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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-28 · Heft 9 (29.2.1840) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 9 (29.2.1840)
Date
1840-02-28
Page
Seite 121 (sequence 5)
Language
German
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121 ren! — Das Gesetz, daß die Juden Bauergüter in Ungarn kaufen und besitzen dürfen, ist in den Reichsversammlungen gegeben, und Allerhöchsten Orts bestätiget. Das Gesetz ist für uns höchst wohlwollend, dies müssen wir mit innigem Danke anerkennen. — Wird es aber auch für uns, wohlthätig sein? oder wird es überhaupt für uns zur wirklichen That übergehen? — Wer wird ein Bauer werden? der Großhändler, der Künstler, der Gelehrte, der Handwerker, oder auch nur der Hausirer und der Trödler? — Oder wer von diesen Allen wird seine Kinder zu echten Bauern heranbilden? der Reiche wird seinen Kindern ein besseres Loos zugedacht haben, und der Arme hat kein Gut, um seine Kinder darauf zu bilden, und endlich fehlt es Allen zusammen an Erfahrung, an praktischen Kenntnissen des Feldbaues und der Landwirthschaft! Und wenn der Arme schon seine Kinder untergebracht, und diese die Feldwirthschaft schon erlernt hätten, so kann er ihnen doch keim Bauergut kaufen und sie selbstständig machen. Und doch ist den weisen Absichten unserer Gesetzgeber, so wie unserem eigenen Wohle nur dann Genüge geleistet, wenn der jüdische Bauer sein eignes Besitzthum bearbeiten kann. Denn nur der Besitzer, der den Gewinn ernten und den Verlust empfinden kann, wird ein guter Wirth auf seinem Erbe sein, und nur der wird die Produktion und somit den Reichthum des Landes fördern helfen. — Nur wenn es viele jüdische Bauern giebt, die das Land bearbeiten, welches sie eigenthümlich besitzen, wird man sich gewöhnen uns nicht inehr als fremde, sondern als integrirende Theile der Nation und des Reiches zu betrachten! — Und was werden nun die Negierung und das Land, unsere Wohlthäter, dazu sagen, wenn Jahre aus Jahre vergehen sollten, ohne daß irgend eine Frucht der gespendeten Wohlthat sichtbar würde? — Was würden unsere Feinde hierzu sagen? — Es ist nicht zu zweifeln, daß sogar deutsche Gelehrte hievon Gelegenheit nehmen würden, die dortigen Landtage mit Flugschriften, reich an Schmähungen gegen die Juden, zu überschwemmen. — Dem Allen müßte man zuvorkommen. Nach der Meinung des Einsenders, kann dies nicht besser und nicht leichter geschehen, als entweder durch Vereine für die Beförderung und Verbreitung deS Landbaues unter den Juden, oder dadurch, daß jede, wenigstens bedeutendere Gemeinde sich als einen solchen Verein erklärte und konstituirte, und die Kosten hiemit von den Gliedern des Vereins oder von der Gcmeindekaffe gedeckt würden. Der Verein könnte damit anfangen nur einige wenige jüdische Knaben bei Landleuten in solchen Orten in die Lehre zu thun, wo auch Juden wohnen, denen sie in die Kost gegeben, und unter deren Aufsicht sie gestellt werden könnten. Da viele Städte in Ungarn nicht nur von Bürgern und Juden, sondern in den Vorstädten auch von vielen Landwirthen bewohnt sind, so wären diese die geeignetsten Orte, um daselbst die vorgeschlagenen Versuche zu machen, da hier der nöthige Schul- und Religionsunterricht, so wie der Synagogenbesuch an Sabbat- und Feiertagen, zugleich im Auge gehalten werden können. Bis diese Lehrlinge unter den Beschäftigungen des Landbaues groß und kräftig -geworden, müßte der Verein darauf bedacht sein, angemessene Grundstücke zu erwerben, selbe mit dem nothwendigsten Vieh und Geräthen zu versehen, und diese so den jungen Bauern auf einige Probejahre, unter Controlle des Vereins zur Bearbeitung übergeben werden — gleichviel mit welcher Bestimmung des Ertrags und der Lasten. Wenn der junge Landmann die Probe bestanden, so dürste ihm das bearbeitete Gut, mit dem er nun vertraut geworden, als Eigenthum übergeben werden, und das Ankaufs-Capital vielleicht sogar mit einigen billigen Zinsen, in einer angemessenen, zu bestimmenden Zahl von Jahren allmälig an den Verein abzutragen sein, und den neuen Bauern wäre überdies die Pflicht aufzuerlegen, auf Verlangen des Vereins jüdische Lehrlinge unter gewissen Bedingungen anzunchmen und zu gleichem Geschäfte auszubilden u. s. w. u. s. w. Auf diese oder vielleicht ähnliche Weise, wäre die Aussicht eröffnet zur allmäligen und wohlbegründeten Erwerbung von Landgut so wie die Aufnahme von Kenntniß des Landbaues unter den Juden zu hoffen, wie nicht minder die Resultate zu gewinnen, welche die Nation von den Beschlüssen erwartet, in denen sie so großherzige Gesinnungen für uns an den Tag gelegt hat. — E. M. Pr errßerr. Magdeburg, 16. Febr. (Privatmitth.) Wir stehen nicht an, folgendes, uns eben zugekommene

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