Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1840)
- Date
- 1840-02-08
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
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82 Werfen wir einen vergleichenden Blick auf die jüdische Bevölkerung Frankreichs und auf die unseres eigenen Landes, so treten die traurigen Resultate des hiesigen unseligen Zustandes und unserer ungerechten Behandlungswelse im grellsten Lichte der Wahrheit und wie vom bengalischen Feuer überstrahlt, uns vor die Augen! Und wenn wir nichtsdestoweniger auch hier auf so vieles einzelne Gute unter den Juden stoßen, wenn auch hier so viele Gestalten aus ihrer Mitte cntgegentreten, die durch ihre sittlichen und geistigen Eigenschaften, durch ihren Lebenswandel, wie durch ihre Bildung, uns wahre Hochachtung und wahren Beifall abnöthigen, so ist das doch nicht unser Verdiei st, noch die Frucht unserer gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern es ist vielmehr die Hand der Allmacht, »die hier einmal wieder zu unserer Beschämung ein halbes moralisches Wunder schafft! — „Wir pflegen eifrig ihre Köpfe unter uns zu zählen, und finden wir, daß ihre Anzahl unsere in ein so ärmliches arithmetisches Maaß gezwängte gesetzliche Toleranz nur um etwas übersteigt, so treiben wir alsbald und rücksichtslos die überzählig befundenen aus unseren Städten und Dörfern hinaus und fragen nicht, welchem Loose sie entgegen gehen. Eine solche Wcgsührung sah ich einst in einer nahmhasten Stadt dieses Landes an einem eisigen Wintermvrgen vor sich gehen, und als ich das ganze so durchsichtige Elend der fortgeschleppten Truppe gewahrte, die frostigen Kleinen, die jammernden Alten, da schien es mir. fast, daß unsere Religion in schlechte Hände gerathen, und es wollte mir Vorkommen, als ob sie viel zu gut und viel zu rein sei für uns, und es für unsere Eisenherzen einer anderen bedürfe. —" „In den öffentlichen Verhandlungen über die Judencmancipation hat jemand die welthistorische Frage gestellt: „Sind die Juden Holsteiner?" und damit einen nicht zu passirenden spanischen Reiter in den Weg der Emancipation zu schleudern vermeint. Obgleich nun diese Frage ihrem Gehalte nach hart an die so bekannte vom Zinsgroschen im Evangelium streifen mag, man wenigstens sich unwillkürlich an diese erinnert fühlt, auch sie ihrer Amphibolie wegen erst nach einer Gegenfrage eine Antwort finden und daher immerhin verfänglich und sophistisch genannt werden kann, so ist sie doch wieder auf der anderen Seite eine so ungemein platte, eine so gänzliche dialektische Null, daß man ihr in den Lehrbüchern der Dialekrik kein langes Leben versprechen kann und sie lange nicht an die den Syllogismus cornutus einleitende Frage des Alterthums reicht. Denn wenn der Frager uns erst gesagt haben wird, welche Juden er darunter verstanden haben wolle, alle möglichen Juden in der weiten Welt, oder die in Holstein geborenen und dort lebenden, so ergiebt sich ja im ersten Falle eben so leicht eine Verneinung, wie im zweiten eine Bejahung; denn daß derselbe nur ganz einfach darunter verstanden habe, ob die Juden vermöge ihres anderweitigen Gottesdienstes 'für Holsteiner gehalten werden könnten, läßt sich nicht füglich annehmen, da dies ja gerade die Emancipationsfrage selbst ist und mithin eine ganz müßige abermalige Frage gewesen wäre. Wollte man die Juden im zweiten Falle aber deshalb nicht als Holsteiner betrachten, weil sie doch keine Autochthonen, keine vormondliche Bewohner Holsteins seien und ihre Väter einmal vor kurzer oder langer Zeit hier einwanderten, so ist das freilich sehr richtig, würde aber auf noch viele tausende andere Bewohner Anwendung finden und eine Untersuchung abgeben, die zuletzt gar nicht mehr ausführbar und zu entwirren sein möchte. Zahlreiche Beamte und selbst Großwürdenträger im Staate würden auf diese Weise plötzlich ihrer Stellen und Würden, so wie ihrer politischen Rechte verlustig gehen, ja die Bewohner ganzer Distrikte unseres Landes würden sodann in die Kategorie der Ausländer zu setzen sein, weshalb es denn jedenfalls geralhener scheint, sich in dieser Beziehung strenge an die bekannten Bestimmungen des Jndigncatrechts zu halten und die beregte Frage nach wie vor mit einem vernehmlichen Ja zu beantworten." „Mancher dürfte sich indessen zu der Annahme noch immer geneigt fühlen, daß die hiesigen jüdischen Zustände in soweit wenigstens mit den altägyptische» in einen Vergleich, nicht treten könnten, als man der hiesigen Judenschaft doch jedenfalls und unbezweifelt einen freien Abzug zustehen würde, falls selbige sich zu diesem Verzweislungsschritt durch die Last der Verhältnisse getrieben fühlen sollte. Diese Annahme möchte, so plausibel sie auch auf den ersten Blick scheint, nichtsdestoweniger eine zu voreilig gefaßte sein- Alle diejenigen, die sich der Emancipation angeblich nur aus der Krämerperspektive widersetzen und deren