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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-08 · Heft 6 (8.2.1840) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 6 (8.2.1840)
Date
1840-02-08
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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83 in der Jugend mit so großer Mühe und so vielen Kosten ausgeführtes Moralgebäude somit an einigen Thalern Crt. zu zerschellen droht, würden freilich gegen einen solchen intendirten Auszug so wenig einzuwenden haben, daß sie sich vielmehr sehr geneigt finden lassen dürften, den Juden zu diesem Ende eine Brücke zu bauen, falls selbige der Elbebbe für einen zu bewerkstelligenden Durchgang nicht hinlänglich trauen sollten; jene fanatische Fraktion der hiesigen Gesellschaft aber, jene guten Theologen und schlechten Christen consequenterweise nicht. Diese sind nämlich unter noch vielen anderen fixen Ideen auch auf die gekommen, — und ein Prediger hat es nicht eben apokalyptisch der letzten Ständeversammlung mit einer gewissen Süffisance eröffnet — daß das hiesige Land ausdrücklich von Seiten der göttlichen Regierung dazu vor allen andern auserlesen sei, die Schaaken des göttlichen Zorns zu hegen und als irdisches Zuchthaus der Juden zu dienen. Auch sei der königl. dänischen Regierung eben daher der ganz specielle und ausdrückliche Auftrag geworden, den Kerkermeister für diese unglücklichen Abkömmlinge eines großen Geschlechts abzugeben." „Ohne daraus irgend eine nachtheilige und gewiß auch sehr unrichtige Schlußfolgerung aus die Gesinnung der hiesigen Gesammtbevölkerung ziehen zu wollen, bleibt es doch bemerkenswerth, daß fast nur Juden, oder doch Männer von jüdischer Abkunft, in den hiesigen, Lokalblättern und sonst ihre Stimme für die Emancipation und zur Widerlegung der aus letzter Ständesitzung bis zu uns emanirten Aeußerungen erhoben haben, und sich durch das so beharrliche christliche Schweigen in die unangenehme Nothwendigkeit versetzt sehen, in ihrer eigenen Sache zu plädiren. Selbst Rießer fand sich bewogen, von Bockenhcim aus, eine literarische Lanze mit den hiesigen Gegnern der Emancipation zu brechen und selbige bei dieser Gelegenheit eben so rasch, wie unsacht auf den Sand des unzulänglichen Grundes zu setzen. Allein trotz ihrer so reinen Sache fechten diese Männer doch in einem ungleichen Kampfe und einer genirten Stellung. Wind und Sonne sind offenbar nicht gleich vcrtheilt, auch dürfen sie sich nicht recht geschärfter Waffen bedienen und müssen der feindlichen Meinungsburg aus gewissen Rücksichten, trotz ihrer so gänzlichen Wehrlosigkeit, die Ehre einer förmlichen, regelrechten Belagerung mit j allem gelehrten Belagerungsapparat gezwungenerweise anthun, während doch einige Flintenschüsse in die Luft und einige drohende Demonstrationen vollkommen genügt hätten, um die Gegner alsbald und mit Zurücklassung ihres ganzen dialektischen Gepäcks zur Abandonnirung ihrer so unhaltbaren Position zu bewegen. Derjenige aber, der bei einer Emancipation, wenn auch nichts verlieren, so doch auch nichts gewinnen kann, der seinen lutherischen Taufschein überall im Stande ist vorzuzeigen, der die Kokarde des einzig privilegirten Glaubens an seinem Hut tragt, in dessen Adern auch kein Tropfen jüdischen oder katholischen Bluts fließet, es möchte denn letzteres dreihundertjahriges sein, braucht alle diese Rücksichten nicht zu nehmen. Schreiber sieht sich freilich im glücklichen Besitz aller dieser schätzbaren Güter, und wenn er nichtsdestoweniger auch Rücksichten nahm und ersichtlich oftmals mehr mit den von den Gegnern selbst so unvorsichtig ihm eingehändigten Waffen spielte, als einen ernstlichen Gebrauch von ihnen machte, so geschah das nicht sowol aus Mangel an Ernst und Eifer, als aus der Absicht, so wenig als möglich zu verletzen. Denn die gegenwärtige Angelegenheit ist ernst und wichtig. Es wird die Frage verhandelt, ob es der größeren Zahl in einem Lande freistche, die kleinere Zahl ihrer Mitbürger wegen ihres abweichenden Glaubens zu bedrücken und zu verfolgen. Es ist das Princip der religiösen Freiheit, was noch immer hier angetastet wird, der Gewissensfreiheit im höchsten und weitesten Sinne des Wortes, und die Lösung der jetzigen Streitfrage erstreckt sich daher nicht allein auf die Juden, sondern indirect und in ihrer Anwendung auch auf die Anhänger des katholischen Glaubens, so wie auf die anderer christlicher Confessionen, die insgesammt in unserm Lande nur geduldete Existenzen und an wichtigen Rechten mehr oder weniger beeinträchtigte Menschen sind!" So weit der edle Verfasser dieses Aufsatzes, auS welchem wir noch manche herrliche Stelle des beschränkten Raumes wegen fallen lassen mußten. Man sieht hieraus, wie viel dem hochherzigen Könige zu thun noch übrig geblieben. Möge der Allvater mit Ihm sein, und sein Werk gegen Haß und Vorurthei'l erleichtern und segnen!

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