Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1840)
- Date
- 1840-02-08
- Page
- Seite 85 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur. Archäologie. Homiletik. Nachruf, unmittelbar nach der am Sabbat deu 28. D.ez. 1839 gehaltenen Predigt, gesprochen von Herrn Dn Gotthold Salomon. Geist aus Gott geboren, Göttlich ist dein Loos, Du gch'st nie verloren! — Für den Staub zu groß. Für das Grab zu rein, Wirst du ewig sein! Schwingst dich auf zur Höhe, Lebst in Gottes Nähe. Geliebte Gemeinde, mit diesem Wort des innigsten Glaubens und des tiefsten Gefühls nenne ich Dir heute einen Frühverklärten, schmerzlich vermißten, tiefbetrauerten Biedermann in Israel, der Dein Gotteshaus gründen und leiten und fördern half und den du mit gerechtem, Stolze zu den Deinigen zählen durftest. Meier Israel Brefselau beeidigter Notar und Sekretär bei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg ist am 23. Dezember d. I. nach langem und standhaft und fromm getragenen Leid und Schmerz in dem noch nicht vollendeten 55sten Jahre seines thätigen und inhaltreichen Lebens und im 23sten seiner zweiten glücklichen Ehe von der Zeitlichkeit geschieden und aus der Mitte seiner zahlreichen tiefbetrübten Familie und Freunde zur ewigen Heimath, zu seinen Vätern eingethan und versammlet worden. Wenn die Wege und Sorgfalt der liebenden Gattin und Kinder, wenn die Kunst und der Fleiß kun- diger Aerzte, wenn die brünstigen Gebete und die heißen Thränen der Freunde und Verwandten den Todesboten von der Wohnung des Frommen hätten zurückhalten können — o, dann lebte er noch in unsrer Mitte; aber gebieten über Leben und Tod kann nur der einzige Gott, der im Leben wie im Tode derselbe liebreiche Vater bleibt*): sein Wille war's. Daß wir den Trefflichen mehrere Jalirzehende besaßen, sein Wille war's, daß wir ihn schon früh betrauern und in dem Einen Manne so viel verlieren sollen.So viel! Wol werden Männer zur Gruft getragen in der Jahre Kraft und Mitte; wol gehen Edle von dannen, die an der Spitze heilsamer Verwaltungen gestanden; wol ruft der Engel des Todes unerwartet den Vater aus der Schaar liebender Söhne und Töchter; wol sehen wir gar oft Fromme und Weise dahin scheiden, die wir durch keine Bitten und Thränen zurück halten können. — Doch in unserm, ach vor einigen Tagen uns entrissenen Bruder haben wir Alles dies, und noch weit mehr als einmal eingebüßt, denn gar vieles und seltenes hat der Heimgegangene in sich vereinigt, und ich spreche nur deine eigenen Gefühle und Gesinnungen aus, andächtige und zahlreich versammelte Gemeinde! wenn ich die alte Klage anstimme: .'proniöH nVi pstn Van Wehe! wir haben verloren, was wir nicht wieberstln-en!! So rufet Hamburgs Gemeinde, der er seine Kräfte gewidmet; so rufen die wohlthätigen Vereine, deren Stifter und Beförderer er war; so rufest du, meine Gemeinde, um deren Gotteshaus Er sich so viel und so große Verdienste erworben, ohne die Opfer zu scheuen, die Er der heiligen, ins Werk gesetzten Idee --- insonders beim Anbeginn des frommen Werkes — bringen mußte und gern brachte. — Wehe, wir haben verloren, was wir nicht wieder finden! so ruft die tief betrübte Gattin, die den Versorger und Gefährten eingebüßt: Wehe, wir haben verloren, was wir nicht wieder finden! So rufen die verwaisten Söhne und Töchter, deren liebevoller Ernährer und Führer er war. Wehe, wir haben verloren, was wir nicht wieder finden! so rufen seine Freunde, die seines Umgangs und seiner Belehrung genossen. Und so rufen Alle, die ihn gekannt und geliebt; sie Allesammt vereinigen sich in dem Geständniß: So *) Aus die vorher gehaltene Predigt sich beziehend.