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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-08 · Heft 6 (8.2.1840) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 6 (8.2.1840)
Date
1840-02-08
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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7S man eine positive Religion festhalten könne? — Wie sollte er es in seiner Gleichmacherei dulden können, daß abseitens des Oeffentlichen jeder seine Eigenthümlichkeit, sobald sie dem Staate nicht schadet, bewahren dürfe? — Er beweist nun, daß Tsarphati mit Recht einzelne Vorfälle gerügt habe, über die Rabbinenschule zu Metz, über die Ehebrot, über die Notabeln rc. Er entschuldigt die Sarkasmen und Bit, terkeiten Tsarphati's, als die gerechten Waffen der Polemik, und bringt mehrere Beweise aus der Geschichte heran, daß diese gegen religiöse Mißstände stets mehr gewirkt haben, als rationelle Untersuchungen. Es wird aus diesen Worten des Redakteurs nichts weiter klar, als daß, neben den gerechten Angriffen Tsarphati's auf wirkliche Uebelstande, seine Gehässigkeit, seine Erniedrigung alles Jüdisch - Religiösen schon ihre Früchte tragen, nämlich: die öffentliche Meinung gegen die Israeliten in Frankreich aufzureizen, und diese jener von Neuem zu entfremden. Trauriges Resultat, welches einige Kultusreformen, die doch mit der Zeit kommen mußten, gewiß nicht aufwiegen. Wir stellen dies darum so klar hin, damit unsere Brüder in Deutschland auch ihrerseits zu dieser Einsicht kommen, weil auch in Deutschlands Mitte, und namentlich in dieser Mitte solche existiren, die um einiger doch zu erreichenden Kultusreformen willen, das Zudenthum zu verketzern, seine ganze Vergangenheit zu schmähen, und auf ihrer Väter Gräber den Stein der Verdammniß zu werfen sich nicht entblöden! Paris, 15. Jan. (Privatmilth.)*) Auch Herr Cröhange hat abermals sein Votum in einer zweiten Nummer der Scntinelle juive abgegeben. Dieselbe faßt zwei Schreiben, das eine an Herrn Cahen, das zweite: „Mes Ailieux aus Tsaqihatistes. “ Es sind weniger diese Briefe, als einige Curiosa, die daran geknüpft sind, welche Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen werden. Daher Folgendes. Herrn Cahen, weil er einerseits als Rationalist bekannt ist, andern Theils aber alle Extreme vermeiden, und die Ehrenrettung seiner Religion immer im Auge haben *) Bon unserm zweiten Korresp. in Paris. Redakt. will, wird jetzt von beiden Seiten geschmeichelt Man sieht, die Urbanität und Gemessenheit.bleibt stets das höchste Tribunal. Herr Cröhange behauptet, daß nicht aus den Chebrot der Widerstand gegen etwaige Reformen, die das Konsistorium beabsichtige, hervorgehen werde. Wenn er auch jedem Israeliten das Recht, Verbesserungen zu petitionniren, zusprechen will, so sei doch sie zu realisiren nicht Jedermanns Sache: denn Fragen der Religion seien nicht „Zucker- und Eisenbahn Fragen," die nach Stimmenmehrheit entschieden werden. „Ein Reformator muß Vertrauen erwecken. Sagen zu wollen, daß ein Tsarphati, der einen Fuß in der Synagoge, einen Fuß in der Kirche haben will, und der in Wirklichkeit nirgends Fuß gefaßt hat, mich gehen lehren soll, ist ein wenig sonderbar." Er bekämpft den Satz Cahen's, daß „die Beschneidung und der Sabbat Fragen seien, welche mit möglichster Würde behandelt sein wollen;" denn es seien dies überhaupt keine Fragen, weil sie nicht verändert werden können, ohne daß wir aufhörcn, eine auf dem Ofsenbarungsgesetze sich basirende Religion zu bilden und zu haben. — Jndiesem Briefe giebt Herr Cr. auch zu verstehen, daß der Pseudonym Tsarphati kein Anderer sei, als der Bibliothekar Terquem. — In dem folgenden Abschiedsbriefe an die Tsarphatistcn ergießt sich Cr. in eine Fülle von satyrischen Bemerkungen, als Entgelt für den 19. Brief Tsarphati's. Es ist abermals die Bitterkeit, mit der Tsarphati die religiösen Verhandlungen betreibt, und in der er seinen Glauben zu erniedrigen sich nicht scheut, die er laut anklagt. Um zu zeigen, daß nicht alle bewährten Israeliten Frankreichs Tsarphati's Meinungen theilen, giebt Herr Cr. auch einen Brief, den Crömieuxj dieser berühmte Advokat, an ihn geschrieben, als er die improvisirte Rede auf dem Grabe Jonas' gehalten, die Sie No. 67. v. I. mitgetheilt. Cwmieux schreibt darin: „Es ist jetzt mit einigem Stolze, daß man in Frankreich sich Jude nennt. Seit einigen Jahren sehe ich mit innigstem Vergnügen einen unermeßlichen Fortschritt unter uns Israeliten. Alle Laufbahnen öffnen sich mit Ehre vor uns. Es ist ein Anblick, würdig des Lobes, diese Thätigkeit, diesen Eifer, diese edele Anstrengung zu bemerken, welche

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