Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1840)
- Date
- 1840-02-15
- Page
- Seite 97 (sequence 9)
- Language
- German
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97 obwol er noch auf einen zweiten ähnlichen wartet, und trotz eines hie und da eingetretenen lächerlichen^) Abfalles, durch seinen immer zunehmenden Besuch zur Genüge beweist, wie tiefe Wurzeln das Bcdürfniß nach einer edleren Gestaltung des Gottesdienstes bei der großen Mehrzahl der Gemeinde geschlagen; und sowol durch die theilweise Befriedigung dieses Bedürfnisses, als auch durch den Gemeinsinn, den der Verein zur Regelung des Gottesdienstes, durch eben diesen ersten Bereinigungsversuch hervorgerufen, haben sich die Begründer des neuen Tempels ein unvergeßliches Denkmal in unserer Gemeinde begründet. Freilich darf man sich diesen Gemeinsinn noch nicht als zu einem Riesen herangewachsen denken, der den ganzen Sauerteig von Mißbräuchen und Corruption wie mit einem Zauberschlage wegzublasen im Stande wäre, er hat es im Allgemeinen noch immer nicht weiter gebracht, als zur Bersichcrung des guten Willens und allenfalls zu einer Jeremiade über Mangel an Gemeinsinn, indessen haben auch sckon diese winzigen Anfänge ihre gute Wirkung geäußert. Denn konnte man früher mit keiner Sache recht vorwärts kommen, mußte man sogar bestehende Institute ihrem Verfalle entgegen gehen sehen, weil sich Niemand finden ließ, der sich ohne Aussicht auf einen persönlichen Vortheil mit etwas Gemeinnützigem befassen wollte: so sieht man jetzt Männer, deren Zeit durch ausgebreitete Geschäfte in Anspruch genommen wird, doch die größte Thätigkeit dem Gemeindewohle zuwenden. Bei diesem erwachenden Gemeinsinne war es möglich, daß zugleich mit der Errichtung des •) Wir können es uns nicht übel nehmen lassen, es für lächerlich zu finden, wenn Jemand, der in Privatgeschäfte verliest, den Gang der Ereignisse nur vom Hörensagen kennt, und die Fortschritte im Judenlhum nur dann gutzuheißen gewohnt ist, wenn sie aus dem Bcquemlichkeitsprinzipe entspringen, aller Welt seinen eigenen Kopf aufsetzen will, und sich auf sein langjähriges Nachdenken in Rcligionssachen berufend mit Sack und Pack davonläuft, wenn irgend einige im Interesse des Judenthums kräftig gesprochene Worte „von Dero Gnaden zartem Makronen-Magen zu hart befunden wurden." Bei solchen Gelegenheiten kann man sich aber auch von dem gesunden Sinne der Menge überzeugen, die ein solches Benehmen für etwas mehr als lächerlich hält. Corresp. neuen Bethauses es den vereinten Bemühungen unseres verehrtem Gemeindevorstehers Herrn M. I. Landau und Herrn Ludwig Pollak's unter der Protektorate Sr. Exc. des Oberstburggrafen Herrn Grafen von Chottek die israelitische Kleinkinderbewahranstalt ins Leben zu rufen; und wenn man die Leistungen dieser mit Aufmerksamkeit betrachtet, so muß man die Verdienste des Herrn Branders, der sich mit. seiner Gattin dem mühevollen Geschäfte des Kleinkinderunterrichtes mit so vielem Erfolge widmet, anerkennen, nebstbei aber auch den würdigen Frauen und Männern, die sich vereint den Gründern der Aufsicht und Leitung der Instituts-Angelegenheiten widmen, und es dabei weder an Geld noch anderweitigen Unterstützungen fehlen lassen, den Dank aller Menschenfreunde abstqtten. — (Schluß folgt.) Correspondenz. Dresden, Dezember^). Es ist bas schöne Vorrecht der Allg. Zeit, des Judenthums, einen Denkstein auch dem und jenem Edlen aus der Mitte Israels zu setzen, dessen Andenken anderswo unbeleuchtet vorüberginge. Sie werden dem folgenden Nekrolog eines Biedermannes gewiß einen Raum vergönnen, da er einen nicht unwichtigen Beitrag zur Geschichte einer eben erst vergangenen Zeitperiode bietet, und einem Manne gilt» der 25 Jahre der Dresdener Gemeinde in de» schwierigsten Verhältnissen verstand. Nekrolog. Ein schmerzliches Bedauern erregte in unserer Gemeinde das am 25. Nov. (18. Kislev) erfolgte Hinscheiden des Aeltesten Kaim Samuel, eines Frommen, welcher zu seiner Lebensaufgabe nicht allein Gehorsam gegen die Gebote unseres Glaubens machte, sondern auch eine kräftige, unablässige Thätigkeit für daS Wohl seiner Mitbrüder. Ein Sohn redlicher Eltern, welche ihm kein« glänzende, aber eine wahrhaft treffliche Erziehung im Glauben und in der Moral gaben, glaubte er diesen seine» Dank nicht besser darbringen zu können, als wenn °) Nicht von unserm gewöhnlichen Dresdener Corresp. Redakt. 7 *