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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-28 · Heft 9 (29.2.1840) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 9 (29.2.1840)
Date
1840-02-28
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 mögen vielleicht einzelne Juden, vorzüglich auf dem Geschäftswege, Veranlassung zu diesen Maßregeln gegeben haben. Man kömmt aber dabei immer auf die alte Klage zurück, daß die Juden von so vielen Vortheilen und Rechten, welche Anders - Gläubige in unserem Vaterlande genießen, zurückgehalten sind und sich deshalb auf Ernährungsweisen zu werfen fast genöthigt sehen, die an und für sich gar häufig ohne Beeinträchtigung Anderer vollbracht werden können, durch den Umstand aber, daß sich die Bedrängten ihnen in viel größerer Anzahl und mit desto größerer Beweglichkeit hinzugeben gezwungen sind, für manche lästig werden. Man will die Folge nicht, hebt aber die Ursache nicht auf. — So lange die Juden in so vielen und wichtigen Beziehungen zurückgesetzt werden, so lange wird man an ihnen vieles und immer wieder zu rügen und zu verbessern haben. Ueberdies erscheinen die Handlungen der Juden oft nur deshalb in so grellem und üblem Lichte, weil man sie mehr sixirt und, was einer oder einzelne einmal wirklich Tadelnswertstes verüben, der ganzen Judenschaft aufzubürden man nur zu geneigt ist. — Es ist zu bedauern und wahrhaft zu bejammern, daß man täglich zu solchen und ähnlichen Reflexionen sich verleitet fühlt und wir können dieser unsrer immerwährenden Klage nicht einmal den Trost der Hoffnung, daß es recht bald besser werde, entgegen halten. Freilich haben sich jetzt wieder die Stände des Reiches in unsrer Hauptstadt vereint, und es könnten die Verhältnisse der Juden in den Kammern wieder zur Sprache gebracht werden. Schon früher wurde viel Gutes bei den landständischen Verhandlungen für die Juden vernommen, doch das Endresultat solcher Besprechungen war immer negativ. Man hat besonders in der letzten Ständeversammlung, wenn auch nicht von Emancipativn, doch von wesentlichen Verbesserungen der bürgerlichen Lage der Juden gesprochen, aber bisher war noch keine Erfüllung dessen zu bemerken. — Die bairischen Juden nun haben wenigstens für letzteres und für die jetzige Kammer bis heute noch nichts in Gemeinschaft unternommen. Vielleicht geht diese Unthätigkeit aus der Hoffnungslosigkeit hervor, zu der man nach dem Gange der Sache, seit mehrern Jahren wol berechtigt ist. — Aus dem Würtembergischen, 10. Febr. (Privatmitth.) Nach dem Regierungs-Blatt für das Königreich Würtemberg vom 18. Januar d. I. wurde von der Königl. Evangel. Synode zu Stuttgart, neben mehren evangelischen Schullehrern, auch dem israelitischen Lehrer Löwenthal in Ernsbach, Decanats O ehrin gen, ein Prämium mit — 20 fl. zuerkannt, ein sprechender Beweis von der Humanität und Unbefangenheit unserer höchsten Behörden, und wie sie nur das Verdienst stets im Auge haben und nicht so sehr den konfessionellen Bezug. Ruhm und Ehre einer solchen aufgeklärten und toleranten Regierung! — E. Aus Ostfriesland, 7. Febr. (Privatmitth.) Bereits ist mehr als ein Jahr seit dem verflossen, daß die israelitischen. Gemeinden in hiesiger Provinz den schmerzlichen Verlust ihres würdigen Ober-Rabbinen Löwenstamm beklagen, und noch immer ist dieser Verlust nicht ersetzt worden, wenn gleiches für die Aufsicht in Kirchen und Schulen und in mancher sonstigen Beziehung so sehr nöthig ist. Möchte daher diese wichtige Stelle baldigst wieder durch einen würdigen Mann, der eine der jetzigen Zeit angemessene Bildung erhalten hat, ausgefüllt werden, damit auch die Angelegenheiten der Israeliten unsrer Provinz geordnet, und den Bedürfnissen der Zeit näher geführt würden. Mögen daher alle Vorurtheile oder sonstigen Rücksichten, welche die Israeliten daran hindern mögen, sich einen solchen Oberhirten zu erwählen, recht bald verschwinden, und Alle der Ueberzeugung leben, daß eine Religion, die nicht gelehrt wird, bald aufhört, eine Lehrerin der Menschen zu werden. Oesterreich. Aus Ungarn, 30. Januar. (Privatmitth.) Schreiber dieses ist weder ein Gelehrter, noch hat er einen öffentlichen Charakter, noch einen sonstigen amtlichen Beruf, den Rathgeber des öffentlichen Wohles abzugeben; wol aber besitzt er kindliche Liebe für seinen Glauben und ein Bruderherz, das für das Wohl seiner Glaubensgenossen unaufhörlich schlägt. Dies dürfte vielleicht entschuldigen, wenn er mit seinen Rathschlägen vor die ehrwürdigen Gemeinden Israels in Ungarn hinzutreten wagt, und sie bittet, seine Vorschläge zu erwägen und zu beherzigen oder auch zu verwerfen, wenn selbe bessere dafür setzen wollen, nur zum Zwecke mögen sie süh-

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