Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1840)
- Date
- 1840-02-08
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225126--02496-3311978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 wiß, Du wirst seiner nimmer vergessen! Mit Recht trauert die Gattin um einen solchen Lebensgefährten, um ihre Krone und ihren Schutz. Mit Recht trauert ihr Söhne und Töchter! um den Heimgang eines Vaters mit solchem Geiste, mit solchem Herzen! Mit Recht betrauern wir Alle seinen Verlust und klagen, daß sein Leben, ach so kurz, so sehr kurz gewesen!. Doch nein, nein, meine Geliebten! das nicht! Nein, sein Leben war nicht kurz, es war lang, denn es war inhaltreich! denn es hat der Verstorbene viel gewirkt, gutes gewirkt, heilsam gewirkt, segensreich gewirkt; es wirken viele Hunderte nicht die Hälfte von seinen Thaten und wenn sie «dreimal iw Jahre leben!! Darum betrüben wir uns nur, die wir so viel in Dir verloren, Dich nicht, unsterblicher Geist! ffvLer' 'n vani ^p-i: Deine Tugend geht vor Dir her und die Herrlichkeit Gottes nimmt dich auf! Du hast dich zu deiner himmlischen Laufbahn gehörig vorbereitet hienieden! Du hast den Lebenskampf rühmlich bestanden, den wir, ach vielleicht unter Schmerzen und Thränen noch zu kämpfen haben! Du genießest schon jetzt den Lohn deines Wandels und deiner frommen Thaten, in jeder Tugend einen Engel, einen Fürsprecher am Throne Gottes. Es ist der Staub nur zum Staube zurück gekehrt, aber der Geist hat sich empor geschwungen zu deinem und unserm Gotte, der Dich, der uns zum ewigen Leben berufen hat. Und so wollen wir aus diesem Heiligthume, in welchem wir i h n so oft gesehen und nie wieder sehen werden, nicht scheiden, ohne das Gelübde, daß auch wir uns der Unsterblichkeit werth und würdig machen wollen; daß jeder in seiner Sphäre fortsetzen wolle, was der tbeuere Heimgegangene begonnen, zum Besten Israels begonnen hat. Ach, Israel ist an Männern sehr arm, und in diesen Tagen an Einem armer worden, den zehn nicht ersetzen können, darum wollen wir dies bedenkend wirken, so lange cs Tag ist, und Gott uns hieniedcn Kraft zum Wirken verleihet. Du aber Gott, Herr über Leben und Tod, lehre uns unsre Tage zählen, damit wir ein weises und frommes Herz erlange». Laß uns nicht vergessen, o Gott! wie bald auch unsere Lebenszeit dahin schwindet? die letzte unsrer Stunden — wie bald sie nahet, nahen kann. Darum erwecke uns durch den Tod und den Heimruf deines Knechtes , daß wir in Deinen Wegen wandeln. Nimm dich aber auch derer an! die du heimgesucht und so schwer geprüft, o Gott! und denen du so viel abgefordert hast. Es bluten ihre Herzen an einer großen tiefen Wunde— ach heile sic, verbinde sie in deiner Liebe und Barmherzigkeit. Gieb ihrem Herzen Hoffnung und Trost und Kraft und Stärke, daß sie den Schmerz würdig tragen, und wie gottgläubige Söhne und Töchter Israels nach deinen Höhen schauen, von dannen allein Hülfe kommt und Rettung und Heil und Frieden und ewiger Segen, Amen. Literarische Uebersichten. (Fortsetzung.) Suchen wir zuvor eine klare Anschauung von dem ganzen Gebiete zu erhalten, welches sich vor uns ausbrcitet, und von dessen einzelnen Markungen. Die Grundlage unsres Glaubens ist die heilige Schrift. Diese unerschöpfliche der Weisheit und Erkennlniß, in der so viele Jahrhunderte schon ihre Stellen bauen, aus denen die unermüdlichen Arbeiter mit den Grubenlichtern ihres Verstandes, mit den Hämmern ihres Scharfsinnes ihr Silber und Gold, ihr Blei und ihre Schlacken zu Tage bringen, sie bedarf ununterbrochener Mühewaltung, damit der Strom des Lebens immer frisch herausstcöme, danllt die faulen Dünste und dösen Wetter des Irrsinns und der Verfinsterung immerfort verstiegen. Auch in Israel ist die Lust und Liebe zu seinem heiligen Worte wieder erstarkt, auch wir haben mit verjüngter Kraft unser altes Panier ergriffen, und lassen cs freudig in dem WindeSwehen des Lebens stattern und steigen. Wir haben recht gewichtige Arbeiten für dieselbe erhalten, und diese sollen unsren Blick nicht zum Letzten fesseln. Aber was die heilige Schrift in ihrer weiten Dehnung, in ihrer geschichtlichen Fassung ausgebreitet hat, will der Verstandes-- und Begriffsmensch der neuern Zeit in logischer- Ein-- und Unterordnung, in systematischer Gedrängtheit» als einen künstlichen Organismus vor sich sehen. Gestehen wir nur zu unserm Leidwesen ein, daß auch in der jüngsten Zeit für die höhere, philosophische Systemgestaltung unsrer Lehre Nichts geschehen, und nur in Fragmenten in den Zeitblattcrn dem künftigen Baumeister irgend benutzbares Material zugesührt ist: so stand doch die Bemühung, im Kreise der Jugend die jüdische Lehre