließlich, „in tiefster Unterthänigkeit uns der freudigen Hoffnung überlassen zu dürfen, daß, so sehr auch weit wichtigere und um, sassendere Landesangelegenheiten die Thätigkeit der hohen Reichsversammlung in Anspruch nehmen, — unsere flehende Stimme dennoch nicht verhallen, und in den für alles Große und Edle schlagenden Herzen der erhabenen Gesetzgeber Anklang sinden werden. Die huldreiche Gewährung unserer unterthänigsten Bitte würde hundert Tausende treuer Landeskinder zu einem neuen, würdigern Leben wecken, würde für sie ein neuer Grund sein, zur tiefsten Verehrung und innigsten Dankbarkeit gegen die erhabenen Reichsstände, würde sie noch inniger und unauflöslicher an das Vaterland knüpfen, und zu noch treuem und gehorsamern Unterthanen machen." Die Petition ist der Ständetafel noch nicht überreicht worden; ist aber gleichwol schon unter der Presse, was Biele befremdend sinden. Ich werde Ihnen nächstens das Weitere hierüber mittheilen. Aus Mähren. Im Februar. (Privatmitth.) Die, in diesen Blättern beiläufig erwähnten, Anfragen, welche jeder mährischen Judengemeinde zugekommen , und die mittelbar die Reorganisirung unseres Rabbinatweftns vorbereiten sollen, reduziren sich auf folgende drei Punkte: 1) welchem Gehalt der Rabb. von der betreffenden Gemeinde beziehe, 2) das Summarium der letzten Vermögensschätzung und den summarischen Gemeinderechnungs-Extract vom letzten Jahre, und endlich 3) wie viel Israeliten sich in der betreffenden Gemeinde nach dem Durchschnitte der letzten drei Jahre den höher» Studien widmen, und welche Berufswege sie ergreifen. Die letzte Anfrage geschah offenbar in der Absicht, zu erfahren, ob junge Leute, die sich der jüdischen Theologie widmen, den höhern Studien obliegen. Es giebt deren freilich noch sehr wenige; aber auch diese wurden in manchen Gemeinden, namentlich im Brünner Kreise desavouirt. Doch haben wir gegründete Hoffnung, daß diese Angelegenheit von den besser Gesinnten urgirt werden werde. Bon der Donau, 17. Febr. (Privatmitth.) In einer Provinzialstadt Oesterreichs ist vor wenigen Wochen folgender Fall vorgekommen. Die Eltern eines blindgebornen Knaben, welcher das zehnte Jahr zurückgelegt hatte, wollten denselben zur Erziehung