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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-08 · Heft 6 (8.2.1840) · p. Seite 78

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 6 (8.2.1840)
Date
1840-02-08
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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78 Durch eine seiner Predigten f>at er einen Handwerksverein in Anregung gebracht, dem recht bald die nöthigen Mittel zufließen werden. Auch hat der erste Vorsteher, König, durch den Rabbinen bestimmt, es dahin gebracht, daß künftig die Trauungen in der Synagoge selbst vorgenommen und mit Traupredigten verbunden werden. Dies Alles geschah in den zwei Monaten, in denen Herr Freier sein Amt versieht, und man sieht daraus den Eifer, der diesen Mann beseelt. So steht uns eine recht lichte Aussicht offen! 6. Prag, 19. Jan. (Privatmitth.) So eben erfahren wir aus glaubwürdiger Quelle, daß die Allerhöchste Dispens rücksichtlich der Nappaportischen Angelegenheit beim hiesigen Hohen Landesgubernium angelangt sei, und daß jetzt seiner definitiven Anstellung in unserer Gemeinde nichts mehr im Wege stehe. Es ist dieß die zweite glückliche Acquisition, die uns seit Kurzem durch die Allerhöchste Gnade aus der Fremde her zu machen vergönnt ist, deren Folgen sich gewiß durch ein neu erwachendes religiöses Leben in unserer Gemeinde kund geben werden. Denn so wie es des Dr. Sachs, unseres.verehrten Predigers unablässiges Bemühen war, durch sein kräftiges Wort dem für religiöse Interessen seit längerer Zeit stumpf gewordenen Sinne im Allgemeinen neues Leben einzuflößeu: so muß und wird es Rappaports vorzüglichste Aufgabe sein, die einzelnen Religionsvorschriften durch Zurückführung auf ihre innere tiefere Bedeutung mit der jetzt-herrschenden Bildung im Sinne eines wahrhaften religiösen Fortschrittes in Einklang zu bringen; eine Aufgabe, die freilich nicht mit einem Schlage, aber gewiß durch ein umsichtiges Eingreifen einer allmäligen glücklichen Lösung entgegengeführt werden wird. Und so wie wir der Gemeinde dazu Glück wünschen in Rappaport einen für dieses Unternehmen so sehr geeigneten Mann gesunden zu haben, so können wir auf der anderen Seite dem verehrten Ankömmling mit der Versicherung entgegenkommen, daß er durch die große Anzahl von Verehrern, die hier seiner wartet, sein mühevolles Geschäft erleichtert, und eine angenehme, sorgenfreie Existenz in seiner neuen Heimath gesichert sehen werde. Möge er nur dem nächstens an ihn ergehenden Ruf mit Vertrauen folgen, und er wird es gewiß durch die Zukunft gerechtfertigt finden. Frankreich. Metz, 12. Jan. (Privatmitth.) Wenn es auch nicht von großer, entscheidender Wirkung ist, so muß es doch ein Gegenstand der Neugierde sein, ein Wort des Redakteurs des 6ourrivr de la Moselie zu vernehmen, womit derselbe seine (Joncspondance israe- Iite, diesen bei ihm stehend gewordenen Artikel rechtfertigt. Da nämlich in neuester Zeit bittere Urtheile über die Lettre« Tsarphatiques, selbst von Cahen, laut geworden, so hält es der gedachte Redakteur für gemäß, seine Gründe anzugeben, warum er seine Spalten diesem Gegenstände öffnet. Er richtete daher ein Schreiben vom 31. Dez. an Herrn Cahen. Er meint nun, daß er die Tsarphatischen Briefe darum aufnehme, weil er sie sowol in Bezug auf Inhalt, als auf Form für richtig und gut hält, ankämpfend gegen Mißstände, die bestehen. Um dies zu erweisen, stellt er auf, daß Tsarphati Nichts wolle, als 1) daß die Beschneidung durch Garantieen der Geschicklichkeit des Operateurs sicher gestellt werde, und darin würde wol jeder Vernünftige ihm beistimmen; 2) daß der Sabbat auf den Sonntag verlegt, und für die hebräischen Gebete deutsche eingeführt würden, er, der Redakteur, finde dies sehr billig, man sage aber, dadurch würde die Religion selbst geändert, und obgleich er dies nicht einsehe, so schwiege er doch vor solchen Gründen, die durch bürgerliche Nachtheile überwogen, würden. Was nun die Form anbetrifft, so zeigt sich dieser Redakteur auch darin mit Tsarphati übereinstimmend, daß er die Juden eine populatiou excentrique nennt, weil sie in Religion, Sitten, Gebräuchen, Gewohnheiten, Arbeiten, Sprache und Nahrung von den übrigen Franzosen abweichen. Es mehre sich zwar die Zahl der Israeliten von Tag zu Tage, welche hievon eine Ausnahme machten, aber die Masse, die darin verharre, bleibe doch darum immer noch excentrique. Man sieht, daß der Redakteur im Grunde doch nichts Anderes will, als daß die Juden nicht mehr Juden bleiben sollen. Denn da auch die jüdische Masse alle ihre Bürgerpflichten getreulich leistet, da jene alterthümlichen Sitten, die unreine Sprache rc. immermehr schwinden, wie ich mit Bestimmtheit behaupten kann, so sind ihm Religion, häusliche Speisegesetze, hebräische Gebete doch noch Momente genug, um die Juden als „Fremde" zu betrachten. Wie sollte auch ein echter Schüler von 1799 begreifen, daß

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