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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-22 · Heft 8 (22.2.1840) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 8 (22.2.1840)
Date
1840-02-22
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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107 Boskowitz (Mahren), 2. Feb. (Privatmitth.) Nach einem Interregnum von mehr denn drei Jahren bekommen wir nun wieder einen Rabbinen, für welchen unser Vorstand — mirabile dictu — eine Kanzel ansertigen läßt. Es ist merkwürdig, wie unsere Gemeinde, die bisher den unbestrittenen Ruf einer guten, altjüdischen genoß, gerade den äußern Flitter des modernen Judenthums so lieb gewinnt, ohne an der innern Hebung, dem geistigen Fortschritt Theil zu nehmen. Anderswo hat man gut organisirte Religionsschulen in gemietheten Localen; wir haben ein schönes Schulgebäude, dessen Bau die Gemeinde in Schulden gebracht hat, und das nun — leer steht. Anderswo erbaut man sich an lebendigen und belebenden Predigten, unbekümmert darum, ob der Redner auf einer Kanzel, oder hinter einem „Ständer" stehe; wir haben eine schön dekorirteKanzel, und — keine Predigt. „ Dünste, Wind, aber kein Regen" (Spr. 25, 14)! Tarnopol, 28. Jan. (Privatmitth.) Sie haben, H. Red., in der Allg. Zeit. d. Jud. die Verdienste unsres verewigten Perl von unpartheiischer Hand in würdiger Weise besprechen lassen. Um so eher können wir uns im Namen aller Intelligenten unsres Landes an Sie wenden, wenn wir die Schmähungen, die ein verkappter Zelot, in einem „Schreiben aus Galizien" in ein achtbares deutsches Blatt eingeschmuggelt hat, durch das allgemeine Organ des Judenthums zurückweisen lassen. Es ist dies wahrlich nicht Streitsucht, es ist die Rechtfertigung eines reinen und verdienstvollen Lebens! Wohin sollte das führen, wenn jeder wahrhaft Strebende in Israel auch bei denen der Verläumdung ausgesetzt wäre, die selbst zu den Strebenden in Israel gehören wollen! Wie, der Tod des Mannes, den eine göttliche Vorsehung zum Heile unserer galizischen Glaubensbrüder auserkohren, der 40 Jahre lang unser Schirm und Hort bei den Großen des Landes gewesen, der mit Aufopferung seiner Lebensruhe den Krebsschaden des Volkes, den Chasidismus durch Wort, Schrift und Beispiel erfolgreich auszurotten sich bemühete, der der Jugend seiner Vaterstadt eine so herrliche segenbringende Unterrichts-Anstalt, dem Gottesdienste einen glanzvollen Tempel erbauete, der Wissenschaft Kunst und Gewerke unter uns einführte, förderte und aus eigenen Mitteln so großmüthig unterstützte, der am Schlüsse seines ruhmreichen Lebens einen großen Theil seines Vermögens wohlthätigen Zwecken weihete, der Tod Perls, des Menschvifteundes, des weisen Rathgebers, des Vertreters Vt: Kranken Wittwen und Waisen soll — o des schmäuchen druckes — als ein Glück betrachtet werde.? dies darum, weil er in seinem, mit so vielem Witze und Gemächlichkeit geschriebenen Wochen &l. dik, einen treuen Sittenspiegel unserer Zeit, die Verkehrtheit, die Heuchelei, die Kraft- und Willenslosigkeit mancher sogenannter Volksführcr, die Gebrechen unserer Communen und einzelner Stände, in der edlen Absicht offen besprochen, um die Einen aus ihrer Lethargie zu wecken, zur Thatkrast anzuspornen und die anderen zu belehren und zu bessern? Wahrlich, Perl, der unbescholtene fleckenlose Mann, dessen Leben rein wie die Sonne wir' haben ablaufen sehen, den seine ärgsten Feinde nicht des kleinsten Vergehens gegen ächte Religiosität und Moral haben zeihen können, der bei Gelegenheit einer öffentlichen Vertheidigungs - Rede für seinen großen Freund Rapopört, an heiliger Stätte und in einer Versammlung von Tausenden, mit dem Propheten ausrief: „Hier bin ich, zeuget wider mich, gegenüber dem Ewigen und gegenüber seinem Gesalbten, wessen Ochs habe ich genommen, wessen Esel habe ich genommen, oder wem habe ich vorenthalten? Wen habe ich gedrückt, aus wessen Hand habe ich Lösegeld genommen, daß ich mein Auge nicht sehen machte auf ihn, und ich will es euch erstatten." Der so reden konnte, der hat wahrlich das Recht, manch bittere Wahrheit uns ins Gesicht zu sagen, mögen immerhin einige Kleinstädtler in ihrer Eitelkeit sich gekränkt fühlen, mögen immerhin Bosheit und Lügen den Schatten des Unsterblichen zu verläumden bemühet sein. Zu bedauern ist nur, daß solch schmähliche Ausfälle, solch unverschämtes Lügengewebe, als in jenem Schreiben niedergclegt ist, wie das Tanzen am Grabe und d. g., reine niederträchtige Erdichtungen, zu einem deutschen Blatte einen Weg sich bahnen konnte. kl.

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