Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1840)
- Date
- 1840-02-08
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
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so unsre Zeitgenosseck und unsre Jugend beseelt; in dieser Bewegung liegt eine schöne Zukunft, wir können uns, diese erwartend, der Gegenwart rühmen." Tages - Lontrolc. Die Judenschaft in Schleswig-Holstein und ihre Emancipation. Zeitgemäße Betrachtungen eines protestantischen Geistlichen in Holstein. Die Verheißungen Sr. Maj. des Königs Christian VUk-, die scdon jetzt in Erfüllung zu gehen scheinen, lenken die besondere Aufmerksamkeit namentlich wieder auf unsere Glaubensgenossen in Schleswig-Holstein. Leser dieser" Zeit, wissen, wie intolerant und judenfeindlich die vorjährigen Provinzialstände sich gegen die Juden benahmen, im grellsten Gegensätze zu ihren verschwisterten dänischen Provinzialständen in Röskilde. Wir halten es daher für angemessen, einige Stellen aus einem Aufsatze mitzutheilen, der kurze Zeit darauf in den „Literarischen und Kritischen Blättern-der Börsen-Halle" zu Hamburg, aus der Feder eines edlen protestantischen Geistlichen (und die Redaktion jener Blätter bezeugte dies ausdrücklich,) erschien. „Die seeländischen Provinzialstände haben sich unbedingt für die Emancipation der Juden erklärt und dadurch den so wohlwollenden Gesinnungen der Regierung gewiß nur entsprochen, die holsteinischen bei ganz gleichen Verhältnissen — nicht! — und wenn der Mensch der große Gedankenstrich im Buche der Natur genannt wird, so kann man diesen Umstand wiederum den großen Gedankenstrich in den Acten der holsteinischen Ständeversammlung nennen; ein dunkles Räthsel, in dessen Liefen die menschliche Vernunft vergeblich hinabtaucht, um seinen Grund zu finden!" „Das Princip des Judendruckes, was von Alters her sich noch immer in der hiesigen Gesetzgebung verkörpert findet und seine Apotheose unter uns zu feiern Willens scheint, hat, genau genommen und nach seinem innersten Wesen ausgefaßt, eine so große Aehnlichkeit mit jenem uralten Pharaonischen Princip, das einst an den Ufern des fernen Nils, in einem Lande von Palmen und Pyramiden in Blüthe stand, daß man sich versucht fühlen könnte, beide für ganz identisch zu halten und an einen großen dreitausendjährigen Anachronismus im hiesigen Lande zu glauben. Denn obgleich dreitausend Jahre und mehr zwischen jener versunkenen Zeit und der unsrigen liegen, obgleich wir uns tausend Jahre und mehr an den warmen, reinigenden Strahlen des Christenthums gesonnt und während dieser Zeit die dickleibigsten moralischen Folianten ausgebrütet haben,;a, obgleich wir von Kindesbeinen an mit moralischen Krastsuppcn recht eigentlich in Schule und Kirche großgefüttert und g^kraftigt wurden und, so zu sagen, auf dtr fettesten moralischen Weide gingen, auch die kitzlichsten Fragen aus der Sittenlehre zum Verwundern gut in thesi zu lösen vermochten, und jeder von uns als Professor der Moral sein Glück machen könnte, so beweist doch die noch fast ganz dem Mittelalter angehörige Lage der hiesigen Judenschaft, daß wir es in praxi eigentlich nicht viel weiter in der Sittenlehre gebracht haben, als jene alten Aegypter, und die moralischen Bestandtheile unserer Religion vielfältig nur zu einem sühnenden Firniß verarbeiten, womit wir unsere Worte und Handlungen äußerlich blank überziehen und auch dem größten Unrechte ein anständiges und blendendes Aussehen zu verleihen trachten. Ja, in sofern möchte sogar das hiesige Lhun und Lreiben noch um vieles verwerflicher und schmutziger erscheinen, als wir nur durch kleinliche materielle Interessen und durch eine fanatisch sich kundgebende Religiosität zum Judendruck instimulirt sind, während jenes alte Volk lediglich durch die so gegründete Furcht vor der eigenen Unterdrückung und der eigenen Unfreiheit sich dazu veranlaßt fühlte." „ Nicht in schwerer Arbeit in Lhon und Ziegel«, nicht mit allerlei Frönen auf dem Felde, wie es in der lutherischen Version jener alten morgenländischen Geschichtserzählung weiter lautet, machen wir ihnen freilich gerade das Leben sauer, aber durch hundert andere schlimmere Dinge machen wir ihnen nicht allein das Leben sauer, sondern vergiften es ihnen; verdammen sie nicht so sehr zur Frohne des Leibes, wie zur Frohne des Geistes, sprechen ihnen ihre volle Menschenthümlichkeit ab, rauben ihnen ihre freie Aus-