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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-08 · Heft 6 (8.2.1840) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 6 (8.2.1840)
Date
1840-02-08
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 flref auch unser Schmerz — unser Verlust ist größer. Und der Himmel — der Himmel ruft von ihm: “lNS.-lN “p Ti'N ■’-i? VSTw"1 (Sef. 49, 3.) Israel, mein Sinedjt, -einer rühm ich mich! Denn was auch den Charakter und das Wesen des ächten Sohn Jsrael's bildet — in dem Verstorbenen war es auf vollendete Weise anzutreffen. Ist der Gottes Knecht, Israelit zu nennen, der sich mit den Lehren Gottes vertrauet gemacht und an derselben sein Wohlgefallen findet (Ps. I, 2). Der Heimgegangene hat es gethan, Er, der in den Sinn und den Geist der göttlichen Lehre (n-nn) tief eingedrungen, Er, der von der Lehre des Herrn redete, wenn er zu Hause saß, wenn er auf Reisen war, wenn er sich niederlegte und wenn er aufstand (5 Mos. 6, 7.) Die schriftliche und mündliche Lehre fast in allen ihren Theilen war der Gegenstand seiner Forschung — war sein Eigenthum. — Und nicht blos in seinem Geiste und nicht blos in seinem Munde — nein, im Herzen trug er des Herrn Wort, um nicht zu sündigen (Ps. 119, 11) niv-'bi -wawb. Er wich weder rechts, noch links von der Lehre unsres Gottes, den er im Geiste und in der Wahrheit erkannte und verehrte, wie es dem Knecht Gottes, dem Israeliten geziemt. Macht die Weisheit, macht die Wissenschaft (nasn) den Sohn Jsrael's: O wer unter uns wol mehr, als der Frühgeschiedene befolgte das Wort: ernpn iira? ns vnnN nasnb Tias (Spr. Sal. 7, 4) Sprich zur Weisheit Du bist meine Schwester und die Vernunft nenne Deine Freundin. Mehr als ihr es wisset,' gel. Leidtragende und Mittrauernde! war er heimisch auf dem Gebiete der ernsten und schwersten Wissenschaften, war er aus eine nicht gewöhnliche Weise in den Geist alter und neuer Sprachen eingedrungen. Und doch war der ganze Schatz von Kenntnissen, die er besaß, nur eine schöne und köstliche Zugabe der Weisheit (naanb rii«-w*,v) Gott hat den Mann, dessen Andenken wir heute an heiliger Stätte feiern, mit Weisheit und Einsicht ausgerüstet und ihn wie Bezalel (2 Mos. 31, 3) mit göttlichem Geiste 'erfüllt, mit Einsicht und Verstand. Die Welt und die Menschen lagen klar vor seinem Blick und seinem Geist, darum konnte Er auch für Welt und Menschen so viel, so weislich wirken Doch, waS den Menschen zum Menschen, den Mann zum Mann, den Sohn Israels zum Israeliten erhebt, was in der Wage, mit der Gott wagt schwerer ist als „Lehre" und „Weisheit" (rmr^m min) Vas sind seine frommen und trefflichen Werke (ru"i ara). Das, früh verklärter Geist war dein Schmuck und deine Zier, war dein schönstes Eigenrhum. O, wie Viele haben bei Ihm sich Rath, bei Ihm sich Trost geholt! O, wie viel Hungriger speiseten an seinem Tische! Wie viel Nackter bekleidete seine Hand! Wie viel Nvthleidender und Dürftiger reichte er Unterstützung, und dies Alles auf eine so fromme, kluge und zarte Weise! Denn so klar und hell sein Geist gedacht, so weich und tief fühlte sein Herz, und mehr, als er es zeigte und zur Schau trug. Wie väterlich sorgte er für Wittwen und Waisen, wie väterlich für die armen Verwandten, deren Herz er, besonders an Fest- und Feiertagen — ächt israelitisch — zu erfreuen und zu erquicken suchte. — Was Gott uns gelehrt durch seine Propheten: „Brich dem Hungrigen dein Brod und führe betrübte Arme in Dein Haus, siehst du einen Nackten so bekleide ihn und entziehe dich nicht denen, die deines Fleisches sind" Jes. (58, 7.) — Er übte es, er erfüllte es still, geräuschlos. So kannte und übte er „die Liebe in ihrer doppelten Engelsgestalt!"') Und was war er nun erst den Seinigen! seiner Familie! Wie freudig schlug .ihm in ihrer Mitte das Herz! Ganz Gatte, ganz Vater, ganz Liebe lebte er seiner Gattin und seinen Kindern und der Engel des häuslichen Lebens und Glückes wich nie aus dem heiligen Gezelte, in welchem sich Eintracht und Frieden begegneten und Wohnung hielten — bis zum letzten Athemzuge. Mit Recht trauerst du, meine Gemeinde! um eines deiner ersten und ältesten Mitglieder, um den vieljährigen Director deines Vereins, um eine so starke und feste Säule dieses Hauses. Ge- *) Zn Beziehung auf die vorhergegangene Predigt.

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