Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1840)
- Date
- 1840-02-22
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Konsistorium soll kein Departement haben, wolaber mehrere Depp, eines, wenn sie zusammen nur 2000 Israeliten enthalten. Auf diese Weise bleiben die Konsistorien zu Paris mit 32 Depp., zu Bordeaux mit 2» Depp., von Marseille mit 1» Depp., von Metz mit 2 Depp., von Nancy mit 5 Depp., von Straßburg mit I Dep., von Kolmar mit »Depp. Außerdem besteht das Central-Konsistorium, mit dem Sitze zu Paris. Der zweite Paragraph laßt das Central-Konsistorium aus 1 Groß-Rabbinen und 7 Laien, die Departemental-Konsistorien aus I Konsistorial-Rabbinen und 4 Laien bestehen. Die Laien werden durch die Notabeln (f. unten) gewählt, unter der Beaufsichtigung der Präfekten. Die Wahl vom Könige bestätigt. Die Installation geschieht durch den Präfekten, der ihren Eid der Treue entgegennimmt. Zu solchen Laien-Mitgliedern der Konsistorien können, nach §. 3, nur Notabeln erwählt werden. Ihre Amtsdauer ist 4 Jahre, sie können aber wieder gewählt werden. Das Konsistorium hat die Polizei der Tempel ihres Bezirkes; sie ernennen Beaufsichts-Kommissarien für jeden Tempel; sie ernennen die Synagogenbeamten an ihrem Sitze, und bestätigen die der anderen Gemeinden. Sie kreiren die Rabbinats-Kandidaten als solche ff. Die Mitglieder der Konsistorien haben zu den öffentlichen Schulen, wo israelitische Zöglinge sind, Zutritt, die Rabbinen zu den Spitälern. Unter ihnen stehen alle Wohlthätigkeits- und religiöse Anstalten der Israeliten, und ernennen sie deren Beamte. Sie vertheilen die öffentlichen Gaben jährlich, wenn der Spender nicht selbst einen Zweck angiebt. Sie unterhalten eine Korrespondenz mit allen Gemeinden und dem Central-Konsistorium. Mit dem Minister des Kultus können sie nur durch das Central-Konsistorium, kommuniziren. Klagen gegen dieselben gehen an das Central-Konsistorium, welches sie, wo nöthig, dem Minister vorlegt. (Fortsetzung folgt.) Belgien. Brüssel, 29. Jan. (Privatmitth.) Was die israelitischen Zustände in Bezug des Cultus, der Schule und der politischen Verhältnisse in Belgien, und besonders in unsrer Hauptstadt betrifft, hat sich seit dem ausführlichen Bericht, den Sie davon in Ihrem geschätzten Blatte von 1838 mitgetheilt, wenig oder nichts außerordentliches ereignet. Da, wo unsere Glaubensbrüder im vollständigsten Sinne des Worts emancipirt sind und wo es von beiden Seiten Keiner zu bereuen hat, besonders aber wo, wie in Belgien, der jüdische Cultus und dessen Administration, wie jeder andre, vom Staate ganz unabhängig ist, ereignen sich nicht leicht Stürme und Erschütterungen, und hat man einmal einen gewissen Schritt vorwärts gethan, so braucht man nicht jeden Augenblick an Neuerungen zu denken. Was zu erneuern und zu verbessern ist, giebt sich von selbst. Gewiß ist eS jedoch, daß wenn verhaltnißmäßig die Mitglieder der Administration wie die Einflußreichsten Mitglieder der Gemeinde von dem ähnlichen guten Geist beseelt wären, wie der Rabbine, man auf vernünftigem Wege weit mehr vorwärts gekommen wäre. Im Ritual ist in letzter Zeit Nichts verändert, im Ceremoniellen, Choralgesang ff. aber manches verbessert worden, und das skandalöse Versteigern der sogenannten man totaliter abgeschafft, und das Ceremonial des Aufrufens zweckmäßig und nachahmungswürdig eingerichtet worden. Auch in der Schule hat sich der Unterricht sehr verbrffert, und laut officiellen Bericht hat die Zahl der Schüler bedeutend zugenommen; man sagt auch, daß Hr. Bischofsheim, der als Consistorial-Präses die Oberaufsicht über das Institut hat, sich daran gelegen sein lasse. Es hieß, daß die jährlich vom Staate für den jüdischen Cultus auf's Budget gebrachte Summen in diesem Jahre bedeutend höher gestellt sein soll, ich kann Ihnen aber nicht bestimmt sagen, ob die Zulage von den Kammern bereits bewilligt worden. An den vergangenen Feiertagen (r>"'i!-h) ist auf Empfehlung und vorhergegangenes Beispiel des Rabbinen Hr. Lob eine freiwillige Stiftung (N2ix) eröffnet worden für ein neues jüdisches Spital, wozu 30,000 Gulden verwendet werden sollen. Als Herr Baron v. Rothschild unlängst aus Paris hier war, und vom Herrn Rabbinen deshalb angesprochen worden, subscribirte er 4000 Franc zu diesem milden Zwecke. Mit Leidwesen habe ich indessen vernommen, daß diese Stiftung der Gegenstand einer Streitigkeit zwischen den Administratoren der Synagoge und dem Consistorium geworden ist, will aber hoffen, daß die'Einigkeit bald wieder hergestellt wird, wozu der brave Rabbine gewiß kein Mittel unerprobt lassen wird. —