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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-15 · Heft 7 (15.2.1840) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 7 (15.2.1840)
Date
1840-02-15
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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94 150 Synagogen. Auf allen Straßen sieht man fast nur Juden: die Männer mit Hohen Pelzmützen, unter denen auf jeder Seite eine lange Haarlocke herabgeht, die Frauen, selbst die ärmsten, in einem reichen Kopfputz, der uns an Jesaias 3, 18, erinnerte. Die Märkte sind jüdisch: man sieht einen Fischmarkt, einen Grünmarkt u. s. w., wo nur jüdische Männer und Frauen zu sehen sind; sie besitzen auch ein eigenes Hospital. Auf dem Postamt wurden die auf die Briefe bezüglichen Bemerkungen nicht allein in deutscher und polnischer, sondern auch in hebräischer Sprache niedergeschrieben. Die Haupt - Synagoge nähert sich im Innern dem gothischen Kirchenstil: ihr Dach wird von vier massiven Pfeilern getragen und sie ist so geräumig, daß sie 5000 Personen faßt. Ueberall hangen massive Leuchter von der Decke herab. Zugleich entbehrt die Stadt gänzlich des orientalischen Gepräges, das man von einer ächt jüdischen Stadt erwartet: sie ist ein reiner Handelsplatz und ihre Sitten sind durchaus europäisch. Was den religiösen Zustand betrifft, so erlernen Wiele das Hebräische, das wir selbst von einigen Knaben reden hörten; die neue Schule hat indeß viele Anhänger und ihr Einfluß auf die jüngere Generation ist groß. Den Sabbat brachten wir in einer der an der Heerstraße liegenden jüdischen Schenken zu, einem eigenthümlichen Gebäude, wie sie durch ganz Polen anzutreffen sind, die an dem einen Ende die Zimmer für Menschen enthalten, während der «ganze übrige Theil des hoch bedachten Hauses für Vieh und Wagen eingerichtet ist. — Wir erreichten Lemberg am Montag. Die jüdische Bevölkerung ist auch hier groß, größer selbst, als in Brody, verliert sich jedoch schon mehr unter der christlichen Bevölkerung von 100,000 Seelen. Sie ist im Ganzen arm und ihr eigenes Wiertel gewährt einen ungünstigen Anblick. Anhänger der neuen Synagoge giebt es auch hier. Am 11. Oct. erreichten wir Krakau. Das Viertel, in welchem die!Juden allein wohnen dürfen, führt den Namen Casimir und ist von der übrigen Stadt durch einen kleinen Fluß „die kleine Weichsel" getrennt. Die Zahl der Juden wird auf 22,000 geschätzt, außerdem leben etwa noch 10,000 auf dem Krakauischen Gebiet. Die römisch - katholische Bevölkerung behandelt jene mit großer Verachtung, und nach einer Regierungs-Verordnung darf kein Jude eine Nacht in einem andern Viertel als in Casimir zubringen.' Wir erreichten Breslau am 16. Oktober; obgleich wir noch keine Zeit hatten, irgend einen Juden aufzusuchen, so bemerkten wir doch sogleich die sehr liberale Stimmung der preußischen Juden." — , Merkwürdig ist das Zugeständniß, welches die schottische Mission zum Schluffe hinzufügt: „Wahre Bekehrung zum Christenthume ist die seltenste Sache,, die wir antreffen!" Aus Mähren. Im Jänner. (Privatmitth.) Die Angelegenheiten der mährischen Gemeinden sind in diesen Blättern im letzten Viertel des vergangenen Jahres öfters gewürdigt worden. Ohne in eine Vergleichung mit unfern Schwesterprovinzen eingehen, und daraus unfern Rückstand ins gehörige Licht setzen zu wollen, wie dies ein, allerdings gut unterrichteter, Correspondent aus Wien gethan, beschranke ich mich auf die Mittheilung eines sehr interessanten Aktenstückes, welches auf unsere religiösen Angelegenheiten so mächtig influirte, und mehr denn in Einer Beziehung bekannt zu werden verdient. Es ist dies ein Bericht des verstorbenen Landesrabbinen Marcus Benedikt an die mähr, schles. Landesregierung. Dieser Bericht enthält das Gutachten des Landrabbinen über mehrere, ihm von der Regierung im Jahre 1820 vorgelegte Fragen. Der Bericht betrifft 1) die Rabbinen, ihre Studien, ihre Befähigung und ihre Wahl; 2) den Religionsunterricht; 3) den Gottesdienst, und lautet wie folgt:") I) „In Anbetracht, daß das langwierige, ausgedehnte Studium, wodurch sich ein Individuum zum Rabbinen qualisiciren kann, wenigstens einen Zeitraum von 20 Jahren kostet; so ist schon hieraus sattsam erwiesen, daß unter der gesammten jüdischen Jugend, welche die deutschen Schulgegenstände, und die derselben zugewiesenen Religionskenntniffe beim Antritt des zehnten Jahres sich eigen gemacht, und zur Einholung des Gymnasial- und philosophischen Studiums noch eine Zeitfrist.von 9 Jahren bedarf, narb derselben Vollbringung zu jeder Wissenschaft geeigneter ist, als zum beginnenden Studium für einen Rabbinen, weil jene kürzere Zeit braucht, und *) Man wird die holpernde, oft unrichtige Sprache dem Secretär des alten Rabbi verzeihen. Ich habe hierin nichts ändern können. Corrrsp.

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