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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-22 · Heft 8 (22.2.1840) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 8 (22.2.1840)
Date
1840-02-22
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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106 vermeiden, Rücksicht genommen werden mußte, den beabsichtigten Maßregeln nicht günstig war, braucht nicht erst bemerkt zu werden. Daß die Regierung geneigt war, das Landrabbinat nach Absterben des seligen Benedikt mit einem wissenschaftlich gebildeten Manne zu besetzen, geht aus folgender Stelle hervor, welche ich dem hohen Erlasse des k. k. mähr, schles. Guberniums vom I».November 1830 Z. 40700 entnehme. Es heißt dann selbst wörtlich: ,,E) Die Kenntnisse der philosophischen Wissenschaften werden dermalen gar nicht als unumgänglich nothwendig erfodert; doch werden jene Kandidaten, welche in der Lage sind, sich über die gründliche Kenntniß der erwähnten Wissenschaften durch glaubwürdige Zeugnisse auszuweisen, bei sonst gleichen Umständen besonders berücksichtigt werden." Unter den Kandidaten war ein-Einziger, der philosophische Bildung befaß, der jetzige Pesther Rabbine Schwab; die Wahl siel jedoch nicht auf ihn. — Die Wirksamkeit des gegenwärtigen Landrabbinen ist bereits auch in diesen Blättern gewürdigt worden. Wien, 31. Jan. (Privatmitth.) Sie bemerkten in der vorjährigen letzten Nummer 'dieser Blätter, daß Ihr Journal, wiewol ein vorherrschend theologisches, die Gegenwart und deren Zustände und Bedürfnisse berücksichtigen, oft auf Dinge eingehen müsse, die mit der Theologie in keiner Beziehung verwandt sind. Es wäre freilich sehr zu wünschen, daß die einzelnen Verdienste einzelner Israeliten keiner speciellen Erwähnung und Besprechung mehr bedürften; aber so lange das Vorurtheil nicht ganz geschwunden ist, ist es Pflicht, und keine„Coquetterie," wie es affectirte Bescheidenheit nennt, diese Verdienste, der Wahrheit gemäß, und ohne Uebertreibung, zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Die hiesige Zeitung berichtete vor Kurzem weitläufig über eine von einem galizischen Israeliten, Herrn Adolph Bardach, erfundene Rechenmaschine, die die vier Spezies auf's richtigste berechnet, und den allgemeinsten Beifall, insonders 'von Herrn von Littrow, Direktor der k. k. Sternwarte, sich erworben. Es wird ihr bald eine zweite folgen, für die mechanische Berechnung mit Brüchen, Prozenten und der Regel de Tri. Ich füge nur noch hinzu, daß sichHr. Adolf Bardach auch als practischer Arzt allgemeines Vertrauen erworben, und daß er dem ärztlichen Publikum durch mehre therapeutische Schriften vortheilhaft bekannt ist. Er ist, wie viele seiner Standesgenossen in Galizien, in früherer Jugend einzig und allein dem Talmudstudium vbgelegen, wie er denn auch eine ausgebreitete Kenntniß der talmudischen und rabbinischen Literatur besitzt. Bekanntlich findet man unter den polnischen Juden viele, durch ungewöhnliche Geistesanlagen ausgezeichnete Köpfe, wie denn auch die gelehrtesten und scharfsinnigsten Rabbinen der letzten Jahrhunderte Polen waren. Bekommt nur diese geistige Kraft die gehörige Richtung, wird sie gewiß viel Heilsames und Nützliches, viel Gutes und Schönes schaffen. Von dem neuesten literarischen Products aus Galizien, dem dritten Hefte des nnin nächstens. Wien, 31. Januar. (Privatmitth.) Die Vorsteher des hiesigen israelitischen Armenvereins, welcher seit fünf Jahren besteht, haben, wie alljährlich, so eben den diesjährigen „Ausweis über die Verwaltung des israelitischen Armcnvereins" bekannt gemacht. Als „Empfänge" werden folgende Rubriken angegeben: 1) Vortrag von 1838 , 4030 fl. 18 kr. 2) Eingegangene Jahrgelder 7400. 3) Spenden 1697 fl. 4) Interessen des Cassavorrathes 134 fl. 66 kr. 5) Verschiedene Sammlungen 1615 fl. Summa 14877 fl. 14 kr. Ausgaben: 1) für hiesige Arme 5681 fl. 18 kr. 2s Auf Winterholz 638 fl. 3) Auf Osterbrod 964 fl. 52 kr. 4) Für fremde Arme 3424 fl. 5) Regiespesen 335 fl. 10 kr. -6) Uebertrag auf Januar 1840 3833 fl. 54 kr. Summa 14877 fl. 14 kr. Leider haben sich die Herren Vorsteher genöthigt gesehen, einen Aufruf zu erlassen, worin sie die Auflösung des Vereins in Aussicht stellen, so nicht kräftige Unterstützung von Neuem rege werde, indem sich bereits die fixen Einnahmen um 2000 fl. jährlich vermindert haben. Besonders betrifft dieser Nachtheil die fremden Armen, denen doch für die Untersagung des Bettelns in den Häusern ein Ersatz zu geben ist, und sei er noch so klein. Von 2263 fremden Armen sind 1397 mit einem Gulden betheilt worden, 758 haben zwei Gulden erhalten, und nur eine sehr geringe Zahl 5 bis 10 fl. — Der Aufruf ist klar und dringend abgefaßt, und wird er gewiß seine Wirkung nicht verfehlen, und werde ich über den Erfolg weiter berichten, da dieser Umstand gewiß mehr als lokales Interesse hat.

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