Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1840)
- Date
- 1840-02-08
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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76 *8 die Absicht, den diesjährigen Ständeversammlungen einen Gesetzentwurf über diesen Gegenstand vorzulegen. Hier werden sich Gegner genug finden, aber landein justa causa triumphabit! Preußen. Preuß. Holland (Ostpreußen), 6. Jan. (Privatmitth.) Daß auch in unsrer Gegend die Bedürfnisse der Zeit ihre Befriedigung zu erlangen beginnen, daß namentlich unsre Gemeinde sich dieser hinneigt, erwies am 4. Jan. eine Konfirmation, welche der seit einem Jahre hier angestellte Neligionslehrer Prag in unserer Synagoge abhielt. Nach einer recht eindringlichen Predigt über „Religion als höchstes Gut der Menschen," fand die Neligionsprüfung und Ablegung des Glaubensbekenntnisses, in echter Religiosität und Frömmigkeit statt. Möge diese Einführung in den Glauben unsrer Väter auch bei uns immer mehr heimisch werden. Koblenz, 19. Jan. (Privatmitth.) sObglcich das Thema über, die Schädlichkeit des Mizwotvcrkaufes an Sabbaten und Festtagen schon fast veraltet ist, indem dieselbe allen Vernünftigen hinlänglich klar geworden, so lassen wir doch folgende einfachen Worte, datirt von obigem Orte, hier folgen, theils weil so viele Gemeindevorsteher noch so sehr saumselig in Abschaffung desselben sind, theils weil ein wirklich unangenehmer Vorfall denselben zu Grunde liegt, den wir aber selbst nicht weiter berühren. Redakt.j Die öffentliche Meinung übt in unfern Tagen einen so mächtigen Einfluß aus, daß mancher, schon viele Jahrhunderte hindurch, bestandener Mißbrauch deshalb abgeschafft wurde, weil solche ihn verwarf, und oft haben Ansichten, die in öffentlichen Blättern erörtert wurden und die Billigung der Gutgesinnten erhielten, zur Abstellung von Mißbräuchen mehr gewirkt, als mündlich auch mit noch so vielem Nachdrucke, gemachte Demonstrationen, die nur in den Grenzen einer Gemeinde blieben. Ich meine hier nun insonders den Gebrauch, der noch in vielen Synagogen fortbesteht, verschiedene gottesdienstliche Handlungen an Fest- und andern gewissen Tagen, in einer Versteigerung auszubieten und dem Meistbietenden zu überlassen. Nicht allein daß dieses Verfahren die Andacht stört und den Gottesdienst profanirt, giebt es auch Veranlassung, daß das Gotteshaus häufig zum Tummelplätze kleinlicher Leidenschaften herabgewürdigt wird, die schon Scenen herbeiführten, welche öffentlichen Skandal und gerichtliche Verhandlungen zur Folge hatten. Der Gottesdienst, der in uns das Gefühl der Nichtigkeit aller Staubgebornen erwecken, und nur dem Allerhöchsten gewidmet sein soll, muß auf diese Art der Rachsucht, der Kriecherei und dem Eigennutz als Mittel dienen, ihre verwerflichen Absichten zu erreichen. T ist mit H zerfallen, wo giebt es nun eine bessere Gelegenheit, diesem seine Feindschaft fühlen zu lassen, als indem er eine Mizwa, die jener erkaufen will, so vertheuert, daß der unbemittelte A zurückstehen muß? A. möchte zu irgend einem Zweck die Gunst des reichen B. gewinnen; er kaust ihm daher eine Mizwa, sollte auch der Preis derselben nicht im Einklang mit seinen Vermögensumständen stehen. Welche Früchte trägt ein solcher Gottesdienst? Statt Versöhnung, verstärkten Haß, statt Beruhigung, Erbitterung, statt seine Bitten dem Himmel zuzuwenden, sucht man sich bei Menschen einzuschmeicheln. Soll demnach, nicht Jeder, der esaufrichtig mit der Verbesserung unsres Kultus meint, lebhaft wünschen, einen so schädlichen Uebelstand aus unserm Gottesdienste verbannt zu sehen, und so viel wie möglich dazu beitragen, daß dieser Gebrauch, der uns in den Augen unserer Mitbürger anderer Konfessionen lächerlich machen muß, endlich überall abgeschafft werde? Ich kann mich erinnern, daß bei Gelegenheit der Anwesenheit eines hohen Regierungsbeamten in der hiesigen Synagoge, die Vorsteher der Gemeinde, den Gottesdienst, ohne die besprochene Auction abhalten zu lassen, vor sich gehen ließen. Man fühlte also das Lächerliche dieses Gebrauchs und hatte mehr Scheu vor einem Menschen, als vor dem höchsten Wesen, dessen Verehrung auf die anständigste und ehrfurchtvollste Weise Statt finden soll! Die Zeiten sind anders geworden; unsere Nation ist in der Bildung seit einigen Decennien, mit Riesenschritten voran gegangen; unsere Jugend besucht Schulen und Universitäten, und kann unmöglich an der Einrichtung unsres Gottesdienstes Geschmack finden, wie solcher leider bei so vielen Gemeinden noch besteht. Es erfolgt daraus, daß Viele die Synagoge höchst selten oder gar nicht mehr besuchen, und