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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-22 · Heft 8 (22.2.1840) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 8 (22.2.1840)
Date
1840-02-22
Page
Seite 115 (sequence 15)
Language
German
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115 er, bei seinem oberflächlichen verwirrten Wissen, nicht vermögen würde die Grundstellen zu merken, oder doch so in dieselben einzudringen, um entnehmen zu können, was ich daraus entnommen. — Endlich wird mein Werk hie und da auch einem Leser begegnen, der, aus Wahn oder Eitelkeit, sich Mann der Wissenschaft dünkend, vorzugsweise den Theil angreifen würde, welcher Glaubens-Grundlehren enthält, welche Angriffe mich schon eher angehen werden. — Alle diese Klassen machen zusammen die große Mehrheit der Leser aus; indeß dachte ich, und war dessen gewiß, es werde auch in die Hände der Wenigen kommen, die Gott zur Wahrheit und Tugend berufen; diese, indem ein gründliches, mit eignem Nachdenken verbundenes Studium desselben, sie erkennen läßt, was darin enthalten, werden auch meine Unternehmung und was sie gekostet, zu schätzen wissen; unter diesem Häuflein dachte ich mir auch dich; und gesetzt diese Leserklaffe beschrankte sich für die Zeit meines noch übrigen Lebens, auf dich allein, ich könnte mich auch hiemit begnügen, um so mehr noch (kann ich zufrieden sein), da ich aus (dem südlichen) Frankreich, auch aus andern Orten, wohin mein Werk längst gedrungen, Briefe von Gelehrten erhalten habe, die über die Leistung ihre Bewunderung äußern, über Einzelnes fragen, und um die ihnen noch fehlenden Theile dringend bitten; und da außerdem, noch immer Wünsche um den Besitz desselben, aus fernen Gegenden hieher gelangen, so weit verbreitet dasselbe auch schon ist.— Ist es nun bei meinen Lebzeiten schon so weit gediehen, so darf ich überzeugt sein, daß in späterer Zeit, wenn erst Neid und Eifer für Bewahrung der eignen Autorität weggefallen sein werden, ganz Israel sich diesem Codex allein zuwenden, alles andere seiner Art aber sicherlich bei Seite lassen wird, diejenigen etwa ausgenommen, welche, ohne zu dem allein wünschenswerthen (allgemeinen) Resultate gelangen zu wollen, (in Gelehrsamkeit dieser Art) nur eine Beschäftigung suchen, um sich die Zeit zu vertreiben. -Aus dieser zweiten Prämisse folgt wol, daß es mir keine Kränkung machen darf, wenn ich das nicht erreicht haben sollte, worauf ich nicht gerechnet (sofortigen allgemeinen Beifall nämlich). — Bedenke drittens, daß dieser Codex bei weitem keine solche Wichtigkeit änsprechen darf, wie das Gesetzbuch Mosis, [in welchem Gott die Menschen zum Rechten leitet, und allen Völkern den Weg zur Wahrheit gezeigt; — auch mit den Reden der Propheten könnte er nicht verglichen werden; aber selbst Moses und die Propheten werden nur von Einigen gesucht, von Andern aber, sogar unseres eignen Volkes, vernachlässiget. — Allerdings müßte derjenige wol gänzlich von Erkenntniß göttlicher wie menschlicher entblößt sein, der den Werth eines solchen Werkes so durchaus verkennen wollte; allein wer sich über alle diejenigen ärgern wollte, die die Wahrheit nicht mögen, wird oft Gelegenheit zum Aerger bekommen; ja ich meine er würde in stetem Verdruß und ewiger Kränkung leben müssen, was doch nicht sein soll.— Zum Schluffe, Viertens, will ich dir über meine Denkweise (in dieser Beziehung) einiges Nähere mittheilen, wiewol du, während der Zeit die du bei mir gelebt, mich ganz verstehen lernen konntest. — Ich muß gestehen, daß es selbst in dieser meiner Stadt (Kairo) Menschen giebt, welche ohne Namen, Ansehn oder Macht, dennoch von Neid und Zanksucht so sehr eingenommen sind, daß sie dieses immerhin bedeutende Werk niemals beachten, ja keines Einblickes würdigen, und zwar damit es von ihnen nicht hieße, sie hätten von dieses Mannes Schriften Nutzen gezogen. Nun stehen diese Leute nicht allein dem Bewußten (Rabbi Samuel in Bagdad) an Erkenntniß und Gelehrsamkeit weit nach, sondern werden auch einzig und allein von niedriger pöbelhafter Leidenschaft getrieben, und tasten sich. Blinden gleich, im Dunkeln durch das Leben. Da ich nun die Geringschätzung auch solcher Menschen ertrage, und so thue als wenn ich es nicht merkte, wie so kann es dir, lieber Sohn! auffallend erscheinen, daß jener Mann sich gegen mich auf eben solche Weise benehmen darf, der doch einerseits keine feinere Erziehung als diese hier erhalten haben mag, andererseits indeß, in jenen Gegenden, allerdings über seinen Zeitgenossen stehet, dazu noch den vereinten Vortheil des Alters, des Amtes, und des vornehmen Geschlechtes für sich hat. — Erwäge ferner, wie so arm an Einsicht und vernünftigem Denken jene Orte sind, und daß er da von solchen Menschen abhängig ist, bei denen falsche Vorstellungen und Wahnbegriffe zu nähren und zu unterhalten, es ihm nicht allein schon an und für sich gerathen sein mag, sondern, was mehr ist, die auch ihrer-

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