Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1840)
- Date
- 1840-02-22
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Oesterreich. Aus Mähren. Im Januar. (Privatmitth. Fortsetzung und Schluß.) Indem ich Ihnen den in meinem vorigen Briefe versprochenen, zweiten und wichtiger» Lheil des Bmediktischen Berichtes an das hohe mähr, schles. Landesgubcrnium mittheile, erlaube ich mir, demselben folgende einleitende Bemerkung voranzuschicken, um viele Ihrer Leser in den Stand zu setzen, die, in diesem Gutachten niedergelegte Ansicht eines talmudisch-orthodoxen Rabbinen über den jüdischen Gottesdienst unbefangen zu würdigen. Die liturgische Frage hat in unfern Lagen unstreitig bereits ein solches Stadium erreicht, welches eine unumwundene, vorurtheilsfreie Besprechung derselben möglich und nothwendig macht. Es ist von den Repräsentanten der neuem Richtung im Judenthume den älteren Rabbinen öfters der Vorwurf gemacht worden, daß sie sich von dem Buchstaben der Schrift und des Talmud zu sehr beherrschen lassen, und darum jedem geistigen Fortschritte, jedem sittlichen Aufschwünge, jeder wissenschaftlichen Entwickelung hemmend und hindernd in den Weg treten. Da aber hier, wie so oft anderswo, das Neue dem Alten mit keinem fertigen, ausgebildeten, in allen seinen Konsequenzen durchgeführten Systeme entgegen treten konnte; da vielmehr der größte Theil unserer Reformatoren den Nabbinism in seiner unfreundlichen, dem Zeitgeschmäcke nicht zusagenden Gestalt mit rabbinischen Waffen bekämpfen zu können glaubten; da man die „zeitgemäßen Umbildungen," von deren Dringlichkeit man sich überzeugt hielt, durchführen wollte, ohne sich in eine, in mancher Beziehung gewiß sehr mißliche, Controverse über jenen vielbesprochenen, aber selten gründlich beurtheilten, babylonischen Codex einzulassen: so verfielen die Neueren nicht selten in den von ihnen gerügten Fehler des tobten, geistlosen Buchstabendienstes. Dies war namentlich in der Diskussion über die Gebetsprache der Fall, in welcher die Freunde der Landessprache mindestens sehr unkrittisch verfuhren, wenn sie die rabbinischen Autoritäten für ihre Ansicht in Anspruch nahmen. Der Buchstabe spricht allerdings für sie; aber es ist eine gänzliche Verkennung des Geistes der rabbinischen Lehre, wenn man ihr das Ausgeben der hebräischen Gebctsformeln zumuthct, und aufgeben wollten ja die Reformatoren die rabbinische Lehre nach ihrem eigenen Geständnisse nicht. Dies fühlten die Rabbinen, welche im zweiten Jahrzehent unseres Jahrhunderts gegen die deutsche Liturgie schrieben, recht gut; aber es fehlte ihnen an Geschick, ihre gute Sache gut zu vertreten. Heutzutage sieht jeder Wohldenkende die Wichtigkeit der alten Gebete ein, und die Stimmen für deren Abschaffang lassen sich immer schwächer vernehmen. Man sieht immer mehr ein, daß bei der, zumal'in Städten, von Tag zu Tag zunehmenden Lauheit gegen das alte Außenwerk der Religion, jene Gleichheit und Uebcreinstimmung des Synagogenritus nicht genug gehegt und gepflegt werden könne, und daß die verhältnißmäßig größere und verbreitetere Kenntniß der hebräischen Sprache in Israel sehr wünschens- und erstrebenswerth sei. — Und nun wollen wir den alten Rabbi hören: 3) „Die Vorlesung der heiligen Schrift in der Synagoge ist nur in der hebräischen Sprache giltig, und zwar aus dem Grunde weil diese heilige Rolle, aus welcher diese Rolle geschieht, mit hebräischen Quadratlettern auf Pergament in hebräischer Sprache geschrieben sein muß (Maim. Tesilla 1,19) und weiter (Hilch. Tora 10, 9), so, daß wenn in der ganzen Rolle nur ein Buchstab fehlen mochte, eine solche für unbrauchbar, Poßul, erklärt und gehalten wird. Der Priestersegen, das Wort Amen, und die heiligen Eigennamen Gottes, obgleich solche in jede andere Sprache übersetzbar sind, müssen dennoch in hebr. Sprache verbleiben, weil solche Erstens Nomina propria sind, und nur mit Nominibus propriis (die aber außer dem Worte „Gott" nicht zu finden sind) zu übersetzen wären (More I, 55), zweitens weil es heißt: 'm ■nsr nn nr, welches nach unseren Cominentatoren heißt, das aus vier Buchstaben bestehende Wort des Namens des allerheiligsten muß unaussprechbar bleiben, und dafür gesprochen werden. Das täglich vorkommende Gebet Schema, obgleich dieses nach der Meinung des Talmud in jeder andern Sprache gebetet werden darf, so finde ich doch für gegenwärtig nothwendig, daß es in hebr. Sprache gehalten werden müsse; henn damals wußten die jüdischen Gelehrten den reinen Sinn des hebr. Textes durch einen gleichen Kraftgehalt in einer andern Sprache auszudrücken; heutigen Tages aber weichen die Uebersetzer von einander ab, z. B. das brai