Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1840)
- Date
- 1840-02-22
- Page
- Seite 116 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Avignon 1× ep/1047822
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116 seits, eben von der Autorität der wirklichen oder sich so nennenden Hochschule, die gelehrte Bestätigung des ihnen schon von Natur eignen Aberglaubens, erwarten. — Bei so bewandten Umständen, konntest du, geschätzter Sohn! im Ernst hoffen, dieser Mann werde mit Einem Mal zur Erkenntniß seiner selbst und wie viel ihm noch mangelt, gelangen, und sein erworbenes wie sein ererbtes hohes Ansehn sofort aufgeben; eine Selbstverläugnung, die nur Männer auf der höchsten Stufe der Sittlichkeit haben können, von seines Gleichen aber, ja selbst von Vollkommnern als er, jetziger wie früherer Zeit, nicht zu denken ist. — Ich begreife es sonach sehr wohl, daß je mehr mein Name sich dorthin (in den unwissenden Orten) ausbrcitet, desto stärker werden er, seine Kollegen, so wie alle diejenigen, denen es daran liegt, Macht und (geistliche) Herrschaft über das Volk zu üben, sich gedrängt fühlen, mein Werk zu ignoriren, und so zu zeigen, daß sie schon weise und vollkommen genug seien, um erst des Studiums eines solchen nöthig zu haben. Ihr Bemühen wird daher erstlich dahin gehen, die Existenz desselben möglichst zu verheimlichen, dann (wo dies nicht angehet) andere glauben zu machen, daß ein jeder von ihnen, wenn er es nur wollte, im Stande wäre in kurzer Zeit ein besseres und vollständigeres zu schreiben; endlich aber, ja einmal in die Enge und aus ihr letztes Mittel getrieben, werden sie auch dieses nicht scheuen, und gradezu sagen: Ich hätte weder Religion noch Moralität. — Jndeß soll dies Treiben mich eben so wenig aufbringen, als es mir mit Gottes Hülfe, keinen Schaden zufügen wird; und sollte ich es mit eignen Augen sehn, mit eignen Ohren hören, ich werde es mit Geduld ertragen, dazu schweigen, leichte Entschuldigungen Vorbringen, und nur wo cs Noth ist, und Zeit und Sache es fordern, werde ich mich gelassen und anständig vertheidigen; die verkannte Wahrheit ist es, woraus es (bei diesem Streite) ankommt, keineswegs meine Persönlichkeit; in Beziehung auf diese, ist mir die Bewahrung des Charakters und der innern Würde zu sehr werth, als daß ich mich mit Thoren in Wortkämpfe einlassen sollte. — „Dem echten Rabbinen geziemt es die Wiederherstellung seiner Ehre der Vorsehung anheim zu stellen." — In deinem Standpunkte, o Sohn, den Gott erhalten wolle! kann es dir wo! nicht verargt werden, daß du dich deines Lehrers und zweiten Vaters annimmst, und dessen Herabwürdigung nicht gleichgültig zusehn kannst; daß du dir dies indeß so zu Herzen nimmst, daß du darüber in Trübsinn zu verfallen scheinst, nehme ich dir mit Schmerz übel. — Bedenke überdies, daß du durch Lernen und Erforschen desjenigen, was zu wissen Pflicht ist, insbesondere durch Fortschreiten im speculativen Denken, dir und andern dort, mehr nützen könntest als wenn du beständig zu Angriff und Abwehr gerüstet sein müßtest. — (Schluß folgt.) Literaturgeschichte. Biographische Notizen von jüdischen Gelehrten und Künstlern, von Dr. C a r in o l y zu Brüssel. (Fortsetzung.) 22. Jacob von Lunel, berühmter Arzt zu Carcassone, lebte am Ende des 14. Jahrhunderts und imAnsange des löten. Wir verdanken ihm einige Fragmente über medicinische Schriften und mehrere Gebete welche noch unter den portugiesischen Juden zu Avignon gebraucht werden. 23. Carcassone (David) Dr. der Medicin an der Fakultät zu Montpellier und vormaliger Militairarzt, und welcher gegenwärtig zu Nimes prakticirt. Er hat als Jnaugural-Differtation herausgegeben Fssai historique sur ia medecine des Hebreux anciens et modernes. Montpellier 1811 u. 1915. 8. 24. Berr (Berr-Jsaac) Sohn von Jsaac Berr, eines der ausgezeichnetsten Mitglieder der Israelitischen Gemeinde zu Nancy, geboren im I. 1743 in dieser Stadt. Da er sich dem Kaufmannsstande gewidmet hatte, wurde er naturalisirt als die Unruhen der Revolution ausbrachen. Hr. Berr wurde um diese Zeit zum Deputaten der Israeliten in Lothringen ernannt. Es erschien damals von ihm die Refutation du Discours de Mr. La For, uncieu eveque de Nancy, depute ä l’Assemblee Constituante contre l’admission des Juifs aux droits de Citoyen. (Fortsetzung folgt.) Druck von I. B. Hirschfeld.