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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-15 · Heft 7 (15.2.1840) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 7 (15.2.1840)
Date
1840-02-15
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 wie sich dieselbe bei uns im Osten entscheiden werde. Zwar muß er der Rabbinenschule seit der Dauer ihrer Existenz [(1826) das gebührende Lob ertheilen; Ar Rückschritt oder Stillstand aber, der sich in den letzten Jahren gezeigt, gehe einzig und allein aus der Irreligiosität der aus dieser Schule hervorgehenden Zöglinge hervor, indem das freie Betragen und Sprechen dieser Letzteren die zahlreichen, orthodoxen Familien hier sowvl, wie in der Provinz von dem Besuche einer solchen, in ihren Augen gottlosen Schule nothwendig abhalte. Daß solche Irreligiosität nicht überall im Gefolge zunehmender Aufklärung sich befinde, zeige zunächst Deutschland, wo immerfort echte Frömmigkeit neben wahrer Bildung seit Mendelssohn Platz greife. Herr H., sich namentlich auf den trefflichen Aufsatz über die Chaffidim von I. Marcussohn B. in dieser Allg. Zeit. d. Jud. S. 619 v. I. stützend *), glaubt nur das zukünftige Heil Israels in Polen von dieser Sekte ausgehend, indem diese in ihrem freien, ungebundenen, freilich auch zügellosen Lebenswandel die Keime einer zukünftigen Reform in sich trügen. Zuletzt dringt Herr H. insonders auf die Bildung der Jugend durch geistliche, in reiner Sprache abgefaßte Vorträge, indem diese den gesunkenen Sinn wieder zu beleben im Stande seien. — Diesem Artikel sind bereits mehrere Entgegnungen gefolgt, namentlich eine mit der Chiffer Z., die von der Hand eines der tüchtigsten hiesigen jüdischen Schulmänner herrührt. Dieselbe weist die Behauptungen des Herrn H., daß er zuerst die Sache behandle, zurück, indem dies schon in dem berühmten Werke des Herrn Czacki (lior prawa o Zydoch przer Jadeuska Czackiego, w Wilnie 1807. 8.) hinlänglich besprochen, und historisch und kritisch beleuchtet worden sei. Daß die Bildung Rückschritte bei uns gemacht, sei eine leicht zu widerlegende Ansicht; denn der dritte Theil der aufwachsenden jüdischen Bevölkerung in Polen spreche, lese und schreibe polnisch, die aus der Rabbinenschule entlassenen Alumnen bewähren sich meist als brauchbare Subjekte im Lehrfach und Gewerbe, sie führen alle einen moralischen Lebenswandel; während 180» nur ein jüdischer Schüler eine christliche Schule besuchte, ge- *) Der zweite Artikel dieses Aussatzes wird baldigst gegeben. Redakt. schehe dies jetzt von 80, einige besuchen selbst daS agronomische Institut zu Wary-Moul, viele seien auf,ausländischen Gymnasien und Universitäten. Im Jahre 1810 gab es hier nur 10 deutsche Familien, deren Zahl jetzt auf 300 gestiegen; man zähle überhaupt bereits 2»00 Individuen in der Residenz, die sich deutsch trügen, und eben so viele könne man auf die Provinz rechnen. Die Leistungen der Rabbinenschule, die jährlich von 180 Zöglingen aus der niedrigsten Klaffe besucht werde, erstrecken sich weit in die Kreise der reichen polnischen Juden, welche ihre eignen Kinder nicht gern hinter den rapiden Fortschritten der in der Rabbinenschule gebildeten, meist armen Jugend Zurückbleiben sehen möchten, deshalb die letzteren als Hauslehrer annehmen, und somit der Bildung und bessern Erziehung die Thore öffnen Der der jetzigen Jugend gemachte Vorwurf der Irreligiosität komme meist daher, daß den polnischen Juden eine solche Alles sei, was gegen ihre veralteten Ansichten über Kleidung, Entblößen des Hauptes ff. anstößt, ohne zu bedenken, daß ihre Tracht nicht aus Palästina, sondern von den alten Polen stamme. Solche Dinge verletzen hieße doch wol nicht Irreligiosität, und sie den höchsten Moralprinzipien gleich zu stellen, könne eher so genannt werden. Uebrigens sei ein solcher Zustand immer der des Ueberganges, den man auch in Deutschland durchschritten, und der später zu einem desto liefern Erfassen des Glaubens führe. — In einem zweiten Artikel gestattet sich Herr Z. die Aufmerksamkeit einer hohen Regierung auf den Umstand zu lenken, daß der größte Theil der hiesigen jüdischen Bevölkerung viel Bereitwilligkeit und Befähigung zur Ergreifung aller Arten von Handwerken zeige, daß aber hier der Mangel an Gewerbfreiheit sehr hemmend in den Weg trete. —"'So weit diese Skizze. Würden im Verlaufe der Debatte sich noch interessante Punkte ergeben, werde ich nicht unterlassen, sie Ihnen mitzutheilen. (Schluß folgt.) Di. J. B. Frankreich. Strasburg, 26. Jan. (Privatmitth.) Sie wissen bereits, daß das Central - Konsistorium von Frankreich die Aufmerksamkeit und die Bemerkungen der Departementalkonsistorien für einen Entwurf der Kultusreform gefordert hat. Ebenso, daß derselbe in Metz eine heftige Opposition gefunden. Sie werden

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